Als Vergewaltiger seit Jahren unterwegs

Ein 14-jähriges Mädchen wurde vor wenigen Tagen in einem Wald in Zwota sexuell missbraucht. Der mutmaßliche Täter, der 48-jähriger Thomas S. aus Franken, hat schon mehrere Sexualstraftaten begangen und ist vorbestraft.

Zwota/Plauen - Wegen schwerem sexuellen Missbrauchs und Freiheitsberaubung ermittelt die Staatsanwaltschaft Zwickau/Plauen. "Der Mann hat bei der Haftrichtervorführung keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht", sagt der Plauener Staatsanwalt Hans-Christian Fink. Derzeit befindet sich Thomas S. in U-Haft. Der Mann sei wegen eines Sexualdeliktes vorbestraft. Dies sei eine Tat die länger zurückliege und bis ins Jahr 1996 zurückreiche, so Fink.

Damals wurde Thomas S. wegen Sexualstraftaten vom Landgericht Hildesheim in Niedersachsen zu 13 Jahren Haft und der Unterbringung in der Psychiatrie (Maßregelvollzug) Moringen verurteilt. Seit Ende 2014 befand sich Thomas S. wieder auf freiem Fuß und hatte seinen Wohnsitz nach Mittelfranken verlegt. Thomas S. alter Chevrolet mit dem Kennzeichen HEB (Hersbruck im Landkreis Nürnberger Land) stand auf dem Hüttenbachweg im Wald bei Zwota geparkt, als die Beamten der Klingenthaler Bundespolizei das Mädchen und seinen Vergewaltiger vorfanden.

Vermutlich hatte Thomas S. die Schülerin an jenem 21. Juni auf dem Weg zwischen Schule und ihrem Zuhause ins Auto gelockt, ist dann mit ihr in den Zwotaer Wald gefahren und hat sie auf dem Rücksitz des Autos vergewaltigt. Als ihre Tochter gegen 17 Uhr immer noch nicht zu Hause war, verständigten die Eltern die Polizei und gaben eine Vermisstenanzeige auf. "Wir wurden von der Landespolizei vom Revier Auerbach zur Suche mit herangezogen - und unsere Beamten haben das Mädchen dann am Abend abseits der B 283 an dem Auto stehen sehen. Im Auto saß ein Mann, der sich als der mutmaßliche Täter herausstellte", sagt Bundespolizei-Sprecher Eckhard Fiedler.

Eine Polizistin habe das unter Schock stehende Mädchen angesprochen. Weinend habe sie gesagt, dass sie sexuell missbraucht worden sei. Der Mann wurde vor Ort festgenommen. "Bei der Festnahme machte der Mann einen ruhigen Eindruck. Wir gehen davon aus, dass es sich um einen routinierten Straftäter handelte, der schon öfter mit der Polizei zu tun hatte", so Fiedler. Damit hat er nicht Unrecht. 13 Jahre saß Thomas S. im Maßregelvollzug - auch schon in den späten 80-er Jahren soll er Frauen und Mädchen brutal vergewaltigt haben.

Aus der Forensik Moringen wurde er aufgrund zweier Gutachten, die Thomas S. eine gute Sozialprognose bescheinigten, entlassen. Laut Beschluss der Strafvollstreckungskammer am Landgericht Göttingen vom 31. Oktober 2014 sei die weitere Vollstreckung der Unterbringung in eine Psychiatrie für erledigt erklärt worden, so Heinke Traeger, Sprecherin im niedersächsischen Sozialministerium.

Allerdings sei eine Führungs- und Bewährungsaufsicht für fünf Jahre angeordnet worden. Thomas S. wurde angewiesen, sich in einer Forensischen Institutsambulanz in Bayern regelmäßig vorzustellen. Ob Thomas S., seitdem er auf freiem Fuß ist, noch andere Frauen missbraucht hat, ist unklar und wird geprüft. Wie er zu dem Mädchen in Klingenthal Kontakt geknüpft hat, sei nicht bekannt. Eine Kontaktaufnahme via Internet-Chat schließt Staatsanwalt Fink derzeit aus. Geprüft wird, ob Anklage erhoben wird. Cornelia Henze