80 Jahre Josef Wetzl

Mylau - Der Mylauer Maler und Grafiker Josef Wetzl feiert seinen 80. Geburtstag. Er will den Tag im Kreise seiner Familie verbringen und bekennt, dass es ihm schwerfalle zu begreifen, dass er bereits ein so hohes Alter erreicht habe.

 

Zum Jubiläum wünscht sich er sich vor allem Gesundheit, aber auch Lebensfreude. Denn Josef Wetzl findet die Welt und das Leben fantastisch. Er bewundert alles Neue, was geschaffen wird. Er bewundert den Fortschritt der Technik. Und freut sich darauf, wenn die Göltzschtalbrücke nach ihrer Sanierung wieder in vollem Glanz erstrahlt.

Innerhalb der sächsischen Kunstszene nimmt Josef Wetzl als Autodidakt eine Sonderstellung ein. Er ist nicht geprägt von den großen Kunstschulen im Land, sondern Impressionist, Expressionist und Surrealist in einer Person. Es ist der unnachgiebige, liebevolle, neugierige und ehrliche Blick auf Alltagssituationen, auf das All-Zu-Menschliche, der Wetzl?s Werke auszeichnet. Und so bezeichnet ihn Klaus Hirsch, ein Künstlerkollege Wetzl?s aus dem Verband Bildender Künstler, als einen der wichtigsten sächsischen Maler und lobt ihn für seine beharrliche Arbeit sowie für die große geistige und künstlerische Tiefe seiner Bilder.

In 50 Schaffensjahren hat der 80-jährige Wetzl über 1600 Werke geschaffen und dabei nie eine Kunst- oder Hochschule besucht. Er brachte sich das Handwerk des Malens selbst bei. "Joseph Wetzl deutet meist nur an, was er zum Ausdruck bringen will und bindet so den Betrachter mit ein", erklärt Hirsch die Arbeitsweise des Mylauers.

Josef Wetzl wurde 1930 als Sohn einer deutschen Familie in Ungarn geboren. 1944 wurde die Familie aus der Heimat vertrieben. Wetzl erlebte mit, wie man seine Schwester verschleppte. Sein täglich Brot verdiente er sich als Tagelöhner im Steinkohlebergbau. 1948 siedelte er mit den Eltern nach Neumark über und begann bei Fichtel und Sachs zu arbeiten. Vier Jahre später heiratete der Jubilar seine Frau Maria. Mit bereits 30 Jahren begann er noch eine Ausbildung zum Maschinenschlosser.

Malen gehörte schon immer zu Josef Wetzl?s liebstem Zeitvertreib. In seiner Freizeit besuchte er Volkshochschulkurse und die Mal- und Zeichenschule in Zwickau. 1977 hatte er seine erste Personalausstellung im polnischen Lodz. Doch erst im Alter von 50 Jahren wagte er den Schritt in die freischaffende Tätigkeit. Wetzl unternahm Studienreisen nach Mittelasien und Sibirien, geriet 1985 mit dem DDR-Regime in Konflikt und nahm in den Wendetagen auch an den Montagsdemos in Plauen und Reichenbach teil.

In den vergangenen Jahren hatte er vielbeachtete Ausstellungen in Chemnitz und Zwickau, aber auch in Erfurt und Leipzig sowie in der "Kunsthalle Reichenbach". Erst kürzlich ging eine Ausstellung anlässlich seines 80. Geburtstages im Reichenbacher Neuberinmuseum zu Ende. Joseph Wetzl lebt in Mylau. Im April hat ihm die Stadt aus Anlass seines bevorstehenden runden Geburtstages die Ehrenbürgerwürde verliehen.

In hohem Alter von 80 Jahren und mit vielen Lebenserfahrungen ausgestattet, rät Josef Wetzl den Menschen zum gegenseitigen Verständnis. Es sei schade um die Zeit, die man im Streit verbringe, meint er. Und an die jungen Leute hält er die Empfehlung bereit, sorgsam mit ihrer Gesundheit umzugehen, denn je älter man werde, umso mehr schätze man die Gesundheit. Die Malerei sei für ihn immer etwas Besonderes gewesen, bekennt der Künstler. Und besonders froh und glücklich sei er, dass er trotz Niederlagen am Ende seines Lebens vor einem großen und erfolgreichen Schaffenswerk stehen könne.                         Von Ina Ullmann