Alt und Neu am Bergfried

Für die Aufstockung des Bergfrieds von Schloss Voigtsberg gab der Oelsnitzer Stadtrat am Mittwoch mit klarer Mehrheit die architektonische Richtung vor.

Von Renate Wöllner

Das ortsansässige Ingenieurbüro Schneider Consult hatte Mitte Januar vier Entwurfszeichnungen vorgelegt. In eine davon hatte der federführende Schlossförderverein einen eigenen Gestaltungsvorschlag eingezeichnet - mit einem angedeuteten Zinnenkranz. Diese als Variante 5 bezeichnete Lösung setzte sich in der Abstimmung mit zwölf zu acht Stimmen (für Variante 3) durch. Dieser Vorschlag sei gestalterisch und technisch machbar, gab Planer Harald Schneider, der sich beim ersten Anlauf skeptisch bis ablehnend dazu geäußert hatte, nun grünes Licht. Zu den veröffentlichten Varianten hatte die Stadt um Bürgermeinungen gebeten. Laut Stadtbaumeisterin Kerstin Zollfrank gab es jedoch wenig Resonanz. Eingegangen war ein Architektenvorschlag für einen massiven Aufbau. Zur Sitzung jedoch zeigte sich hohes Publikumsinteresse. In der Gunst den zweiten Platz errang die Gestaltung der Leichtbaukonstruktion, bei der statt der vertikalen Ausführung der Stützen mit einem Rautenmuster gearbeitet wird. Diese laut Schneider "aufwändigste Variante" gefiel Frieder Jäckel (AfD), weil sie an das Wappen der Straßberger Vögte erinnere. Das Thema sei in der Fraktion heiß diskutiert worden. "Sehr passend", fand diesen Vorschlag auch Waltraut Klarner (Die Linke). Fraktionskollegen Rainer Stöhr erinnerte diese Struktur an Fachwerk. Umgehört unter den Voigtsberger Anwohnern hatte sich Monika Müller (AfD). Demnach tendierten die Bürger zu Variante 5. Ihre Befragung zu den Entwürfen habe folgende Einschätzung ergeben: Je viermal "Leucht"- beziehungsweise "Grenzturm" einmal "Burgturm". Auch Björn Fläschendräger (FOB) stützte Variante 5 als in seinen Umfragen führend.
Denkmalfachlich zu befürworten sei der deutliche Kontrast zwischen dem Bruchsteinmauerwerk des Turmes und der Stabkonstruktion der Aufstockungsgeschosse in den Entwürfen, hatte Dr. Carola Zeh vom Landesamt für Denkmalschutz schriftlich Stellung genommen. Sowohl die vertikale als auch die rautenförmige Anordnung der Tragglieder sei denkbar. Für die Nutzung als Ausstellungsbereich erscheine die vollverglaste Variante 3.1 mit den weiten Maschen eher ungünstig. Grundsätzlich spricht sie sich gegen die Verwendung von Holz (Variante 2) in dieser exponierten Lage aus. Zu acetyliertem Holz (Accoya) lägen dem Amt noch keine langfristigen Erfahrungen vor, so dass man die Eignung, Dauerhaftigkeit und Pflegebedürftigkeit dieses Materials nicht einschätzen könne. Die geplante Farbbeschichtung der Fassade bedürfe noch der Abstimmung.
In seiner Erbauungszeit Mitte des 13. Jahrhunderts war der 30 Meter hohe Burgturm wahrscheinlich mit Steinkegel sowie Umgang und Zinnenmauer gekrönt (Edwin Schmidt "Zur Geschichte von Schloss Voigtsberg"). 2005 - in Vorbereitung der 650-Jahrfeier - hatte es im Stadtrat schon mal einen Anlauf zur Sanierung und Aufhöhung des Bergfrieds gegeben. Die "Studie" von Jens Persing favorisierte genau jenes altertümliche Aussehen des Turms - kam aber bekanntermaßen nicht zur Ausführung.
Die Leichtbaukonstruktion zur Aufstockung des Bergfrieds um sechs Meter (zwei Stockwerke) soll in Stahl ausgeführt werden, gab die Stadtbaumeisterin Auskunft. Entstehen sollen je eine Ausstellungs- und Aussichtsebene, deren Elemente ebenso wie das Kegeldach kosten- und zeitsparend in Werkstätten vorgefertigt und mittels Kran auf den Turm gehoben werden sollen, sieht die Planung von Schneider Consult vor. Im Bauabschnitt 1, der Ende März beginnen soll, wird der Bergfried statisch ertüchtigt. Dabei werden die Treppenanlage erneuert und das Dach instandgesetzt. Fördermittel von Bund und Land in Höhe von 411 000 Euro sind bewilligt. Die Stadt bemühe sich weiter um Fördermittel für die Aufstockung des Turms in Bauabschnitt 2.