Abwerbungsversuchen widerstanden

Die Schönecker Firma GK Software wird neuer Eigentümer der Hempelschen Fabrik und der Hempelschen Villa in der Elsteraue.

Plauen Wenn die Stadt Grundstücke veräußert, dann ist der Diskussionsbedarf der Stadträte in der Regel eher gering. Doch diesmal ging es nicht nur um besondere Anwesen, sondern auch einen besonderen Käufer.
Immerhin handelt es sich bei den künftigen Nutzern beider industriehistorisch bedeutsamen Gebäude um das DAX notierte Schönecker Unternehmen GK Software. Die Firma gehört quasi zu den Platzhirschen, wenn es um die Digitalisierung des Handels geht - auf der Kundenliste stehen Unternehmen wie Aldi, Edeka, Netto und andere.
Lange Zeit sei die Hempelsche Fabrik aufgrund der hohen Sanierungskosten ein Sorgenkind gewesen, machte Baubürgermeisterin Kerstin Wolf eingangs deutlich. Lange Zeit habe man nach neuen Nutzern gesucht. Es habe durchaus Bewerber gegeben, die allerdings an kleineren Flächen interessiert gewesen seien. Während der ersten Förderperiode von 2014 bis 2020, die nun bis 2022 verlängert wurde, habe auch GK Software ein Expose vorgelegt, so die Baubürgermeisterin. Da seit Anfang des Jahres nun auch private Investitionen förderfähig seien, nahmen die Gespräche mit GK Software um Geschäftsführer Rainer Gläß gewissermaßen Fahrt auf. Bis Ende 2022 sollen 100 Arbeitsplätze entstehen, vornehmlich im IT-Bereich. Für beide Gebäude, die "niederschwellig" saniert werden sollen, zahlte GK Software insgesamt 450.000 Euro. Eine Summe, die die Stadt als Eigenmittel nicht zur Verfügung gehabt hätte, wie Kerstin Wolf weiter betonte.
"Wir wollen unseren Wachstumskurs mit neuen Arbeitsplätzen fortsetzen", informierte der Presseverantwortliche Norbert Eder die Stadträte über das strategische Ziel des Unternehmens. Die Hempelsche Fabrik solle Kreativen als Mieter offenstehen, im Erdgeschoss könne man sich auch Gastronomie vorstellen, möglicherweise auch Veranstaltungen. Eder sprach von einem neuen Ort der Kreativität in Verbindung mit historischer Industriekultur, wie sie auch in Dresden oder Berlin zu finden seien. Man setze auf eine moderne Nutzung unter Beibehaltung viel historischer Bausubstanz, so Eder. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer merkte an, dass GK Software etlichen "Abwerbungsversuchen" in größere Städte des Landes widerstanden habe. Doch der gebürtige Schönecker, der Geschäftsführer Rainer Gläß, habe stets "dankend abgelehnt". Gläß, von einem anderen Termin zur Stadtratssitzung "gehetzt", bekräftigte seine "Vorfreude" auf Plauen. Der Standort habe Potential, Plauen habe Potential. "Und nun schauen wir mal, was man in Plauen noch alles machen kann." Dem Ziel, "wohnen, arbeiten, studieren an einem Ort, sei man ein ganzes Stück näher gekommen, nun hoffe er auf eine gewisse Eigendynamik, so Gläß.
Entsprechend positiv fielen die Wortbeiträge der Stadträte aus. Eigentlich müse man ein Feuerwerk abbrennen, so SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch in gewohnt euphorischer Manier. "GK Software ist eine richtig große Nummer für Plauen ."
Allerdings vergaß er auch nicht, auf eine Vorlage aus dem Jahre 2009 zu verweisen, in der das Spitzenzentrum in einem "seelenlosen Gebäude" in der Innenstadt favorisiert wurde. Die bessere, von ihm bevorzugte Variante, habe mit dem Weisbachschen Haus obsiegt. Bis Ende 2022 sollen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden. top