60 Jahre an (Kirchturm)Spitze

Er ist 81 - und arbeitet noch halbe Tage. "Von 6 bis 6", sagt seine Frau Anneliese: Besuch bei Franz Lorenz in Treuen, "diamantener" Meister des Klempner- und Installateurhandwerks.

Treuen - Der Mann denkt nicht an Ruhestand: "Gegenwärtig arbeite wir in Leipzig-Grünau: Wir statten zwei Schulen, die generalsaniert werden, komplett mit der Sanitäreinrichtung aus und bauen die Heizungen ein", sagt Franz Lorenz, der vor 60 Jahren den Meisterbrief in diesem Gewerk erworben hat.
Für die Heizungen werden nach seinen Worten Rohre aus Schwarzstahl verwendet. "Das ist vandalensicher, erfordert aber spezielle Kenntnisse beim Schweißen, die heute selten geworden sind. Mein Sohn und ich können das", erklärt er stolz.
Apropos: Mit der Firma seines Sohnes, die gut ein Dutzend Leute zählt, arbeitet Lorenz oft zusammen: "Wir haben die Sanitärarbeiten am neuen Stadion von Erzgebirge Aue ausgeführt und auch die Heizungs- und Klempnerarbeiten. Wir waren beteiligt am Werder Stadion in Bremen, am Albertinum in Dresden und haben Aufträge ausgeführt in diversen Krankenhäusern - in Plauen und Rodewisch zum Beispiel, in Chemnitz, Stollberg und Dresden. Und gegenwärtig arbeiten wir im Bergbaumuseum Oelsnitz im Erzgebirge."
Familie Lorenz ist eine Klempner-Dynastie - in neun Generationen. "Angefangen hat alles 1770 in Eibenstock. Mein Urgroßvater lernte 1865 auf der Wanderschaft eine Klempnerwitwe mit vier Kindern in Treuen kennen. Nach der Heirat bekam das Paar fünf weitere Kinder", berichtet Franz Lorenz.
Er selbst wurde 1940 geboren. "Ich bin mit dem Handwerk aufgewachsen. Es war immer klar, dass ich Klempner werde und auf Kirchtürme steige, um die Spitze zu erneuern. Mittlerweile habe ich das wohl 30 Mal gemacht.
Lorenz lernt in Plauen bei der Firma Vogel, die nach seinen Worten damals die renommierteste im Vogtland war. Im Anschluss wechselt er in den elterlichen Betrieb - und macht sein Ding, wie der Vogtländer sagt. Und er macht es sehr gut: Lorenz wird im Jahr 2000 Bundespreisträger im Klempnerhandwerk. "Für die Sanierung der Eckstein-Villa in Falkenstein. Den Preis hat Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf überreicht."
Franz Lorenz hat drei Kinder, die Söhne Frank und Matthias sind - wie nicht anders zu erwarten - Klempnermeister. "Auch ein Enkel ist in der Familienspur und hat einen der besten Meisterabschlüsse in Deutschland gemacht."
Hat Franz Lorenz ein Hobby? "Die Brieftauben, die habe ich geerbt. Gibt es schon 100 Jahre in der Familie", sagt der 81-Jährige, der 30 Jahre Vorsitzender der vogtländischen Brieftaubenzüchter war. "Vor allem in der DDR haben wir eine Menge selber gemacht, insbesondere zum Transport der Tiere. Wir haben 10.000 Tauben mit einem Sattelschlepper transportiert - ab 1974, also viele Jahre bevor das Thema ,Gigaliner‘ spruchreif wurde." Brieftauben können bis zu 1000 Kilometer fliegen, mit 80 Stundenkilometern. ufa