"Allein haben wir keine Chance"

Anfang des Jahres übernahmen zwei junge Leute den den Auerbacher Bäckerei-Betrieb von Bernd Trützschler. In der allgegenwärtigen Corona-Krise steht das Paar vor einer gigantischen Herausforderung.

Von Thomas Voigt

"Vielen Dank, dass sie für uns da sind" sagt eine Kundin an der Ladentheke. Karolin Brasch und Steve Quäck gaben das Kompliment sofort zurück. "Es ist schön, dass sie da sind." Anfang des Jahres übernahmen die jungen Leute den Betrieb von Bernd Trützschler. In der allgegenwärtigen Corona-Krise steht das Paar vor einer gigantischen Herausforderung. "Für uns wirklich nicht einfach, kurz nach der Betriebsübernahme mit dieser extremen Situation fertig zu werden."
Die Tage in der Backstube an der Ottostraße im Stadtteil Mühlgrün sind gegenwärtig alles andere als berechenbar. "Manchmal wissen wir nicht, in welchen Mengen wir was produzieren müssen." Die Nachfrage sei von Tag zu Tag sehr unterschiedlich. "Kurz vor den Ausgangsbeschränkungen haben wir an einem Tag 300 Kilo Brotteig verarbeitet." An anderen Tagen stagnierte der Absatz. Momentan werden mehr Plätzchen-Mischungen verkauft, verriet die Chefin. "Das hängt vermutlich damit zusammen, dass im Augenblick die meisten Kinder zuhause sind." Die gelernte Konditorin ist inzwischen mit ihrem Lebenspartner in die Wohnung über dem Hauptgeschäft eingezogen.
Die neuen Betreiber setzen alle Hebel in Bewegung, dass die Bäckerei am Laufen bleibt. Oberstes Ziel ist es, die Krise gemeinsam durchzustehen. Zum gesamten Team gehören zehn Mitarbeiter. "Kürzlich haben wir eine neue Kollegin eingestellt." Für die Belegschaft ist inzwischen Kurzarbeit angemeldet. "Wenn das Schiff in Schieflage gerät, muss man gegensteuern."
Trotz der Ausnahmesituation wird das gewohnte Sortiment angeboten. Auch die Lieferpartner - darunter Direktvermarkter aus der Region - sei Verlass. Die Regale und Theken sind bestens gefüllt. "In dieser ungewissen Zeit wollen wir den Menschen ein Stück Normalität zurückgeben." Selbstverständlich gelten wie auch woanders gewisse Regeln. Mehr als fünf Kunden dürfen sich momentan nicht im Laden aufhalten. Darauf wird in großen Buchstaben an der Eingangstür hingewiesen.
Mittlerweile gelten neue Öffnungszeiten im Hauptgeschäft. "Da wollen wir spätestens 16 Uhr schließen." Wer seine Waren bestellt, bekommt sie auf jeden Fall, versicherte der Bäckermeister. Der zum Betrieb gehörende Kiosk an der Bushaltestelle Göltzschtalstraße hat nur noch am Freitag und Samstag jeweils von 6.30 und 13 Uhr geöffnet "Da ist uns die Laufkundschaft unter der Woche komplett weggebrochen." Weiter geöffnet bleibt die Filiale im Neubaugebiet Am Vogtlandblick. Dort können die Kunden von Dienstag bis Freitag zwischen 6.30 und 12 Uhr einkaufen. Am Samstag steht die Ladentür bis 10 Uhr offen.
In der zur Bäckerinnung Vogtland gehörenden Firma will niemand den Kopf in den Sand ste.cken. "Allein haben wir keine Chance, aber in der Gemeinschaft bilden wir eine breite Front." Nun hoffen die Jungunternehmer, dass die Kunden der Bäckerei weiter die Treue halten. "Im Augenblick ist das die größte Hilfe für uns."