6. Demo in Plauen: Stopp der Waffenexporte gefordert

"Wir sind Deutschland" (WsD) rief am Sonntag zur sechsten Demo auf den Plauener Altmarkt auf. Der war prall voll. Die Menschen standen bis in die Nebenstraßen. Die Stimmung, war ruhig, besonnen und vielen Gedanken der Redner zustimmend.

Plauen - Noch einmal stellte WsD-Mitbegründer Michael Oheim zu Beginn klar, dass zur Demonstration unter anderem keine Fahnen, Plakate oder Spruchbänder zugelassen sind. Und, dass die Redner nicht die Meinung der WsD widerspiegeln. Er freue sich zudem, dass eine erste Veranstaltung nach Plauener Vorbild am Wochenende in Schwarzenberg stattfand.

Moderator der Veranstaltung in Plauen war erneut Gunnar Gemeinhardt, der auf aktuelle Berichte der Medien reflektierte. So kritisierte er einen Beitrag im Vogtland-Anzeiger, bei dem aus Sicht des Aktionsbündnisses "Vogtland gegen Rechts", die WsD einer politischen Richtung zugeordnet werde. Gemeinhardt habe über das Bündnis im Internet nichts gefunden, sagt er. Er und die Redner hier haben einen Namen und stehen hier in eigener Person, regt er zum Nachdenken an. Gemeinhardt danke Roberto Rink, Chef der DSU im Vogtland, bei der Finanzierung von Flyern im Zuge der Gründung einer neuen Partei.

Nächster Redner war Dirk Spengler, der bereits zum dritten Mal das Wort ergriff. Dieses Mal sprach er über Frieden und fordert ein Stopp der Waffenexporte. Sicher würden dadurch Arbeitsplätze gefährdet und Firmen Umsatzeinbusen haben. Doch auf Grund der Sanktionen gegen Russland werde der Wirtschaft noch viel mehr Schaden zugefügt, 100 Milliarden Euro, so Spengler. Außerdem würden mehr als 460.000 Menschen ihre Arbeit verlieren. Mit einem Stopp der Waffenlieferungen bekämpfe man außerdem Flüchtlingsursachen.

Spengler rief auf, nicht nur Kritikpunkte zu nennen, sondern auch Lösungsansätze. Er fordert auf, auf Politiker zuzugehen. Nicht alle politischen Entscheidungsträger seien mit der Regierung einverstanden. "Sprecht sie an", betont er. Spengler regt an, die Petitionsrechte zu nutzen, keine Angst zu haben, die eigene Meinung zu sagen und Volksentscheide zu fordern. Und: "Lasst euch nicht spalten."

Jüngster Redner des Abends war der 16-jährige Paul Richter aus Plauen. Seine Sorgen und Ängste brachten ihm dazu, vor das Mikrofon zu treten. Warum wird das Fach Geschichte abgeschafft, warum unterstützt der Staat seine Jugend nicht, warum brechen 70 Prozent der Lehrlinge ihre Ausbildung ab, warum hilft man nicht den Obdachlosen, warum gibt es noch immer neue und alte Bundesländer, warum stationieren die USA in Deutschland Atomsprengköpfe? Das waren nur einige Fragen, die den Schüler bewegen.

Herr Rudert widmete sein Gedicht der aktuellen Lage in Deutschland und der Welt und zog das Resümee, dass der soziale Friede im Land gestört sei, kurz vor einem Bruch stehe. Der Lengenfelder Gunter Wild, Landtagsabgeordneter der AfD in Sachsen, holte weit aus. Letztendlich mahnt er, dass die Gesetze auch von den Regierenden einzuhalten seien. Polemisch rechnete er Zahlen von Asylanten hoch, die in wenigen Jahren die Zahl der Einwohner übersteigen und stellte die Frage, wer denn das Volk gefragt habe, ob es den Euro, die Energiewende oder TTIPP wolle. Das politische System habe abgewirtschaftet, so Wild und fordert Neuwahlen.

Kurzfristig sprach ein Redner aus Heidelberg, der sich spontan nach Plauen auf den Weg machte. Er bat um Nachsicht mit den Westdeutschen, die anders groß geworden seien. "Bleibt standhaft", gab er den Anwesenden mit. Christoph Schulze ist Student der Volkswirtschaft. Auf die ihm kürzlich bei einer Demo in Erfurt gestellte Frage, ob er Angst habe, antwortete er: Ja, aber nicht vor den Asylanten, vielmehr vor der politischen Kaste. Kopflos habe man die Menschen nach Deutschland eingeladen. Er verurteilt alle Gewalt und warnt vor einem geistigen Bürgerkrieg.

Der Plauener Göran Schricker ergriff das Wort zum Thema Meinungsfreiheit. Er habe Angst, offen seine Meinung zu sagen. Viele Menschen wurden deswegen durch den Dreck gezogen, öffentlich unmöglich gemacht und pauschal in eine Ecke gestellt. Darin sehe er eine bedenkliche Entwicklung. Jörg Schneider (er hatte 1989 zur ersten Demo in Plauen aufgerufen) erinnerte an den Herbst '89. Vielen Leuten sei es heute nicht zum Feiern, vielmehr würden sie wieder auf die Straße gehen. Die Politik der etablierten Parteien habe das Interesse des Volks aus den Augen verloren. Demokratie sei kein Selbstläufer, betont Schneider.

Zu Wort kam dieses Mal auch Michael Rätz, der vor einer Woche durch Buhrufen nicht wirklich reden konnte. Es sei wichtig, sich alle Fakten anzuhören. Die Regierung habe Fakten geschaffen, die die Komunen nicht ändern können. Er sieht die Gefahr einer Radikalisierung und, dass das Vertrauen zur Politik und zu den Medien erodiert. Er warnt vor dumpfem Mechanismen wie Nazikeule oder Lügenpresse. -schin