Abstand halten beim Haarewaschen

Friseure waschen wieder Köpfe, schneiden Haare und drehen Locken. Nach sechswöchiger Pause öffneten am Montag in Sachsen wieder die Friseursalons und Haarstudios.

Von Thomas Voigt und
Sybille Güntzel-Lingner

Friseure waschen wieder Köpfe, schneiden Haare und drehen Locken. Nach sechswöchiger Pause öffneten am Montag in Sachsen wieder die Friseursalons und Haarstudios. Der Betrieb aber verlief etwas anders als vor der Corona-Krise. Gefordert wird jetzt die Einhaltung strenger Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Obwohl der Montag der Ruhetag der Friseure ist, testeten die meisten Salons schon an diesem Tag ihr Handwerk unter beschwerten Bedingungen. Im Rodewischer Salon Tiepmar stellte sich schon mal Yvonne Friedrich, die Lebensgefährtin von Geschäftsinhaber Jörg Tiepmar als Versuchskaninchen zur Verfügung. "Wir haben uns vorerst auf ein Dreierteam geeinigt, bis alles einläuft", so Friseurmeister Tiepmar, der am 1.März den Laden seines Vaters Joachim Tiepmar übernommen hatte. Und so greifen zur Zeit nur Vater, Sohn und Mitarbeiterin Isabell Juhn zu Kamm und Schere. Mutter Petra Tiepmar wäscht die Handtücher, von denen jetzt mehr gebraucht werden und die Auszubildende Britt Ramsdorf bleibt zunächst zu Hause.
Der Ablauf im Salon ist streng geregelt. Kunden für je drei Plätze werden nur nach terminlicher Vereinbarung eingelassen. Sie betreten den Vor- und Verkaufsraum, der neu hergerichtet wurde. "Ich habe die unfreiwillige Pause zum Renovieren genutzt", so Tiepmar. Dort stehen Desinfektionsmittel bereit und jeder Kunde hat ein Infoblatt von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege auszufüllen. Abgefragt werden Adresse, Datum und Uhrzeit des Kunden im Salon, sowie coronatypische Krankheitssymptome. Sollten letztere positiv sein, kann der Kunde nicht bedient werden. Anderenfalls beginnt die Prozedur. Kunde und Personal haben Mund-Nasenschutz zu tragen. Davon hält der Salon genügend bereit. Der Friseur arbeitet mit Handschuhen. Haarwäsche ist für jeden Kunden Pflicht. Dagegen ist die Gesichtspflege, auch die Rasur tabu. Alles andere, wie Schneiden, Färben, Föhnen und Lockwelle wird je nach Wunsch ausgeführt. Bis auf Weiteres ist der Salon ausgebucht. "Die Aufwendungen für jeden Kunden sind größer und brauchen mehr Zeit.
Wir müssen uns erst einarbeiten, aber wir sehen das ganz entspannt", so der Friseurmeister. Der Umsatz, der während der Zwangspause nicht kam, werde nicht aufzuholen sein. Sicher ist aber, dass der Kunde mehr zahlen muss. Unter anderem haben wir jetzt Mehrausgaben für Hygieneartikel, die auch teurer geworden sind", begründet er die Preiserhöhung.
Diese Ausnahmesituation wird Korinna Ernst wohl nicht so schnell vergessen. Die Obermeisterin der Friseurinnung Vogtland erlebte aufregende Wochen. Im Zusammenhang mit einem Covid-19-Patienten musste sie selbst für einige Zeit in Quarantäne. "Mein Test fiel negativ aus", verriet die 49-Jährige. In den vergangenen Tagen machte sie ihren Friseur- und Kosmetiksalon an der Falkensteiner Hauptstraße für die Wiedereröffnung startklar. Neben den eigenen Vorbereitungen hielt sie die zur Innung gehörenden Handwerksbetriebe auf dem Laufenden. Viele ihrer Kollegen seien durch die Auflagen verunsichert. "Niemand will etwas falsch zu machen." Im Allgemeinen herrscht in der Branche große Freude darüber, dass die Mitarbeiter endlich wieder loslegen können. Doch die Kundschaft und das Personal müssen sich auf viele Änderungen im laufenden Betrieb einstellen. Weil sich nur wenige Personen im Salon aufhalten dürfen, gibt es praktisch keinen Wartebereich mehr. Ein Blick ins Auftragsbuch verrät, dass der Laden von Korinna Ernst in den nächsten Tagen brummt. Trotz des zu erwartenden Kundenansturms möchte die Chefin ihre Öffnungszeiten höchstens moderat ausweiten. "Ich will mein Personal nicht gleich überlasten. Deshalb bleibt der Montag wie vorher Ruhetag."
Silke Günther, Inhaberin von "Silkes Friseursalon" in Rodewisch behält ihre Preise bei, erhebt lediglich einen Corona-Zuschlag von 1,50 Euro pro Kunde. Sie ist Alleinkämpferin und freut sich, dass ihre Kunden wiederkommen. Bis Juni ist sie ausgebucht. Die erste Kundschaft hatte sie schon am Montag, nachdem ihr Lebensgefährte Hendrik Weise als Testperson herhalten musste. Auch sie hat zuvor Möbel gerückt für jeweils ein bis zwei Plätze im Abstand von zwei Metern. Dafür entfällt der Wartebereich, der ohnehin nicht gebraucht wird, weil die angemeldeten Kunden nicht warten müssen.
Mit Desinfektionsmittel, Spezialspray für die Gerätschaften, Papierhandtüchern und Einwegumhängen hat sie sich gut eingedeckt. Nach jedem Kundenbesuch wird alles gereinigt. Sie hofft, dass die Pandemie möglichst bald vorbei ist. "Dann entfällt bei mir der Corona-Zuschlag", versichert die Friseurmeisterin.