Als Vierjähriger erstmals in Bad Elster

Bad Elster - Zum Abschluss der Chursächsischen Winterträume lädt am Sonntag um 15 Uhr der Kammersänger und Opernstar Reiner Süß zu einer unterhaltsamen musikalischen Lesung ins König Albert Theater ein.

 

In einer amüsanten Lesung, gespickt mit humorvollen Episoden und schönen Melodien wird der Opernsänger und Unterhaltungsmusiker erfreuen. Reiner Süß genoss in der DDR enorme Popularität. Wo immer er auftrat, begeisterte er die Zuschauer. Im Vorfeld seines Auftritts hatte unser Mitarbeiter Steffen Adler Gelegenheit, ein Gespräch mit dem Entertainer zu führen.

Herr Süß, sie waren ja zu Beginn Ihres musikalischen Werdegangs Mitglied des Thomanerchors und später auch des Rundfunkchors in Leipzig. Aber wie sind Sie dann eigentlich zum Fernsehen gekommen?

Das war einfach eine Anfrage vom damaligen Regisseur Horst Klien, der rief mich an und fragte, ob ich mir das vorstellen könnte. Dann habe ich meine Frau gefragt und sie meinte, ich könnte das ja mal probieren.

Mit Erfolg, denn mit der Sendung "Da liegt Musike drin" sind Sie sehr bekannt geworden?

Ja, wobei man ja als Opernsänger nicht so bekannt wird. Das ist schwierig. Das Fernsehen hat dazu schon sehr beigetragen. Eigentlich habe ich in Bernburg an der Saale angefangen, dort war ich ein Jahr, danach in Halle zwei Jahre an der Oper. Und dann bin ich 1959 nach Berlin in die Staatsoper gekommen.

Und wann haben Sie mit der Sendung "Da liegt Musike drin" "begonnen?

Im Jahr 1968 bis 1985. Insgesamt waren es genau 100 Sendungen. Wir wollten eigentlich schon vorher aufhören, aber dann meinten wir, die 100 machen wir noch voll.

Gibt es da aus dieser Zeit besondere Erlebnisse, die man nicht vergessen hat?

Komischerweise nicht. Es war ja eine Live-Sendung und da passiert nichts. Da reißen sich alle am Riemen. In dem Sinne ist da nichts passiert.

Und worauf waren Sie besonders stolz einmal einen ganz besonderen Knüller der damaligen Zeit in Ihrer Sendung zu haben?

Also ein richtiger Knüller für das Publikum war eine Überraschung, die vorher natürlich nicht bekannt war, ein Auftritt von der Olsenbande. Die kam zu ihrer Musik reinmarschiert und da brach das Haus der heiteren Muse fast zusammen!

Welche Rollen haben Sie auf der Bühne am liebsten gesungen?

Eine große Opernpartie war zum Beispiel der Baron Ochs im Rosenkavalier von Richard Strauss. Den hab ich ja 150 Mal gesungen und habe damit auch sehr viel gastiert. In der modernen Oper war es der Puntila von Paul Dessau und dann habe ich auch besonders gerne die Partien von Albert Lortzing, wie den Bürgermeister in Zar und Zimmermann, gesungen. Die haben richtig Spaß gemacht.

Viele Ihrer Künstlerkollegen sind damals aus der DDR geflohen. Hatten Sie auch irgendwann einmal den Gedanken in den Westen zu gehen, oder war das für Sie überhaupt kein Thema?

Das war eigentlich kein Thema, denn die Staatsoper war ein so schönes Haus und ich hatte auch sehr schöne Aufgaben. Mein alter Garderobier hat einmal zu mir gesagt "Wenn ich am Nachmittag in die Oper kam und die Tür hinter mir schloss, war ich nicht mehr in der DDR." Er sprach zwar von sich, aber das galt auch für mich. Man hat sich in dem Hause wohl gefühlt und es war eben auch unpolitisch dort.

Sie sind ja ein gebürtiger Chemnitzer, ist Ihnen Bad Elster ein Begriff?

Natürlich! Ich war 1934 zum ersten Mal in Bad Elster. Damals war ich vier Jahre alt. Ich weiß noch, dass es im Winter war und wir mit einem großen Betriebswagen, einem Mercedes-Newburg, dorthin gefahren sind. Ich weiß nicht mehr, was da los war, aber mein Vater war öfter zur Kur in Bad Elster. Und da waren wir dann auch oft zu Besuch. Bad Elster war zwischen meinem sechsten und achten Lebensjahr ein Ort, in dem ich relativ häufig war und auch die markanten Gebäude sind mir gut in Erinnerung. Und dann bin ich auch das erste Mal zu einem Auftritt mit der "Stunde der Musik", einer DDR Konzertreihe, nach Bad Elster ins Kurtheater gekommen. Wann das war, weiß jetzt nicht mehr, da muss ich erst nachschauen, aber am Sonntag werde ich es bestimmt genau wissen.

Und was erwartet die Besucher zur musikalischen Lesung am Sonntagnachmittag?

Ich habe ja eine Biografie geschrieben, weniger über mich, ich hab mich da nur benutzt als "Aufhänger" und berichte über meine Erlebnisse mit berühmten Künstlern aus dem Showgeschäft, aus der Oper und mit Dirigenten und vielen andern mehr. Also von Erlebnissen und lustigen Dingen die ich da erlebt habe. Aber das werde ich nicht lesen, weil ich festgestellt habe, Lesen ist einfach zu trocken. Ich erzähle und werde den Zuschauern am Schluss sagen, wenn sie mehr wissen wollen, müssen sie sich eben das Buch koofen. Zwischen den Erzählungen werde ich natürlich immer singen, vor allem das was ich heute auch noch gut singen kann, keine Oper aber eine Reihe anderer schöne Sachen, wie zum Beispiel "Wenn ich einmal reich wär?" Also die Leute, die kommen, denen wird es gefallen, das zeigen meine Erfahrungen.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Bad Elster!