99 Künstler präsentieren Paradoxes

Insgesamt 99 Künstler überwiegend aus Mitteldeutschland, präsentieren als Gemeinschaftsausstellung in der Kunstwandelhalle Bad Elster eine große Vielfalt an Druckgrafiken in verschiedenen Techniken.

Von Steffen Adler

Bad Elster Entstanden sind die Arbeiten während der 35. Leipziger Graphikbörse, die mit einer feierlichen Vernissage unter dem Titel "Paradox" eröffnet wurde. Dazu begrüßte Ute Gallert von der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH unter den teilnehmenden Künstlern und Besuchern vor allen Steffen Böttcher als Vorsitzenden der Leipziger Grafikbörse und den Kunsthistoriker Rainer Behrends, der zugleich seit vielen Jahren Vorstandsmitglied der Leipziger Grafikbörse ist. "Bad Elster machte sich seit rund 200 Jahren zur Aufgabe Gästen aus nah und fern Gutes zu tun. Sei es durch die hier vorhandenen heilenden Quellen und Kuranwendungen sowie nicht zuletzt auch die vielfältigen Veranstaltungsangebote und Ausstellungen", machte Ute Gallert auf eine lange Tradition der Kunst und Kultur im Badeort aufmerksam. In einem Grußwort erinnerte Steffen Böttcher anschließend an die Ausstellung "Passage", die Werke der 34. Leipziger Graphikbörse im vergangenen Jahr erstmals auch in Bad Elster präsentierte. "Die 35. Graphikbörse mit dem anspruchsvollen Thema "Paradox" war im November in Leipzig eröffnet worden. Dies ist nun die dritte von insgesamt sechs Ausstellungen, die in verschiedenen Orten gezeigt wird", informierte er. Speziell dem Titel der Ausstellung widmete sich Rainer Behrends in seinen einführenden Worten. "Wenn Flüchtlinge im Mittelmeer von einem Rettungsboot aufgenommen werden und dieses dann in keinem Hafen einlaufen darf - das ist paradox", hob er hervor. "Paradox - längst ist das Adjektiv mit griechisch-lateinischer Wurzel zum Bestandteil der Umgangssprache geworden. Mit ihm werden sich scheinbar einander widersprechende Aussagen, Zustände und Befindlichkeiten bezeichnet, die der geläufigen Meinung entgegenstehen. Bezogen auf Verhaltungsweisen, Fakten, Empfindungen sowie Personen entsteht aus tieferer Einsicht in die Paradoxie oftmals ein klareres Verständnis für Sachverhalte und Gegebenheiten", führte er aus. Bezogen auf die Werke in der Ausstellung machte Rainer Behrends auf Grafiken unter Titeln, wie "Alter Knabe" und "Weniger ist mehr" oder auch auf den Kupferstich "Apfelwerfer" aufmerksam, wo Paris zu sehen ist, der den Apfel ziellos in die Luft wirft, weil drei nackte Frauen augenfällig kein Interesse daran haben, den Apfel von Paris zu bekommen. Ebenso paradox wirkt die Darstellung von Achilles bei einem nicht zu gewinnenden Wettlauf mit einer Schildkröte. Trotz eines hohen Niveaus an handwerklichen Fähigkeiten erfordern einige Drucke sehr fantasiereiche Gedankenarbeit an den Betrachter, um erkennen zu können, was als paradox erscheinen soll. So haben sich die Künstler auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit dem Sinn oder Widersinn des Wortes Paradox auseinandergesetzt. Genau in diesem Sinne lud Rainer Behrends die Besucher zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein. Seit seiner Gründung im Jahr 1972 beschäftigt sich der Verein Leipziger Grafikbörse mit der Präsentation zeitgenössischer Grafiken, die mittels klassischer oder moderner Drucktechniken entstehen. Zu diesem Zweck entstand die Ausstellungsreihe Leipziger Grafikbörse, die zunächst jährlich ausgerichtet wurde und inzwischen als Biennale stattfindet. Der Verein besteht aus einer kleinen, sehr engagierten Gruppe Leipziger Künstler, deren Arbeit auch über Mitteldeutschland hinaus in anderen europäischen Ländern als wertvoller Kulturbeitrag geschätzt wird. Für die passende musikalische Umrahmung zur Vernissage sorgte Kammermusiker Georg Stahl von der Chursächsischen Philharmonie mit Stücken von Johann Sebastian Bach. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 1. September während der Öffnungszeiten sowie zu den Veranstaltungen in der Kunstwandelhalle.