Albrecht Müller in Plauen

 

Plauen - In Berlin hat er im vergangenen November bei einer seiner Lesungen eine heiße Diskussion zwischen sich, Stern-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges und Oskar Lafontaine angeschoben - nun kommt Albrecht Müller, Publizist und Kenner von Medien und Medienmachenschaften auf Einladung des Vogtland-Anzeigers nach Plauen.

 

"Meinungsmache" hat der deutsche Autor Albrecht Müller sein aktuelles Buch genannt. Der aus Heidelberg stammende Publizist, ehemalige Bundestagsabgeordneter, Politprofi, Nationalökonom und Internetautor ist am 12. März in Plauen zu Gast. Auf Einladung des Vogtland-Anzeigers und der Galerie Forum K wird Müller in der Galerie, Bahnhofstraße 39, eine Lesung mit anschließender Diskussion zum Thema "Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen" halten.

 

Im Buch schlägt Müller Alarm: "Unsere Demokratie steht am Rande ihrer Existenz. Wir sind in Not. Das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschehen in unserem Land wird in weiten Teilen von Meinungsmache und Manipulation bestimmt, dem Herrschaftsinstrument der Mächtigen. Die große Mehrheit des Volkes hat nicht viel zu sagen."

Beispiele für die Irreführung der Öffentlichkeit gäbe es genug, so Müller: Der "Erfolg" der Agenda 2010, der angeblich brüchige Generationenvertrag, was private Vorsorge und die Rente mit 67 notwendig mache, die Behauptung, die Finanzkrise sei für alle überraschend aus den USA gekommen, die Dauerpropaganda für Steuersenkungen, obwohl unsere Städte und Gemeinden nicht mehr wissen, wie sie das Nötigste bezahlen sollen.

Tagtäglich erfahren die Menschen viele Informationen dank vielfältiger Medien. Medien dienen als Quelle, Inspiration, zur Unterhaltung, zur Bildung, für das Formen und Entwickeln aber auch zum zielgerichteten Ändern von Meinungen. Letzteres gilt in unserer so genannten Mediengesellschaft als wichtiges Mittel vor allem für eines: Die Macht von Wirtschaft und Politik, die Macht der Mächtigen. Also wird viel in die Meinungsmache investiert.

Albrecht Müller weiß von was er spricht. In Sachen Meinungsmache kennt er die Zusammenhänge aus erster Hand. Er war enger Vertrauter und Wahlkampfmanager von Altkanzler Willy Brandt und später Leiter der Planungsabteilung von Brandt und dem folgenden Kanzler Helmut Schmidt. Der studierte Nationalökonom verfolgt seit den 1960ern Jahren die Entwicklung der politischen Willens- und Meinungsbildung, er prägte sie in seiner Zeit im Bundeskanzleramt für die damalige Führungsriege selbst mit. Bis 1994 war Müller Bundestagsmitglied, bevor er Publizist wurde. Mittlerweile liegen mehrere Bücher aus seiner Feder vor. Müllers größter Coup engagierter politischer und publizistischer Tätigkeit jedoch ist die Gründung und Entwicklung einer außergewöhnlichen Internetplattform im Jahr 2003. Mit dem Juristen und ehemaligen Politiker Wolfgang Lieb bietet Müller bis heute das Portal www.NachDenkSeiten.de an.

 

Es ist ein journalistischer Blog, ein wochentags erscheinendes Journal, das mittlerweile von bis zu 70 000 Lesern täglich "angeklickt" wird. Lieb und Müller sind Kenner politischer Kommunikation und öffentlichen Meinungsbildungsprozesse inklusive ihrer Wirkung auf die Qualität politischer Entscheidungen. Mit Nachdenkseiten.de wollen die zwei Publizisten gegen die Einseitigkeit und Flachheit der öffentlichen Debatte in den Medien mitwirken. va