Achtung in Radon-Gebieten!

Radon ist gut, Radon ist schlecht - je nachdem. Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten in Teilen des Vogtlands und Sachsens, wo das radioaktive Edelgas häufiger auftritt als anderswo. Deshalb gelten seit 1. Januar neue Gesetze für Bauherren und Arbeitgeber.

Dresden/Oelsnitz107 Gemeinden in fünf sächsischen Landkreisen sind besonders betroffen, 21 davon im Vogtlandkreis. In allen haben sich mit Jahresbeginn die Anforderungen verschärft für den Bau von Gebäuden und für Arbeitsplätze in Keller und Erdgeschoss. Der Vogtland-Anzeiger sprach mit Dr. Thomas Heinrich. Der 58-jährige Physiker leitet seit 23 Jahren den Geschäftsbereich Immissions- und Strahlenschutz in der Staatlichen Betriebsgesellschaft Umwelt und Landwirtschaft in Dresden.

Herr Dr. Heinrich, warum ist Radon gefährlich?
Heinrich: Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das überall im Boden entsteht. Seine Konzentration schwankt - je nach Art des Bodens. Tritt es aus dem Boden aus, wird es durch die Atmosphärenluft sofort stark verdünnt. Tritt es jedoch über Risse und Fugen in Gebäude ein, kann es sich dort anreichern. Wird es in erhöhten Mengen über einen längeren Zeitraum eingeatmet, kann es Lungenkrebs verursachen.

Warum kommt Radon in Sachsen häufiger vor als andernorts?
Sachsen gehört zu den Bundesländern, die aufgrund der geologischen Gegebenheiten ein erhöhtes Radonpotenzial besitzen.

Wo liegen die Radon-Schwerpunkte in Sachsen?
Die Schwerpunkte liegt mit 49 Gemeinden im Erzgebirgskreis, gefolgt von 21 Gemeinden im Vogtlandkreis, 19 in Mittelsachsen, 12 im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und 6 im Landkreis Zwickau.

Welche Städte und Gemeinden zählen im Vogtland dazu?
Adorf, Auerbach, Bad Brambach, Bad Elster, Bergen, Eichigt, Ellefeld, Falkenstein, Grünbach, Klingenthal, Lengenfeld, Markneukirchen, Mühlental, Muldenhammer, Neustadt, Rodewisch, Schöneck, Steinberg, Theuma, Treuen und Werda.

Was ist in diesen Kommunen anders als in einer "normalen" Kommune?
Dort ist von einem erhöhten Radonpotenzial ist auszugehen, weil zu erwarten ist, dass auf 75 Prozent der Gemeindefläche in mehr als 10 Prozent der Gebäude der gesetzlich festgelegte Referenzwert für Radon von 300 Becquerel pro Kubikmeter Innenraumluft überschritten wird.

Was fordert der Gesetzgeber seit 1. Januar in den Radonvorsorgegebieten?
Gebäude in ganz Sachsen müssen grundsätzlich so gebaut werden, dass das Eindringen von Radon aus dem Boden ins Gebäude verhindert oder erheblich erschwert wird. Ein guter Schutz gegen Bodenfeuchte schützt auch gegen den Eintritt von Radon. In den Radonvorsorgegebieten ist seit Jahresbeginn noch mehr Schutz bei Neubauten erforderlich: Beispielsweise abdichtende Radonschutzfolien oder technische Einrichtungen zur Fassung und Ableitung von Radon.

Was ist mit bestehenden Gebäuden?
Arbeitgeber und Selbstständige in Radonvorsorgegebieten sind verpflichtet, an Arbeitsplätzen im Keller und im Erdgeschoss seit 31. Dezember Radonmessungen durchzuführen. Wird der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter an einem Arbeitsplatz überschritten, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Radonwerte zu reduzieren.

Wie schnell muss mit den Messungen begonnen werden?
Die Messungen dauern ein Jahr und müssen bis 30. Juni 2022 abgeschlossen sein. Somit bleibt für die Planung der Messungen maximal ein halbes Jahr Zeit. Wenn der Referenzwert überschritten wird, müssen Maßnahmen folgen.

Wer führt die Messungen aus?
Das machen Fachfirmen oder Institutionen, die eine entsprechende Anerkennung des Bundesamtes für Strahlenschutz haben.

Arbeitgeber und Selbständige sind zu den Messungen verpflichtet. Was gilt für mich als privater Hausbesitzer im Radonvorsorgegebiet?
Ich empfehle in jedem Fall eine Messung. Nur wer Bescheid weiß, kann sich schützen. Dosimeter, so heißen die apfelgroßen Messgeräte, kosten um die 30 Euro. Nach einem Jahr schicke ich das Dosimeter zur Auswertung, die mit dem Kaufpreis bereits bezahlt ist. Dann weiß ich, was zu tun ist.

Was denn?
Ob ich Maßnahmen ergreifen sollte: Das Gebäude abdichten oder mit einem Lüfter das Radon absaugen. Der Rat eines Fachmanns ist angebracht. Als vorbeugende Maßnahme bei Radon-Verdacht kann man sofort ein paar einfache Dinge tun: Lüften ist eine erste Maßnahme. Vielleicht kann man auch die Räume anders nutzen: Die Werkstatt im Keller wird Lager. Der Lagerraum im Erdgeschoss wird Werkstatt.

Wo kann man sich informieren?
Informationen gibt es im Internet auf unserer Homepage. Dort finden Bauingenieure und Architekten auch Planungshilfen. ufa
www.radon.sachsen.de