Alte Betrugsmaschen funktionieren noch immer

Über 10 000 Beratungs- und Informationskontakte verzeichnete die Plauener Verbraucherzentrale im zurück liegenden Jahr. Fazit: Alte Betrugsmaschen funktionieren noch immer, neue kamen hinzu.

 

Es gibt Berufe, wo man wahrscheinlich besonders schnell den Glauben an das Gute im Menschen verlieren könnte. Berater in einer Verbraucherzentrale könnte dazu gehören. Zumindest wenn es ausschließlich darum ginge, das bereits in den Brunnen gefallene Kind wieder herauszuholen. Doch Claudia Neumerkel und Magdolna König - letztere nach Jahrzehnten an vorderster Front kämpfend und nunmehr ins "zweite Glied" getreten - arbeiten auch vorbeugend.

Oft ist die neue Chefin Claudia Neumerkel an Schulen, um Fünftklässlern unterschiedlicher Schulformen mit dem Projekt "Soziale Netzwerke" vor allem die Risiken aufzuzeigen, die sich aus einem zu sorglosem "Spaziergang im Netz" ergeben können. Da wachse eine Generation heran, die für die Gfahren der neuen Medien besonders anfällig sind, sagt die studierte Juristin. "Selbst Mittelschüler machen uns in Sachen PC-Technik was vor, aber juristisch gesehen haben sie ?keinen Plan?." Dort setzt sie an, versteht sich als Verbindungsperson. Fragen zum Urheberrecht werden spielerisch interaktiv gelöst. Dabei weiß sie nur zu gut, dass die Maschen der Betrüger im Internet immer dreister werden, immer schneller wechseln. "Was in Sachen Smartphone und Apps abgeht, dafür gibt es teilweise noch gar keine Rechtssprechung."

Vor allem Jugendliche tappen oft in die so genannte Download-Falle. Sie laden sich illegal Musiktitel oder ganze Alben herunter, oder auch Filme und dann rollen die Abmahnungen über sie herein. Kanzleien, die sich im Auftrag großer Anbieter darauf spezialisiert haben, fordern oft knapp 1000 Euro. Immerhin - noch vor Jahren waren die Sünder mit 1700 Euro und mehr dabei. Mittlerweile, so Neumerkel, hagele es auch Abmahnungen für die unerlaubte Benutzung geschützter Bilder oder Texte. Das Internet mit all seinen Nuancen werde in den nächsten fünf Jahren das Hauptstandbein der Verbraucherberater, ist sich Frau Neumerkel sicher.

Unter anderem auch deswegen, weil die jetzt ins Rentenalter kommende Generation im bisherigen Berufsleben bereits hinreichend Erfahrungen mit PC und Internet hatte. Demzufolge geraten sie auch verstärkt ins Visier der Abzocker. Und die Tricks wechseln immer schneller. "Die neue Abzocke des Gewinnspieleintragungsdienstes www.win-finder.com hätten wir in diesem Ausmaß nicht erwartet, das breitete sich flächendeckend in kurzer Zeit über ganz Deutschland aus."

Im Kern geht es darum, dass Abbuchungen für diesen Service über die Telefonrechnung erfolgen - man muss also gar nicht seine Bankverbindung preisgegeben haben. Zunächst erhält man die Mitteilung über einen Gutscheingewinn, wenig später einen Brief des IFK-Glücksteams mit der Aktivierung für besagte Internet-Seite. Und schließlich erscheint auf der Telefonrechnung in der Rubrik "Beiträge anderer Anbieter" die Abbuchung von wöchentlich 9,90 Euro. Mittlerweile reagierte die Bundesnetzagentur und sprach Ende des Jahres gegenüber dem windigen Anbieter ein Inkassoverbot aus. Mithin: Der Dreistigkeit sind keine Grenzen gesetzt. Manche Nepper geben sich am Telefon als Mitarbeiter der sächsischen Lottozentrale, der ARD-Glücksspirale oder gar der Verbraucherzentrale aus.

"Aufgrund der unendlichen Angebote im Internet werden wir zunehmend zur Reklamationsstelle", lächelt die Verbraucherschützerin, die es glücklicherweise auch mit seriösen Themen zu tun bekommt. "Unser Stromanbieter-Tag im Oktober war der Oberknaller. Die Leute standen bis zur Tür und wir berieten im Drei-Minuten-Takt." Kein Wunder, dass sich die Leute in Zeiten realer oder gefühlter Teuerungen informieren möchten, bei welchem Anbieter der Strom am günstigsten aus der Dose kommt. Ähnliches gilt für die Heizkostenabrechnung - in diesem Falle arbeiten die Verbraucherschützer eng mit einem Energieberater zusammen, der teilweise auch vor Ort berät.

Aber auch die Betrugs-Klassiker werden immer wieder gern angewandt, um Gutgläubigen Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Lottoversprechen gehören dazu wie auch die Kaffeefahrten, wobei es hier vor allem um Reisen geht. Schnell geraten die finanziellen Reinfälle dann in den Tausender-Bereich, wie kürzlich bei einem Reichenbacher Ehepaar. Es müsse wohl eine Mischung aus Geiz und Gutmütigkeit sein, die noch immer viele veranlasse, bei vermeintlichen Schnäppchen zuzuschlagen, mutmaßt Frau Neumerkel.

Für zusätzlichen Beratungsbedarf sorgte im Vorjahr auch der Asche speiende isländische Vulkan mit dem schwierigen Namen. Dabei ging es vor allem um reiserechtliche Fragen und Stornierungen. Während die neue Leiterin sich zu einem guten Teil um Internet-"Opfer" kümmert, "macht" Magdolna König "in Versicherungen und Geldanlagen". Vor allem der gegenwärtige Winter lasse Wohngebäude-Elementarversicherungen wieder zum Thema werden, weiß sie. Doch ganz preiswert sind die nicht - gemeinsames Überlegen, was man versicherungstechnisch wirklich braucht ist daher dringend geraten. Die Auswirkungen durch Falschberatungen von Banken sind ebenso ihr Thema wie in letzter Zeit zunehmend die Bestimmungen für die so genannten Pfändungsschutzkonten.

Und selbst vor dem (Betrugs)Geschäft mit alternativen Energien machen manche schwarze Schafe nicht halt. Stichwort Photovoltaik-Anlagen. "Da sind teilweise ganz faule Eier dabei", findet Frau Neumerkel abschließend drastische Worte. tp