Aktion: Im Schneckentempo über die A 72

Plauen - "Mit uns ist kein Spaß mehr zu machen", zeigte sich Werner Löffler zur Versammlung der Bürgerinitiative (BI) "Bundesautobahn 72" entrüstet.

 

Weit über 250 Anwohner, Geschädigte und Unterstützer der betroffenen Stadtteile Stöckigt, Kleinfriesen, Großfriesen, Tauschwitz und Sorga wollten im Festzelt, das eigens für das an diesem Wochenende stattfindende Sommerfest errichtet worden ist, und am Donnerstagabend kurzerhand für eine Podiumsdiskussion umfunktioniert wurde, unter großer medialer Präsenz gehört werden. Viele von ihnen brachten ihren Protest mit orangefarbenen Westen zum Ausdruck: "Bitte laut sprechen" steht in purer Ironie auf der Vorderseite geschrieben, auf dem Rücken prangt "A72 Lärm geschädigt". Über dem Podium ist der Schriftzug "Lärm macht krank" gut lesbar in großen Lettern angebracht. Die Versprechungen seitens der Politik in den vergangenen Monaten und Jahren waren groß, doch eine tatsächliche Minderung des unerträglichen Autobahnlärms wurde bislang nicht erreicht.

Doch vorbei die Zeit, in der sich die Vertreter der BI mit leeren Zusagen haben besänftigen lassen. Es tut sich etwas in dem beschaulichen Stadtteil Plauens. Werner Löffler, der Vorsitzende der BI, ruft zu einer Protestaktion auf: "Die Autobahn soll blockiert werden, am 21. August." Die Vorstellung der Bürgerinitiative: 60 oder mehr Fahrzeuge sollen im Schneckentempo die Autobahn von Pirk bis Plauen-Ost befahren, den Verkehr damit zum Erliegen bringen. Um eine größtmögliche Abstimmung und eine bessere Planung des Protestes zu erreichen, bittet die Initiative um vorherige Anmeldung im Internet unter www.laermschutz-plauen.de oder persönlich bei einem Vertreter der Bürgerinitiative. Dass auch dabei alles im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen abläuft, dafür haben die Vertreter der BI gesorgt. Eine Genehmigung für die Protestaktion liegt bereits vor.

Auch Klaus Gerstner, Versammlungsleiter der BI, findet harte Worte: "Sechs Jahre lang hat man die Bürgerinitiative für dumm verkauft und hinters Licht geführt." Unterstützt wird er dabei von der stellvertretenden Vorsitzenden Ursula Hiebl: "Wir haben beschlossen, weiter zu kämpfen." Um noch zielgerichteter arbeiten zu können, hat sich die BI neu organisiert und einen Forderungskatalog entworfen, in dem die Eckpunkte neu definiert worden sind.

Ihren Protest beziehen die Vertreter der Initiative dabei auf das Genehmigungsverfahren zum Autobahnbau sowie auf fehlerhafte Berechungen der Lärmschutzmaßnahmen. Täglich passieren rund 40 000 Fahrzeuge den angrenzenden Streckenabschnitt auf der A72, das ergab eine Verkehrszählung der BI. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden werden dabei die Grenzwerte von 49 Dezibel erheblich überschritten. Des Weiteren fordern die Vertreter eine Ausbesserung des Dehnungslagers an der Friesenbrücke, um die Schlaggeräusche beim Übergang zwischen Fahrbahn und Brücke zu minimieren. Ebenfalls müssten die Lärmschutzmaßnahmen in Form von Schallschutzwänden erheblich verbessert werden. Auch Steffen und Yvonne Gläser brachten ihren Unmut auf der Internetseite der BI zum Ausdruck: "Der Lärm wird immer unerträglicher. Vor allem am Abend und in der Nacht. Ruhiger, erholsamer Schlaf ist kaum noch möglich. Es wird höchste Zeit für einen wirksamen Lärmschutz!" Die Politik müsse nun endlich handeln. Wirksame Konzepte statt sinnfreie Worthülsen und leere Versprechungen seien gefragt. Auch die Stadt Plauen müsse in diesem Falle viel stärker in die Pflicht genommen werden.

Es gehe um das Image einer Stadt, die für eine angemessene Lebensqualität ihrer Bewohner sorgen und eine familienfreundliche Atmosphäre schaffen möchte, in der die Kinder auch in den nachfolgenden Generationen behutsam aufwachsen können. Dass der Autobahnlärm dafür nicht förderlich sei, liege auf der Hand, so ein Diskussionsredner. Doch Nachhaltigkeit scheint noch nicht bis in die Köpfe der politischen Verantwortungsträger vorgedrungen zu sein, zu sehr diktieren kurzfristige Ziele die Handlungsweise, so die Mehrheit der an diesem Abend Anwesenden. va