"50 3648-8" beliebtestes Fotomotiv

Am Sonntag dampfte und pfiff es wieder einmal auf den Eisenbahnstrecken im Vogtland. Die Interessengemeinschaft Traditionslok 58-3047 aus Glauchau organisiert mehrfach im Jahr diese Rundfahrten durch das Vogtland.

Von Gabi Kertscher

Plauen Das Besondere daran ist, dass die Züge ausschließlich von historischen Dampfloks gezogen werden und die Wagen ebenfalls aus der "guten alten Zeit" stammen. Die Vereinsmitglieder fahren ihre Züge mit eigenem Personal. Sie schlüpfen in Reichsbahnuniformen, die sie versuchen so detailgetreu wie möglich zu tragen. Der 1994 gegründete Verein hat seine Wurzeln in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Den etwas geheimnisvollen Namen können eigentlich nur Insider deuten. "58-3047" ist die Baureihenbezeichnung der ältesten Lok des Vereins. Sie wurde bereits 1920 in Breslau gebaut und schon 1980 zur Museumslok der Deutschen Reichsbahn. Heute steht sie als Anschauungsobjekt im Glauchauer Lokschuppen. Der Dampfzug am Wochenende wurde von der Lok 50-3648 der Chemnitzer Eisenbahnfreunde gezogen. Zwischen ihr und der Schiebelok, eine Diesellok der Baureihe 203, rollten zehn Wagen über die Gleise.
Die Karten für beide Züge des Tages waren ausverkauft, erzählte Vereinsmitglied Steffen Kluttig. Rund 400 Eisenbahnfans je Tour genossen die Reise in die Vergangenheit.
Los ging es in Falkenstein, über Zwotental, Adorf, Oelsnitz, Weischlitz und Plauen zurück nach Falkenstein. In den vier Stunden hatten die Fahrgäste die Möglichkeit, in den beiden Mitropa-Wagen kleine Imbisse und Getränke zu kaufen. Hier hatte auch Alessandro Bertino seinen Arbeitsplatz. Der gebürtige Italiener kommt aus dem Aosta-Tal und studiert in Leipzig Verkehrswissenschaften. "Es gefällt mir hier so gut und in dem Verein kann ich mein Hobby ausleben."
Irgendwann will er auch einmal den Lokführerschein machen und selbst so ein Dampfross fahren. Das sei schon als Kind sein Traum gewesen, wenn er mit seinem Großvater auf dem Bahnhof den Zügen hinterherschaute.
Zugführer Jörg Holzmüller gab über den Zugfunk Informationen zu den Strecken, Haltepunkten und Bahnhöfen. Ein Höhepunkt auf der Reise durch das verregnete Vogtland war der Stopp in Gunzen. Der Förderverein Obervogtländische Eisenbahn hatte einen kleinen Weihnachtsmarkt vorbereitet. Leider musste das Angebot auf die Versorgung mit heißen Getränken, Stollen und Wurst beschränkt werden. Der Dauerregen hatte die engagierten Vereinsmitglieder in die Schranken gewiesen. Die Männer und Frauen haben im Vorfeld wochenlang für einen sicheren Ausstieg aus den Wagen gesorgt, den Bahnsteig verlängert und befestigt. "Es ist schade, dass das Wetter so schlecht ist." Im vergangenen Jahr habe Schnee gelegen, das sei so weihnachtlich gewesen, erinnerten sich Ilse und Bernd Herzog aus Tanna. Die beiden Eisenbahnfans und Mitglieder der Thüringer Oberlandbahn waren in hisorischen Gewändern angereist. Er als Eisenbahnassistent in einer Uniform der Königlich-preußischen Bahn aus dem Jahr 1890 und sie mit Reifrock und Korb. Überall an der Strecke standen die Leute und waren auf der Pirsch nach dem besten Motiv von der Lok und dem Zug. An jedem Halt sah man einige Gesichter wieder. Auf dem Oberen Bahnhof in Plauen standen die Pufferküsser sogar zwischen den Gleisen, als der Zug das Ausfahrtsignal passierte. Zweimal fuhr der Zug seine Runde und war jedes Mal ausgebucht. Steffen Kluttig erzählte, dass für die Silvesterfahrt von Plauen nach Dresden und zurück noch einige Restplätze frei sind und gebucht werden können unter
ww.dampflok-glauchau.de