"Alles wird selbst gekocht"

Aus der Not eine Tugend gemacht hatte Stephan Baumert vor über 20 Jahren und ist damit richtig erfolgreich geworden. Nun wird der Staffelstab übergeben.

Von Stephanie Rössel

Plauen Seit 1992 hatte Stephan Baumert eine Fleischerei. 1997 musste der diese aus finanziellen Gründen schließen. Nicht zuletzt aufgrund von Angriffen, die damals von einer aktiven Gruppe Veganer ausgegangen seien. Im Jahr 2001 wagte die Familie einen Neuanfang und eröffnete einen Partyservice. Diesen übernimmt nun sein Sohn Andreas, der bereits seit vielen Jahren jedes Wochenende mit anpackt.


Den 73-Jährigen Senior kennen viele als Teekoch bei den Demonstrationen kurz vor der Wende. 400 Liter habe er damals regelmäßig gekocht und vor dem Gebäude der SED-Kreisleitung ausgeteilt. Der Partyservice entwickelte sich schnell und wuchs. Die ganze Familie war mit von der Partie. So gab es auch Aufträge für bis zu 500 Personen. Auch Prominente nahmen die Dienste in Anspruch und durch Empfehlungen kamen Aufträge außerhalb des Vogtlandes zustande. Die Baumerts zeichnen sich durch Handwerk aus, sagen sie selbst. Alles wird selbst zubereitet und gekocht. Dazu reist man mit Sack und Pack, inklusive der Teller zur jeweiligen Veranstaltung an.


Vogtländische Küche bieten sie gerne an. Rouladen und Gulasch sind das Steckenpferd, aber aufgetischt wird alles, was sich die Kunden wünschen, bis hin zur Molekularküche. Viele Besonderheiten, wie gebratenen Pudding hat Stephan Baumert von den Reisen mit seiner Frau mitgebracht. Seit Kurzem liegt das Garen bei Niedrigtemperatur im Trend. "Eine Ente, die über zehn Stunden ganz langsam gart. Das ist schon sehr schmackhaft", schwärmt Baumert selbst.
Sein Sohn Andreas hat das Geschäft über Jahre begleitet und es zum 1. Januar übernommen. "Er hat von der Biege auf gelernt, wie wir kochen und alles zubereiten. Wenn es notwendig ist, werden wir ihn unterstützen. Aber altersbedingt möchte ich mich nun etwas zurückziehen", sagt der Senior. Mit seiner Gattin geht es demnächst in die Karibik. Sicher wird er von dort auch neue Ideen mitbringen.


Wichtig aber wäre ihm, dass das Unternehmen bald wieder "normal" läuft, denn pandemiebedingt bleiben die Aufträge für große Feiern aus. Mit Essen-to-go und für kleine Feiern hat man bisher versucht, über die Runden zu kommen, doch Einzelportionen und kleine Mengen seien nicht das eigentliche Tagesgeschäft eines Partyservice.