30 Monate Großbaustelle im Zentrum

Es werde ein Jahrhundertprojekt für Plauen, freut sich Bürgermeister Steffen Zenner über den Ersatzneubau der Elsterbrücke - wohlgemerkt, wenn er realisiert ist. Bis dahin wird auch er wie viele andere Autofahrer manchen Schweißtropfen im Stau vergießen, denn die Baumaßnahme zieht sich über 30 Monate hin: bis ins Jahr 2024.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Es geht um nicht mehr und nicht weniger als den Ersatzneubau der Neuen Elsterbrücke, des Mühlgrabens und der Syraüberdeckung. Eine Maßnahme, die günstigstenfalls nicht nur zweieinhalb Jahre Bauzeit in Anspruch nimmt, sondern - die ebenfalls optimistische Prognose - 13 Millionen Euro kosten wird. Rechnet man den Umbau des Gleisdreiecks hinzu, 15 Millionen. 90 Prozent der Kosten könnten gefördert werden.
30 Monate Nadelöhr
Die Fachleute unter den Stadträten im Stadtbau- und Umweltausschuss waren beim Vortrag von Gerhard Setzpfandt vom gleichnamigen Büro Beratender Ingenieure aus Weimar in ihrem Element, ging es doch bereits bei der ersten Vorstellung des Mammutprojekts um zahlreiche technische Details. Zunächst beschrieb Setzpfandt den Ist-Zustand, wonach besagte Brücke innen beschädigt sei, was dazu führt, dass ihre Standsicherheit auf Dauer nicht gewährleistet werden kann. Im Überbau der neuen Elsterbrücke, so der Ingenieur, seien Spannstähle verbaut, die zur Korrosion neigen.
Während die Planung seit 2018 läuft, soll nun ab 2022 mit dem Bau begonnnen werden. Ein erster Abschnitt wird sich - abhängig vom tatsächlichen Bauzustand er Brücke - über 18 Monate erstrecken, ein zweiter über ein weiteres Jahr. Im ersten Abschnitt wird die Brücke zu zwei Dritteln abgebrochen, die Straßenbahn fährt auf einem Behelfsgleis. Oder anders gesagt: Das umweltfreundlichste Verkehrsmittel Plauens wird während der gesamten Baumaßnahme verkehren, und auch am Gleisabstand werde sich nach Fertigstellung der Baumaßnahme nichts ändern.
Für die Fußgänger wird eine Baustellenampel an der Alten Elsterbrücke errichtet - und für Autofahrer wird es quasi in doppelter Hinsicht eng. Setzpfandt avisierte eine weiträumige Umleitung über die Reichenbacher-, die Hammer- und die Stresemannstraße.
Oder um es mit den Worten von Bürgermeister Zenner zu sagen: "Wir bekommen eine Großbaustelle, die alle Nutzer deutlich einschränkt."
Die Straßenbahn wird die Brücke weiterhin mittig befahren, eine Verbreiterung des Gleisbereiches ist weder auf der Brücke selbst, noch auf der Syrastraße aus Kostengründen vorgesehen. Die Nachtbusse halten wie bisher am rechten Fahrbahnrand.
Syra bleibt unterirdisch
Im zweiten Bauabschnitt wird die Straßenbahn aus ihrer Behelfstrasse wieder in ihre ursprüngliche zurückverlegt und fährt dann bereits wieder zweigleisig über den schon fertiggestellten Brückenabschnitt.
Gleichzeitig wird die Mühlgraben- und Syraüberdeckung erneuert. Letztere wurde zwar vor Jahren bereits teilweise erneuert, ist aber inzwischen erneut sanierungsbedürftig. Die ursprüngliche Idee, die Syra auf dem Neustadtplatz offenzulegen, sei Setzpfandt zufolge verworfen wurden. Zum einen, weil damit rund ein Drittel des Neustadtplatzes entfallen wäre, zum anderen, weil die Syra in fünf Meter Tiefe eher spärlich vor sich hinfließt, mithin also kaum wahrgenommen würde. Die Syraüberdeckung auf knapp 160 Meter entspreche in ihrer Tragfähigkeit der einer neuen Autobahnbrücke, sagte der Ingenieur auf Nachfrage.
Die Pläne hinsichtlich der Kreuzung Syrastraße/Komturhof/Hammerstraße nahmen auch in der sich anschließenden Diskussion breiten Raum ein. Zwar würde sich ein Kreisverkehr anbieten, allerdings müsse diesen Kreisverkehr auch die Straßenbahn passieren, wodurch der "Kreisel" an Wirksamkeit verlieren würde. Zudem geriete er mit 40 Metern Durchmesser auch recht groß. Daher, so der Planer, habe man diese Variante nicht weiter verfolgt.
"Herzstück der Stadt"
Als Herzstück und Eingangstor zur Stadt bezeichnete SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch den Bereich. Allerdings machte er darauf aufmerksam, dass die Planungen auch eine Reduzierung des regelmäßigen Staus auf der Hofwiesenstraße vom Komturhof kommend in alle Abbiegerichtungen beinhalten sollten. Eine Verlängerung der Spuren sei baulich sicher kein Problem und könne in die noch folgenden verkehrstechnischen Untersuchungen einbezogen werden, avisierte Setzpfandt.
Straba mag kein Grün
Nicht ganz so konform äußerte sich der Sachkundige Bürger Dieter Rappenhöner. Es sei anfangs nicht so gedacht gewesen, dass zwar erneuert wird, am Ende aber alles so bleibe wie es ist. Es sei beispielsweise nicht notwendig, stadteinwärts weiterhin zwei Spuren anzubieten. Zudem sei auch die Offenlegung der Syra am Tunnel - jetzt nicht mehr in der Planung - vom Stadtrat 2010 beschlossen worden. Ebenfalls noch nicht vom Tisch sei für ihn das Thema Kreisverkehr. Rappenhöner mahnte, in den 30 Monaten Bauzeit "möglichst wenig Schaden anzurichten" und bezog sich damit auf die geplanten Umleitungen, die auch einen steigenden Verkehr über den Altmarkt zur Folge hätten. Hinsichtlich der Offenlegung der Syra verwies Setzpfandt auf eine deutlich verlängerte Bauzeit.
Gewissermaßen schon jetzt - von unerwarteter Seite - erfuhr Rappenhöners Forderung nach einem Grüngleis eine Abfuhr. Dies möge die Plauener Straßenbahn GmbH nicht, ward ihm beschieden. Eine Pflanzung wie unterhalb der Stadt-Galerie sei dagegen denkbar. Stubenrauch verwies abschließend auf eine moderne Beleuchtung der Elsterbrücke.
Auch diesen Wunsch werde er in die weiteren Planungen einbeziehen, versprach Setzpfandt.