50.000 Federn für die Eule

Der Mann ist bekannt wie ein bunter Hund - und ruckzuck in einen Vogel verkleidet: Das passt zu unserem Adventsrätsel: Dort können Leser des Vogtland-Anzeigers eine Eule der Drechslerei Kuhnert aus Rothenkirchen gewinnen. Wie? Einfach mitmachen.

Von Uwe Faerber

Plauen/Zwickau Im Märchen "Kalif Storch" wird ein hochnäsiger Prinz in einen Storch verwandelt und kann nur durch die Liebe einer Prinzessin erlöst werden, die selbst im Körper einer Eule gefangen ist. "Das Märchen hatte vor sechs Jahren Premiere im Theater Plauen-Zwickau", sagt Tino Helbig, Chef des Theaterfundus.
Er lässt sich nicht lange bitten und zieht das Eulenkostüm über: Ein Jackett mit weißem Kunstfell besetzt und 50.000 Federn - von Brust und Schwanz des Goldfasans. "Es gab damals Schwierigkeiten, die Federn liefern zu lassen", erinnert sich Helbig: Mit Zuschnitt, Aufnähen und Anprobe habe es wohl eine Woche gedauert, das Kostüm herzustellen.
Helbig verwaltet 180.000 Kostüme: 80.000 in Plauen (Schauspiel, Ballett) und 100.000 in Zwickau (Oper, Operette, Musical) ins Kostüme - entworfen von Kostümbildnern, genäht von Schneidern und zusammengetragen in mehr als 100 Jahren. Nach seinen Worten bedient der Fundus nicht nur die eigenen Theaterproduktionen. "Wir helfen bei vielen Gelegenheiten: Kostüme werden an andere Theater verliehen und den MDR, wir haben den für Furore sorgenden Max-Pechstein-Film ausgestattet, der gerade Premiere hat, und erfüllen die Wünsche von Privatpersonen."
Vogtland-Theater Plauen und Theater Zwickau sind 1999 fusioniert. Der 52-jährige Helbig stammt aus Chemnitz und leitet den Fundus seit 2001 - ohne einschlägige Ausbildung. Doch er hat schlagende Argumente im Lebenslauf vorzuweisen: Nach der Zootechniker-Lehre studiert er an der Fachhochschule Mittweida, um dann in einer Milchviehanlage mit 2500 Rindern als Milchkontrolleur zu arbeiten. "Ich hätte gern Landschaftsarchitektur studiert - wurde nix, weil ich als Pazifist drei Jahre im Stasi-Wachregiment verweigert habe."
Helbig verlässt die Landwirtschaft, absolviert eine dreijährige Ausbildung zum Gastronomiefachwirt in Dresden und macht sich mit einer Freundin nach der Wende selbständig: "Wir haben Klamotten verkauft, Street-Wear."
Auch das Geschäft taugt nicht für alle Ewigkeit: Helbig arbeitet in einer Werbefirma und - nach einer entsprechenden Ausbildung - im sozialen Dienst.
Das reicht um Leiter eines Kostümfundus zu werden? Ein Ereignis habe die letzten Zweifel beseitigt: "Überzeugt habe ich als lustiger Weihnachtsmannkäfer in Vertretung eines verhinderten Weihnachtsmannes."
Helbig bezeichnet sich als unabhängigen Kopf, der sich auch in seiner Freizeit kreativ betätigt: "Gemalt habe ich immer, auch bildhauerisch bin ich tätig. Ich arbeite in Künstlergruppen mit, habe Ausstellungen und bin stolz auf ,Zwickau zeigt Herz‘."
Diese Initiative für Respekt und Toleranz habe er vor fünf Jahren gegründet: als Beitrag, die Zivilgesellschaft zu stärken, als Zeichen gegen Fackel tragende Neo-Nazis, als Ermutigung, sich gesellschaftlichen Brandstiftern in den Weg zu stellen.
Am morgigen Sonntag, 15. Dezember, 15 Uhr, lädt die Initiative in Zwickau wieder ein zum Lichttel-Umzug - ab Katharinenkirche. "Vor der Hochschulbibliothek findet dann das Weihnachtsliedersingen statt und es treten Künstler auf wie Banda Internationale, eine jüdische Sängerin und ein finnischer Künstler - alles ehrenamtlich.
Ach so, fast vergessen: Helbig unterstützt nach eigenem Bekunden auch das SOS-Kinderdorf in Zwickau und er spielt den Weihnachtsmann auf einer Feier für benachteiligte Kinder.

Kalenderblatt 14

Wie viele Rinder zählte die Anlage, in der Tino Helbig als Milchkontrolleur gearbeitet hat? Wenn Sie die Antwort wissen, schreiben Sie uns die Antwort auf eine Postkarte und senden sie an: Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen, senden sie uns per Mail unter redaktion@vogtland-anzeiger.de oder antworten Sie uns unter dem Beitrag auf unserer Facebook-Seite. Einsendeschluss: 18. Dezember.
Das Lösungswort von Kalenderblatt l10 autet: Roster, Sauerkraut, Kartoffeln und Selleriekompott. Gewonnen hat Romy Paaxi aus Falkenstein und kann die Gewinnereule in der Redaktion abholen.