7. Kunstfest in Bad Elster: Kettensäge geht gar nicht

Exklusiv zum 7. Kunstfest präsentierte der Holzbildhauer OhnMächtig - alias Thomas Thiele - im Blauen Saal des Königlichen Kurhauses die Ausstellung "Holzwege", in der er einige seiner eindrucksvollen Skulpturen präsentierte.

Bad Elster - Das besondere Aussehen und die Formen seiner Skulpturen lassen eine Vorliebe erkennen, die der Plauener Künstler abstrakt von den Wurzeln künstlerischer Gestaltungen im asiatischen Stil ableitet. Aber nicht nur deshalb sind seine Arbeiten etwas Besonderes: Auch die perfekte filigrane Ausführung in den vielfältigen Gestaltungsweisen beeindruckte die Besucher der Ausstellung.

Sie konnten nicht nur seine erstaunlichen Werke aus einer Schaffenszeit in den vergangenen acht Jahren bewundern, sondern erhielten auch einen kleinen Einblick in seine Arbeitstechniken. "Mit Holz kann man viel tun. Ich bin immer voller Ideen", sagt der Künstler, der sich als klassischer Seiteneinsteiger und Autodidakt die Holzbildhauerei selbst beigebracht hat.

Inspiriert zu einer Idee wird er auf vielfältige Weise. "Meist ist es das Holzstück selbst, zu dem ich dann im Kopf eine Idee dafür entwickle, was sich daraus verwirklichen lässt. Manchmal ist die Idee ganz spontan, aber es gibt auch andere, wo es auch einen längeren Zeitraum dauert, bis ich sie verwirkliche. Es ist dann immer ein spannender Weg bis zum fertigen Werk", erklärt Thomas Thiele.

Meist verwendet er Harthölzer, weil sie für die filigranen Arbeiten besser geeignet sind. Das Holz und die Maserung bleiben immer naturbelassen und werden stets kreativ in die Form des Kunstwerkes einbezogen. Zum Einsatz kommt lediglich ein chinesisches Naturöl, das nach sehr sorgfältiger Oberflächenbearbeitung und verschiedenster Schleifvorgänge mit dem Pinsel oder einem Tuch in mehreren Schichten nacheinander aufgetragen und danach immer wieder poliert wird, bis es die gewünschte Oberfläche aufweist.

Thomas Thiele fertigt kleine und auch große Skulpturen. Manche der großen Stücke erreichen auch schon einmal eine Höhe von über zwei Meter. An seiner bisher größten Skulptur hat er vier Monate gearbeitet, mit einem wöchentlichen Zeitpensum von 60 bis 70 Stunden. Thomas Thiele, übrigens in Bad Elster geboren, hat den Beruf des Industriemechanikers erlernt, was ihm zum Beispiel sehr beim Umgang mit Werkzeugen und der Vorstellung von technisch komplexen Vorgängen geholfen hat. Für seine Bildhauerein verwendet er hochwertige Schnitz- und Bearbeitungseisen oder selten auch einmal Maschinen, wenn es dem Ergebnis dienlich ist.

Allerdings verwendet er nie eine Kettensäge oder automatische Meiselwerkzeuge. "Das passt nicht zu einem echten kreativen Holzhandwerker", betont der Künstler. Seinen Werken gibt er keine Titel, vielmehr möchte er den Betrachter mit all seiner Phantasie, seinen Sichtweisen selbst zum Denken anregen. Mit seinen Arbeiten verfolgt der Bildhauer zum einen die Suche nach ästhetischer Schönheit und Harmonie sowie die Widerspiegelung des Charakters der verwendeten Hölzer. "Es geht zum andern auch um Reflexionen meiner realen Umwelt, um die Verarbeitung mentaler und emotionaler, physischer und psychischer Zustände meiner Vergangenheit und Gegenwart.

Dabei geht es fast ausnahmslos um Angst und Gewalt, um Unterdrückung, Missachtung und um Ohnmacht - um nicht sein dürfen wie man ist", beschreibt der Ausnahmekünstler. Besonders dankte Thiele, der künftig noch mehr unter seinem Künstlernamen OhnMächtig bekannt werden möchte, seiner Familie und engen Freunden für die Unterstützung in den vergangenen Jahren und freut sich um so mehr, am 6. Mai sein neues 400 Quadratmeter großes Atelier in Plauen eröffnen zu können.