Adorfer Geiselnehmer für knapp sechs Jahre in Haft

Fünf Jahre und neun Monate für Marcel G. wegen Geiselnahme, vorsätzlicher Körperverletzung, Vergewaltigung und Sachbeschädigung - so lautet das Urteil, das gestern am Zwickauer Landgericht verkündet wurde.

 

Der Adorfer war angeklagt, im Februar seine ehemalige Freundin und deren neuen Lebensgefährten fast 24 Stunden in deren Haus gefangen gehalten zu haben, um zu erreichen, dass die junge Frau seinem eigenen Leben ein Ende setzt. Vor einer höheren Strafe rettete ihn nur eine Persönlichkeitsstörung, sowie der genossene Alkohol und die eingenommenen Antidepressiva. Zwar hatte Marcel G. ein Teilgeständnis abgelegt, doch bis zuletzt jegliche Drohungen bestritten. Auch bestritt er den Geschlechtsverkehr mit seiner Ex-Freundin gewaltsam erzwungen zu haben.

Das Gericht sah es hingegen als erwiesen an, das er die im 2008 erfolgte Trennung von seiner Freundin Doreen R. und die Abtreibung des gemeinsamen Kindes nicht verarbeitet hatte. Bis zum 9. Februar hatte er immer wieder gehofft, dass die 25-jährige zu ihm zurückkommen würde. Als Doreen R. am Abend des 9. Februar ein Treffen ablehnte, obwohl er ihr vorgelogen hatte am nächsten Tag ins Krankenhaus zu müssen, rastete Marcel G. aus. Er fuhr nach Hause packte spontan Werkzeuge und Seile zusammen und fuhr zurück zum Haus der beiden Geschädigten.

Mit einem Seitenschneider verschaffte er sich durch ein Kellerfenster Zutritt zur Wohnung und schlich zum Schlafzimmer. Dort fesselte er Sandro die Hände auf dem Rücken und ließ ihn am Boden liegen. Währenddessen versuchte er Doreen R. zu überzeugen ihm die Pulsschlagadern mit einer Rasierklinge zu öffnen. Er wollte ihn ihren Armen sterben. In einem anderen Raum soll er sie aufgefordert haben, mit ihm zu schlafen. Aus Angst habe Doreen R. nachgegeben, dabei aber deutlich gemacht, dass es gegen ihren Willen geschehe.

Später zwang er seine Opfer zur Einnahme von Antidepressiva, die bewirkten, dass alle bis zum Mittag des nächsten Tages schliefen. Erst als seine Eltern nach Sandro U., der nicht zur Arbeit erschienen war, an der Tür klingelte, sah dieser eine Chance zu verschwinden. Selbst als die Polizei vor dem Haus stand wollte Marcel G. nicht aufgeben. Zu Doreen R. soll er gesagt haben: "Entweder du tötest mich oder ich halte Dir das Messer an die Kehle, wenn die hier reinkommen". Als Beamte nach zwei Stunden Verhandlung in das Haus eindrangen, bedrohte der Angeklagte die junge Frau mit dem Messer, bis er von den Polizisten überwältigt werden konnte.

Marcel G. stand zur Tatzeit noch unter laufender Bewährung. Da nach Ansicht des Gerichtes Fluchtgefahr besteht bleibt Marcel G. auch weiterhin in Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  F. Dörfelt