30 Autoren und 900 Jahre Plauen

Bereits jetzt kann es zum Vorzugspreis von 29 Euro bestellt werden: das Buch Plauen 900, das "gründlich recherchiert und reich bebildert" einen gewichtigen Beitrag zum Stadtjubiläum im nächsten Jahr bildet. Samstag wurde es vorgestellt.

Plauen Schon das Titelbild ist eine Augenweide: Zu sehen ist die untere Bahnhofstraße Plauens in den Dreißigerjahren; gemalt 1938 von Kunstschullehrer Kurt Geipel, der sechs Jahre später, 42-jährig, in einer Schlacht im Rhonetal fallen wird.
Sein Ölbild zeigt Plauen großstädtisch. Mit wimmelnden Menschen, Autoverkehr, dem riesigen Turm des neuen Rathauses als dunklem Blickfang, zwei Straßenbahnen, viel Leuchtreklame, hellen Schaufenstern und alles gehüllt in eine abendliche, leicht geheimnisvolle Stimmung.
Die Idee zum Buchprojekt hatten schon früh fünf geschichtsorientierte Vereine in Plauen. Bereits seit 2015 haben insgesamt über 30 Autoren an dem Buch gearbeitet. Bekannte und profunde Kenner der Stadtgeschichte oder bestimmter Schwerpunkte. Neben Andreas Krone und Clemens Uhlig, die am Samstag im Livestream das Buch vorstellten, sind das zum Beispiel Frank Weiß, Gabriele Buchner und Katrin Färber.
Auch Gerd Kramer und Ina Schaller trugen Verantwortung. Autoren waren neben anderen auch Gerd Naumann, Waltraud Schmidt und Andreas Stephan. Andreas Krone stellte das Kapitel von 1905 bis 1945 der Stadtgeschichte, wie sie im Buch dargestellt wird, vor. Es sei ein gewaltiger Schritt gewesen, den Plauen von der Kleinstadt des Jahres 1871 (mit 20 000 Einwohnern) in vierzig Jahren zur Großstadt mit 120.000 Bewohnerinnen und Bewohnern gemacht habe. In der Zeit entstanden in Plauen das repräsentative Stadttheater, das Krankenhaus, begonnen wurde der Bau des neuen Rathauses, errichtet wurde die Steinbogenbrücke über die Syra, mit 90 Metern eine der größten steinernen Brückenbogen weltweit. Die Straßenbahn fuhr, und alles war letztlich einer rasanten Industrialisierung zu verdanken. Allein in der VOMAG arbeiteten 2000 Beschäftigte. 1912 warteten zwölf Kinos auf Publikum, gab das Theater 200 Vorstellungen pro Saison und 620 Vereine erfreuten sich großer Beliebtheit.
Dann der Einbruch. Erster Weltkrieg, Monoindustrie, um nur einige Stichworte zu nennen. Dies steigerte sich bis zur Weltwirtschaftskrise, und 1933 habe Plauen die höchste Arbeitslosenquote im Deutschen Reich gehabt. All das beförderte den Aufstieg der NSDAP, auch in Plauen, führte nach zwölf Jahren zur fast völligen Zerstörung der Stadt am Ende des zweiten Weltkrieges.
Hier schloss Clemens Uhlig an, der sich der Zeit von 1945 bis ins Jahr 1990 im Buch widmete. Zwar scheiterte hier bei der Übertragung die Technik und die Synchronität ging verloren, aber man konnte natürlich hören, was er ausführte. Auch anhand von Fotos zeigte er die Mühen der Enttrümmerung und des Neuaufbaus. Zu sehen war der Tunnel, als noch Reste des Cafés Trömel existierten, die vom Volksmund respektlos Pferdestall genannt wurden (und wo die erste HO eingerichtet wurde mit astronomischen Preisen für eine Bockwurst oder ein Stück Buttercremtorte). Gezeigt wurde eine Schmalfilmsequenz, die die beschädigte Johanniskirche zeigte, wo 922 alles begann. Gefilmt hatte Pfarrer Weidenkaff. Zu erwähnen auch ein historisches Foto von keinem Geringerem als Walter Ballhause. Zu sehen ist die vom Tunnel fotografierte rechte Seite der unteren Bahnhofstraße mit viel Verkehr und im nüchternen Schwarz-weiß.
Das Buch, Plauen 900, hat keinen geringeren Anspruch als sich mit der Geschichte der Stadt zu befassen "von Anfängen bis in die Gegenwart", auf 500 Seiten und mit etwa 320 Abbildungen. Herausgeber ist die Stadt Plauen. Offiziell wird es am 2. November dieses Jahres erscheinen; ab sofort ist es für den Subskriptionspreis von 29 Euro zu haben, der bis 1. November gilt. Dann kostet das Buch (ISBN 978-3-95498-626-2) 38 Euro. Lutz Behrens