"Alltagsmario" hilft

Mario Reichardt hat eine neue berufliche Aufgabe gefunden: der junge Mann ist seit kurzem zertifizierter Alltagsbegleiter und Nachbarschaftshelfer. Während des Lockdowns 2020 sah der Plauener seine bisherige wirtschaftliche Existenzgrundlage bedroht, er ersann einen Plan B.

Von Frank Blenz

Plauen Mario Reichardt schaut auf die Uhr, der nächste Termin steht an - einem älteren Herren helfen, bei der Gartenarbeit anpacken, ein Schwätzchen inklusive. "So ein Heckenschnitt will gekonnt sein. Außerdem ist es sehr anstrengend mit der Schere und mit einem elektrischen Werkzeug, genau diese Linien hinzubekommen, damit es am Ende akkurat und schön aussieht", erläutert der Plauener fast schon hingebungsvoll. Dabei zeichnet er mit der Hand eine Luftlinie, als sähe er die Hecke vor sich.
Hingabe im Umgang mit hilfebedürftigen Menschen ist in Reichardts Worten stets herauszuhören. Denn der Alltagsbegleiter und Nachbarschaftshelfer packt nicht nur an, er ist mit dem von ihm betreuten Menschen auch im Gespräch, hört ihnen zu. Und da er eben auch ein Herz und Geschick für Gartenarbeit besitzt, kommt sein Talent anderen Menschen in seinem neuen Arbeitsumfeld zugute. Seine neue Arbeit sei eine Herausforderung, gesteht er. Die Sozialarbeit auf selbst ständiger Basis sei kein leichtes Unterfangen. "Aber ich baue mir nach und nach eine Kundschaft auf, wobei Kundschaft nicht ganz das richtige Wort ist: ich sorge mich um einen Kreis von Menschen, denen ich helfe, denen ich Dienstleistungen anbiete und diese ordnungsgemäß dokumentiert und abgerechnet werden, ob privat oder über die Krankenkasse."
Auf seiner neuen Internetseite namens "Alltagsmario" sind alle Informationen für Senioren zu seiner Person und zu seiner Tätigkeit zu erfahren. Ob Hilfe beim Einkaufen, Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und Behördenwege, Gesellschaft bei Spaziergängen oder einfach nur mal reden oder Karten spielen - Mario steht bereit.
Ohne Corona-Lockdown wäre Marion Reichardt heute sicher noch Fitnesstrainer. Der große, drahtige Mann ist leidenschaftlicher Sportler. "Vom Joggen, Wandern bis zum Langlauf - mir gefällt Bewegung, Sport, draußen zu sein." Der studierte Sozialwissenschaftler bog nach seiner Studentenzeit in Jena wieder im heimatlichen Plauen auf die Schiene Sportstudio ein. Dann kam der Lockdown. "Ich stand da, plötzlich war alles dicht, es ging nichts mehr, es war mehr oder weniger alles verboten", sagt Reichardt. Hoffen, warten, bangen. Es musste was passieren, dachte er. Mario Reichardt hat vergangenes Jahr viel ausprobiert: Praktika in Pflegeheimen, Landschaftsbaufirmen. Er bekam auch mit, dass der Bedarf bei alleinstehenden Senioren, Unterstützung zu bekommen, sehr groß ist. Reichardt erkundigte sich nach dem Berufsbild Alltagsbegleiter und absolvierte eine Ausbildung bei Schweiger und Schmidt.
Gerade ist Reichardt 44 Jahre jung geworden und froh. Froh über das erste halbe Jahr eines neuen Arbeitslebens trotz der Schwierigkeit, damit so viel Geld zu verdienen, um selbst einigermaßen über die Runden zu kommen. Alltagsbegleiter werden gebraucht, es gibt erst wenige in der Stadt und darüber hinaus. "Es gibt mehr und mehr Menschen in Plauen, die Unterstützung gut gebrauchen können, nicht nur finanzieller oder wirtschaftlicher Art. Das Gespräch, das Miteinander, das nicht Alleinsein sind Stichworte. Und die praktische Hilfe wie sie auch unter Nachbarn üblich sein sollte, so der "Alltagsmario". Sagt es und düst los zum Hecke schneiden.