600 Gebäude in Plauen siechen vor sich hin

Plauen - Nicht nur optisch geraten sie zunehmend zum Problem - die insgesamt 600 mehr oder weniger maroden Gebäude in Plauen. Mit der Dauer ihres Leerstandes wächst auch die Gefahr, die von ihrem baulichen Zustand ausgeht.

 

Wie gewährleistet die Stadtverwaltung die Sicherheit ruinöser Gebäude? Darüber wurden in dieser Woche die Mitglieder des Stadtbauausschusses informiert. Zunächst werden die Gebäude nach Grad ihres Verfalls kategorisiert. Gefährdungsklasse A umfasst Häuser, die eigentlich nur noch abgerissen werden können. Die Statistik weist 29 derartige Objekte auf, allein elf kamen im vergangenen Jahr hinzu. Das Problem: Die Besitzer oder Erbengemeinschaften lassen sich nicht ausfindig machen oder sind insolvent. In diesem Falle wird oft ein Eigentumsverzicht erklärt und die Stadt muss in Vorleistung für diese "herrenlosen" Häuser gehen.

Im aktuellen Haushalt stehen dafür 370 000 Euro zur Verfügung - 150 000 Euro für den Ankauf gefährdeter Immobilien und 220 000 für den folgenden Abbruch. Häuser aufzukaufen um sie abzureißen sei sicher kein guter Weg, aber der derzeit einzig Mögliche, machte Bürgermeister Manfred Eberwein deutlich. Sein nach "oben" gerichteteter Apell: "Bund und Land müssen helfen, sonst erleiden die Kommunen einen Kollaps." Um korrigierend eingreifen zu können, müsse ein entsprechendes Programm verabschiedet werden.

 

In diesem Sinne äußerte sich in der anschließenden Diskussion auch Wolfgang Alboth (SPD). Das Problem leer stehender und die Sicherheit gefährdender Häuser werde sich in den nächsten Jahren gravierend verschärfen - auch vor dem demografischen Hintergrund, dass die wenig verbliebenen Mieter eines maroden Hauses sterben. Ein Großteil der registrierten Häuser gehört Kategorie C an - diese 119 Gebäude weisen leichtere Schäden auf wie lose Dachziegel oder Schiefer, defekte Dachentwässerung, Nässeschäden im Traufbereich sowie offene Türen und Fenster. Insgesamt fünf Gebäude wurden im Vorjahr abgerissen: der ehemalige Sachsendruck auf der Julius-Fucik-Straße 10, Mühlgraben 7, Lessingstraße 36 und das Hintergebäude der Fucik-Straße 43.

Wie "fließend" der Übergang der Gebäude von einer Kategorie in die nächst höhere erfolgen kann, wurde anhand zahlreicher Fotos gezeigt. Innerhalb relativ kurzer Zeit verfiel beispielsweise die Martin-Luther-Straße 76 zur Ruine. Auch im Falle der Eugen-Fritzsch-Straße 23 komme ein Abbruch wirtschaftlicher, wenn sich in den nächsten fünf Jahren kein Käufer finde. Als weitere "Abbruchkandidaten" gelten die Objekte Oelsnitzer Straße 64, Dobenaustraße 26, Rähnisstraße 56, Hofer Straße 50 A, Goethestraße 9 und Merkelstraße 6.

Als so genannte herrenlose Objekte gelten unter anderen die Liebknechtstraße 46, die Siegener Straße 30 und die Schildstraße 28 - hier plant die Stadt in diesem Jahr Notreparaturen, um die Bausubstanz zu erhalten. Fazit Eberweins nach der Auflistung immer mehr in sich zusammenbrechender Gebäude vor allem in der Innenstadt: "Wir wollen nicht depressiv werden." tp