30 Jahre in die Tube gepresst

Seit 30 Jahren werden Tuben in Pausa hergestellt. Die Chefinne und Chefs der Linhardt GmbH feierten mit ihren Mitarbeitern dasJubiläum und verraten: Pausa war eigentlich als Standort nicht erste Wahl.

Von Jochen Pohlink

Pausa "Heute ist ein Tag, an dem wir voller Stolz feiern können. 30 Jahre Linhardt in Pausa, eine Erfolgsgeschichte", eröffnete die Werkleiterin Julia Schröder die Veranstaltung für die Mitarbeiter und deren Gäste am Freitagnachmittag. Johannes Schick, Geschäftsführer der in Viechtach (Oberpfalz) ansässigen Linhardt GmbH & Co. KG, war nach Pausa gekommen, um der Belegschaft zu gratulieren und für ihren Einsatz zu danken: "Pausa war eigentlich nicht die "erste Wahl". Der einzige Tubenhersteller der DDR hatte seinen Sitz in Wasungen und stand zunächst obenan. "Aber dann wurde dieser Betrieb verkauft und wir entdeckten unsere Liebe im Komplex des ehemaligen VEB Wäscheunion." Heute könne man sehen, was aus der Entscheidung geworden sei, weist Schick auf die Produktion von jährlich 350.000.000 Tuben hin. Damit gehöre man zu den Top 5 in Europa. Das sei allen 292 Mitarbeitern zu danken, die sich täglich mit neuem Schwung an die Arbeit macheten, lobt der Geschäftsführer.
Er erinnerte an den Anfang: Am 18. März 1991 war die Geburtsstunde der ersten Tube. Bis 2010 wurden 100 Millionen Jahresproduktion auf fünf Linien im Dreischichtsystem erzeugt und die Menge wuchs jährlich. Der zwischenzeitliche Start in die Mulitflexproduktion erfolgte 2012 und Linhardt hat sich 2021 von dieser Produktion aus Umwelt- und logistischen Gründen getrennt. Schick machte kein Geheimnis daraus, dass der Ausstoß in zwei, drei Jahren um weitere 100 Millionen Tuben in reiner Aluminiumproduktion anwachsen soll. "Das einzige Manko dabei sind fehlende Arbeitskräfte und vor allem Lehrlinge, die wir zu festen Betriebsmitgliedern ausbilden wollen", stellte Schick fest. Seinen Grußworten schlossen sich Sebastian Leu, einer der Gesellschafter des Unternehmens, und Bürgermeister Michael Pohl an.
Nach 30 Jahren ununterbrochener Tätigkeit sind noch zwölf Beschäftigte der ersten Stunde im Betrieb. Karina Ludwig aus Langenwolschendorf erinnert sich: "Die geplante Einarbeitung lief problemlos, bis man bemerkte, dass zwei Packerinnen zum Anlauf nicht ausreichen. Da klingelte spätabends das Telefon und am nächsten Tag befand ich mich schon in Viechtach, um das Notwendige zu erlernen. Nach 17 Jahren als Packerin wurde ich stellvertretende Abteilungsleiterin und seit geraumer Zeit als Abteilungsleiterin des Dienstleistungsteams für so ziemlich alles verantwortlich, was zur Aufrechterhaltung der Produktion nötig ist."
Ähnlich sieht es Uwe Scherf aus Pausa, der damals tatsächlich die erste Tube in die Hand nahm: "Als gelernter Instandhaltungsmechaniker in der Wäscheunion wurde ich erst einmal Schlosser bei Linhardt, der Weg führte über den Instandhaltungstechniker in der Produktion zu einem der drei Produktionstechniker, die für den reibungslosen Produktionsprozess verantwortlich sind." Beide Mitarbeiter fühlen sich nach eigenem Bekunden im Unternehmen gut untergebracht und sind in gewissem Maße auch Träger der Entwicklung. "Ohne Einschränkungen können wir feststellen, dass das Betriebsklima sich sehr zum progressiv Positiven entwickelt hat. Dazu tragen auch die sozialen Leistungen bei, die nicht nur im Urlaubs- und Weihnachtsgeld bestehen, sondern bis in Zuschüsse für Kitas und Sportvereine hineinreichen." Indessen herrschte rundum richtige Festtagsstimmung bei Rostern, Steaks, Getränken und Musik. Im Zelt boten der KSV-Pausa, die Tanzgruppe KESS aus Zeulenroda und eine Voltigiervorführung des JPSV Pahren Ausschnitte aus ihrer Tätigkeit und im Freigelände gab es weitere Aktivitäten, die von den Besuchern gern angenommen wurden. Zur Führung durch die Produktion hatte die Firma zwei Linien der Tubenproduktion im Betrieb, der ansonsten für zwei Schichten ruhte, Mitarbeiter angestellt, die den Gästen den Durchlauf von der unscheinbaren Ronde bis zur auslieferungsfähigen Tube erklärten.