Ärzte-Engpass in Rodewisch: Drei Ärzte kündigen Praxis

Ein Ärzte-Engpass herrscht an drei Praxen der Medizinischen Versorgungszentren des Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch. Drei Ärzte haben gekündigt - Nachfolger sind größtenteils nicht in Sicht.

Rodewisch/Falkenstein - Kündigung Nummer 1: Ihre letzten Patienten verarztete die Allgemeinmedizinerin Angelika Taubner am vorigen Freitag im MVZ in der Falkensteiner Eisenbahnstraße, dem MVZ I des Klinikums zugehörig. 1100 Patienten aus dem Raum Falkenstein stehen zum 30. Juni ohne Arzt da. Eine Nachfolge ist nicht gefunden - und auch die zweite Falkensteiner MVZÄrztin Angelika Richter kann die nun ärztlich unbetreuten Patienten ihrer Kollegin nicht übernehmen, da sie bereits selbst eine stark frequentierte Praxis betreut.

Kündigung Nummer 2: Dr. Sven Kögler hat nach nur knapp anderthalb Jahren seine Arbeit in der internistischen MVZPraxis am Hause Obergöltzsch gekündigt. Am 17. Januar 2011 übernahm der junge Mann aus Oelsnitz die Praxis von Dr. Ursula Fickert, die zuvor die Praxis in Theuma betrieb. Obergöltzsch siedelte damals die Praxis direkt am Hause in Rodewisch an. In der Anfangszeit wollte Dr. Ursula Ficker, die das übliche Rentenalter schon überschritten hat, ihrem Nachfolger noch stundenweise zur Seite stehen.

Nun muss es andersherum funktionieren: Dr. Kögler wechselt wieder in die stationäre Innere Abteilung des Klinikums Obergöltzsch, Frau Dr. Fickert bietet noch zehn Stunden Sprechzeit pro Woche auf kardiologischem Gebiet an. Die gastroenterologische Betreuung, die neu angeboten wird, decken Dr. Rolf Hanrath, Chefarzt der Medizinischen Klinik in Obergöltzsch, sowie Oberärztin Katrin Fuchs ab.

Kündigung Nummer drei: Augenärztin Bärbel Parulewski - sie leitete gleichzeitig das MVZ I - geht per 30. September. Bisher praktizierte die Ärztin, die noch in Greiz eine eigene Augenarztpraxis betreibt, am MVZ 13 Wochenstunden. Eine Nachfolge ist für diese Praxis noch nicht gefunden. "Private Gründe" gibt Obergöltzschs Verwaltungsdirektorin Beate Liebold in allen drei Fällen an. Zur Praxis in Falkenstein sagt Beate Liebold: "Diese Kündigung kam sehr überraschend, weswegen wir so schnell noch keinen Ersatz gefunden haben. Aber wir sind intensiv in Verhandlungen."

Die internistische Praxis von Dr. Sven Kögler werde durch eigene vorhandene Kräfte über Eck getragen, für die Augenarztpraxis sei man auf der Suche. "Frau Parulewski wurde das auf die Dauer zu viel - das MVZ und dann noch die eigene Praxis." Doppeltes Pech für Obergöltzsch ist nun, dass auch die vorhergehende Augenärztin, Dr. Susan Wirth, nach ihrer Baby-Pause nicht wieder ans Haus zurückkehrt. Die noch sehr junge Ärztin habe angegeben, noch nicht genügend Berufspraxis erlangt zu haben, um selbst eine Praxis zu leiten und wolle deshalb ihren Weg an einer anderen Augenarztklinik fortführen.

Beate Liebold gibt sich dennoch optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass bei der Augenarztpraxis keine Leerzeit entstehen wird." Um Ärzte sowohl an Klinik als auch MVZ zu kriegen, wirbt man seit Jahren intensiv. Die Erfahrung habe gebracht, dass normale Ausschreibungen wenig bringen. Vielmehr setze man auf so genannte Headhunter (Kopfjäger), die Ärzte regional und überregional für das Klinikum werben.