7. Vogtländischer Diabetikertag in Plauen

Plauen - Ein Alters - und Sensibilitätssimulator sorgte zum 7. Vogtländischen Diabetikertag am Samstag im Plauener Rathaus bei so manchem Besucher für ein Aha-Erlebnis. Das Sanitätshaus Bandagen Sarfert brachte diesen Anzug mit, der Krankheitsbilder nachstellt und die Testperson bis zu 40 Jahren altern lassen kann.

 

Sicht, Gehör und Motorik werden dabei erheblich eingeschränkt. Lutz Ott probierte ihn aus. Er war nach einmal Treppensteigen und kurzem Laufschritt sichtlich erschöpft. "Ich fühle mich wie nach einer halben Stunde auf dem Laufband", sagte der 53-jährige. Auch am Kopf kratzen stellte schon ein Problem dar. "Wir möchten die Leute sensibilisieren, ihnen zeigen, welche Folgen schlechtes Schuhwerk, falsche Ernährung und ungesundes Lebensweise haben können", erklärte der Orthopädieschuhmachermeister Marcus Käppel. Doch auch viele andere der etwa 20 Aussteller informierten über die Erhaltung der Gesundheit, insbesondere aber über den Umgang mit Diabetes.

Der Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Blutzuckerwerte dauerhaft zu hoch sind. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben, die sich durch verschiedene Diabetesformen ausdrücken. Der Typ 2 ist mit über 90 Prozent aller Fälle die mit Abstand häufigste Form und wird bereits als Volkskrankheit Nummer eins bezeichnet. Bereits 2008 waren in Deutschland rund acht Millionen Menschen daran erkrankt. Zusätzlich gehen Experten von einer sehr hohen Dunkelziffer noch nicht erkannter Diabetiker aus. Wegen der großen Zahl der Patienten und der zahlreichen Folge- und Begleiterkrankungen - besonders bei fehlender oder nicht ausreichender Behandlung - zählt Diabetes heute zu den großen Aufgaben für Medizin und Gesundheitspolitik. Ein Großteil der Patienten muss dabei lernen seine Therapie im weitesten Sinne selbst zu übernehmen, was häufig das Verabreichen von Insulin bedeutet. Besonders deshalb organisiert der Deutsche Diabetiker Bund solche Veranstaltungen, die Betroffenen die Möglichkeit bietet, Antworten auf Fragen zu bekommen, Anlaufstellen zu finden und Kontakte zu knüpfen.

Maria Vieweg von der Diabetiker-Selbsthilfegruppe Plauen organisierte in Kooperation mit dem Helios Klinikum Plauen, vertreten durch die Diabetesberaterin Anja Holtay-Mayer, den Tag, der bisher im Klinikum statt gefunden habe, in diesem Jahr erstmal im Rathaus der Stadt. Mit der Resonanz zeigten sich beide Frauen sehr zufrieden. Etwa 300 Besucher seien vor Ort gewesen. Großes Interesse gab es auch an den Vorträgen renommierter Ärzte. "Fettleber und Diabetes mellitus", "Diabetes - eine Geisel der modernen Gesellschaft" und "Sekundärer Diabetes bei hormonellen Erkrankungen" gaben Aufschluss über die stetig ansteigende Zahl der Erkrankungen. "Immer mehr Menschen leiden an Diabetes. Besonders ab dem 40-Lebensjahr steigt das Risiko. Gründe sind oft falsche Ernährung in der heutige Wohlstandsgesellschaft", sagt Maria Vieweg.

Besonderes Interesse weckten die Schrittzähler, die Wilfried Kempe von der Firma OMRON vorstellte. Diese sind in der Apotheke erhältlich und liefern Erkenntnisse über die tägliche Anzahl der Schritte, die häufig völlig falsch eingeschätzt werden. Je nach Beruf erreichen viele gerade mal eine Zahl von etwa 1500 pro Tag, jedoch sollten es mindestens 5000 sein. Gut für die Gesundheit wären 8000. Um abzunehmen sollten 10 000 Schritte täglich erreicht werden. Gleichzeitig zeigen die kleinen Geräte den Kalorien und Fettverbrauch an. Ob Blutzucker-, Blutdruck-, Körperfett oder Fußdruckmessung, die Angebote wurden gerne wahrgenommen. Auch die eigenen Messgeräte konnten überprüft werden sowie Neues in einer Ernährungsberatung in Erfahrung gebracht werden.

Mit dabei war auch die Plauener Selbsthilfegruppe, die ein offenes Ohr für alle Betroffenen und Angehörigen hat. Neben dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch stehen auch regelmäßig sportliche Veranstaltungen, Wanderungen oder Vorträge auf dem Programm. Fazit: Jeder kann und sollte selbst etwas für seine Gesundheit tun. Die wichtigsten Punkte dabei sind die richtige Ernährung und viel Bewegung.

 

Von Stephanie Rössel