Als flöge der Zuschauer mit

Ritterschlag im Geschäft um tolle Bilder vom Skispringen: Eine junge vogtländische Firma war erstmalig beteiligt an der TV-Liveübertragung der Vierschanzentournee. Sie schafft den Spagat zwischen Nahaufnahme und Totale.

Klingenthal -  Ein Millionenpublikum verfolgte die jüngste Vierschanzentournee am Fernsehschirm. Und die spektakulärsten Aufnahmen aus Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen lieferte die J&J Mediengesellschaft aus Klingenthal: "In Garmisch wollte der Regisseur beispielsweise eine Einstellung, als würde der Springer über die Zugspitze fliegen. Das haben wir mit unserer Drohne hingekriegt", sagt Jeremy Ziron, 21 Jahre alt und ein geschäftsführender Gesellschafter. Hinter dem anderen "J" von J&J Media verbirgt sich Jannick Saunus.
Wie entstehen die Fernsehbilder? Ziron erklärt: Viele Kameras, automatische und vor allem manuell bediente, sind bei der Vierschanzentournee im Einsatz - gleichzeitig: am Boden und in der Luft, im Turm und am "Balken", in der Anlaufspur, am Schanzentisch und im Flug, bei der Landung, im Auslauf und in der Box: Der Regisseur sieht alle Bilder auf bis zu 34 Bildschirmen im Ü-Wagen und entscheidet, was gesendet wird.
J&J Media beliefert einen der Bildschirme - mit Aufnahmen, die von einer vier Kilo schweren Drohne stammen, die groß wie eine Mikrowelle ist. Ziron: "Wir können mit dem Springer mitfliegen, schaffen schnelle Steig- und Sinkflüge und Perspektiven, die anders nicht möglich sind, auch nicht mit der sich mitbewegenden Seilkamera. Mit unserem Teleobjektiv kommen wir nah an den Springer ran und gleich danach liefern wir eine Totale des Bergpanoramas."
Der neue Renndirektor der Internationalen Skisprung-Vereinigung, Sandro Pertile, wünsche solche Bilder: Sportler nah einfangen, aber nicht behindern. "Der Sicherheitsaspekt ist sehr wichtig", erklärt Ziron. "Unsere Drohne ersetzt einen Hubschrauber, der früher zum Einsatz kam."
Ziron bedient nach eigenen Worten die freischwebende Kamera, Saunus steuert die handelsübliche Drohne, die alle 16 Minuten landen muss - zum "Tanken". "Unser dritter Mann Moritz Gräßler übernahm das Wechseln der Akkus und das Nachladen."
J&J Media gibt es seit fünf Jahren und hat Erfahrungen bei drei Weltcups in Klingenthal gesammelt - Jeremys Vater Alexander Ziron ist der Cheforganisator: Die Drohnenbilder liefen auf der Anzeigetafel fürs Publikum und das Fernsehen interessierte sich. So entstand der Kontakt zum Regisseur, der für die Springen in den beiden deutschen Orten der Vierschanzentournee verantwortlich ist. Laut Ziron hat alles bestens geklappt. "Das war eine große unternehmerische Chance - und die haben wir genutzt."
Die vogtländische Firma beschäftigt nach eigenen Angaben acht Leute und liefert vom Konzept bis zur Umsetzung Werbung in den Bereichen Print, Film und Internet. Und an diesem Wochenende beim Weltcup im hessischen Willingen sind Ziron, Saunus und Gräßler mit ihrer Drohne wieder dabei, eine Woche später in Klingenthal ebenfalls. ufa