50 Jahre Männerchöre aus Mißlareuth und Feilitzsch

Feilitzsch/Mißlareuth - Den alten vertonten Sängerspruch über die "Frankensöhne, die stolz und frei das deutsche Lied erklingen lassen", haben sie kurzerhand in "Vogtlandsöhne" umgetauft.

 

Denn seit exakt fünfzehn Jahren singen sie gemeinsam, die Männerchöre aus Mißlareuth im sächsischen Vogtland und aus Feilitzsch im bayerischen Vogtland, zu denen sich noch ein Sänger sowie der Dirigent aus dem Thüringer Vogtland gesellen.

Eine Ost-West-Chorgemeinschaft, die noch dazu drei Bundesländer in sich vereint: Ein Unikum unter deutschen Chören? Zumindest ist dem ersten Vorsitzenden des MGV 1886 Mißlareuth, Thomas Weidlich, und dem Ehrenvorsitzenden des GV 1894 Feilitzsch, Joachim Gerstner, der durch seine Arbeit für den Fränkischen Sängerbund und für musikalische Veranstaltungen in der Region schon Jahre vor der Wende Kontakte mit Ostgruppen geknüpft hat, nichts Ähnliches bekannt.   Welten prallen aufeinander   Und so sind die Sänger mit Recht stolz darauf, dass sie zu einer Art lebendigem Symbol für die Wiedervereinigung geworden sind und gleichzeitig mit dem zwanzigsten Tag des Mauerfalls ihr fünfzehntes Jubiläum als Ost-West-Chorgemeinschaft feiern können. Wie das alles angefangen hat, daran erinnert sich Dr. Maria Schubert, damalige Chorleiterin von Mißlareuth, ganz genau. Ein paar Jahre nach der Wende wurde die Pfarrersfrau und ehemalige Kreisjugendärztin von Gerstner gefragt, ob sie nicht auch den zu dieser Zeit dirigentenlosen Feilitzscher Männerchor unter ihre Fittiche nehmen könne. Sie habe sofort "Ja" gesagt und sei danach eineinhalb Jahre lang jeden Freitag zwischen Feilitzsch und Mißlareuth gependelt. "Um 20 Uhr die Feilitzscher, anschließend die Mißlareuther!"

Bis dann Erhard Hick, jetziger Vorsitzender der Feilitzscher Mannen, gemeint habe: "Machen wir?s doch anders. Wir kommen zu euch!" So ist 1994 die neue Chorgemeinschaft entstanden, die ihre Chorproben wöchentlich mal in Ost im Mißlareuther Dorfgasthaus, mal in West im Feilitzscher Landgasthaus "Frenzy" abhält und die sich inoffiziell zu gemeinsamen Geburtstagsfeiern und zu gemeinsamen Ausflügen trifft. Sie waren miteinander schon in der Sächsischen Schweiz, im Spreewald und im Harz, im fränkischen Weinland, im Bayerischen Wald und in Heidelberg.

Freilich habe man am Anfang behutsam miteinander umgehen müssen, seien da doch zwei Welten aufeinandergeprallt, bekunden sowohl Gerstner als auch Weidlich. Aber nachdem jeder den nötigen Respekt gezeigt habe, sei man relativ schnell zusammengewachsen.

Schwieriger war schon, dass man auf keine gemeinsamen Chorsätze zurückgreifen konnte. Jetzt kam Stefan Feig ins Spiel, der Maria Schubert als Dirigent nachfolgte. Mit seiner Hilfe wurden innerhalb kurzer Zeit rund 150 traditionelle und zeitgemäße Chorsätze erarbeitet, ein breit gefächertes Repertoire, so dass dieser spezielle Dreiländer-Chor in der Lage ist, bei jedem Anlass zu singen. "Und das tun sie gut und tun sie gerne", versichert Stefan Feig, der in Hirschberg an der Saale geboren wurde und sich als Kantor der evangelischen Kirche im nahen Gefell zwischen Posaunenchor, Kirchenchor und Orgel verwirklicht.

Heute sind die 35 Sänger aus Feilitzsch und Mißlareuth eine viel gefragte Chorgemeinschaft - mit bis zu 30 Auftritten im Jahr. Beim Tag der Sachsen erschallen ihre Stimmen genauso wie beim Maibaumsingen im Fränkischen; bei eigenen Veranstaltungen achten sie darauf, dass Teilnehmer aus allen drei Nachbarstaaten dabei sind.   Werben um Nachwuchs   Was wünschen sich die Multiplikatoren in Sachen länderübergreifendes Verstehen für die Zukunft? "Dass wir uns als Chor ausbauen und festigen können und weiterhin auch menschlich so prima vertragen", ist ihr gemeinsames Anliegen. Wobei sich vor allem die Feilitzscher als "die Älteren" dringend junge Nachwuchssänger wünschen. Vielleicht klappt es ja bis zum 20. Jubiläum. va