Abschied nach 36 Jahren

Nach 36 Jahren als Erzieherin sagt heute Christine Ruppert ihrer "Knirpsenburg" adieu. Schon gestern wurde sie verabschiedet.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Wenn die Kinder gelacht haben und gern in die Kita gekommen sind, dann ging es auch mir gut", verriet Christine Ruppert gestern von einer tollen Abschiedsfeier, die die Kollegen und Kinder ihr bereitet haben, noch tief berührt. Dabei kam sie erst über Umwege zu dem Beruf, der für sie eine echte Berufung wurde. "Gelernt habe ich Schriftsetzer im Sachsendruck. Als wir dann in den Chrieschwitzer Hang gezogen sind und ich erfahren habe, dass in der 7. Kinderkombi, wie die Einrichtung damals noch hieß, Kindergartenhelfer gebraucht werden, habe ich mich gemeldet. Und so habe ich am 1. Juni 1983 hier angefangen und bin froh, an dieser Einrichtung 36 Jahre lang gewesen zu sein", blickt die 63-Jährige zurück. Neben ihrer Arbeit und als Mutter von zwei Kindern hatte sie berufsbegleitend zunächst eine Ausbildung zur Erziehungshelferin und später Kindergärtnerin absolviert. Nach der Wende musste sie dann wie alle ihre Kolleginnen den staatlich anerkannten Erzieher nachmachen.
 Wie viele Mädchen und Jungen sie in den 36 Jahren unter ihren Fittichen hatte, vermag sie nicht zu sagen. "Inzwischen habe einige ehemalige Kindergartenkinder ihre Töchter oder Söhne hier", sagt Christine Ruppert und verrät, dass so manches Elternteil , dem sie das Haus zeigen wollte, lächelnd abwinkte, weil er es kannte. Und Leiterin Sylvia Ladek-Seifert weiß auch, dass viele von diesen direkt nach Christine Ruppert fragen. 
 "Geändert haben sich in all den Jahren von DDR-Zeiten bis heut viele Anforderung von außen. Aber die Liebe zum Kind ändert sich nicht", bekräftigt die scheidende Erzieherin und fügt hinzu, dass es ihr oft weh getan habe, wenn sie sich nicht so intensiv mit einzelnen Kindern beschäftigten konnte, wie sie wollte, weil die Zeit fehlte.
 Nach Kindergarten- und Hortgruppen ist seit gut sechs Jahren immer eine Vorschulgruppe ihr anvertraut. Und auch von den angehenden 34 Erstklässlern sind 16 Mädchen und Jungen von ihr auf die Schule vorbereitet worden. "Und weil auch sie im August die Kita verlassen, fiel mir der Abschied jetzt leichter. Das Zuckertütenfest haben wir noch gemeinsam gefeiert", sagt Christine Ruppert. "Wir lassen sie mit einem weinenden Auge gehen", betont Sylvia Ladek-Seifert. "Ich erst recht, denn Christine hat mir immer viel geholfen, mit Wissen und handwerklichem Geschick." 
 "Ich genieße die Ruhe in meinem Bungalow in Pöhl, freue mich auf gemeinsame Zeit mit meinem Mann, der nach vielen Montage-Jahren jetzt auch Rentner ist. Und auch die drei Enkelkinder hoffen auf mehr Zeit mit der Oma", erzählt Christine Ruppert.