2011 "Emil und die Detektive" im Parktheater Plauen

Plauen - Reisten sie im Vorjahr noch aus verschiedenen Teilen der Republik an, um den Spielplan der aktuellen Saison des Theaters Plauen Zwickau unter dem zunächst leicht irritierendem Motto "anders leben" vorzustellen, so sind sie mittlerweile angekommen in doppeltem Sinne. "Wir haben Wurzeln geschlagen" "Wir haben Wurzeln geschlagen, sind eingewoben in die Struktur der Städte Plauen und Zwickau, samt ihrer Probleme", formulierte es Generalintendant Roland May zum gestrigen Pressegespräch und sprach dabei auch im Namen seiner Sparten-Chefs. Sie alle, die alten und neuen Ensemblemitglieder seien künstlerische Prozesse durchlaufen, befänden sich in einem permanenten Prozess des Analysierens. Die einzelnen Ensembles, so May, hätten sehr schnell zu sich selbst gefunden, was wohl auch dem hiesigen Publikum zu danken sei.

 

"Wir waren sehr überrascht von dessen großer Neugier, der Offenheit gegenüber neuen Stücken, die teils mit Bravo-Rufen bedacht wurden", verteilte der "General" verbale Streicheleinheiten an die Adressaten künstlerischer Anstrengungen. Denn künstlerischer und medialer Erfolg müsse immer münden in einen Erfolg beim Publikum, weiß der erfahrene Theatermann, den eingangs auch die Sorge um die künftige Finanzierung von Theater generell umtrieb. Zuschauerquoten zum alleinigen Maßstab zu machen kontakariere den Bildungsauftrag von Kunst, warnte May.

Nun, nach "anders leben" die neue Spielzeit unter dem Motto "egoland?" Auch dies ein zweifellos gut überlegtes Credo, das es nichtsdestoweniger begrifflich und inhaltlich "rüberzubringen" gilt. Es gehe um die Rolle des Einzelnen im Spannungsfeld der Gruppendynamik, einen Komplex, den man inhaltlich auf mannigfaltige Weise zu unterfüttern bestrebt sei. Musiktheater Im Anschluss bot sich den Sparten-Leitern Gelegenheit, die für die Spielzeit 2010/2011 vorgesehenen Inszenierungen vorzustellen. Für den Bereich des Musiktheaters avisierte Operndirektor Stefan Bausch die Strauß-Operette "Die Fledermaus" als erste Premiere für das Vogtlandtheater. Im Januar 2011 öffnet sich der Vorhang für die Verdi-Oper "Ein Maskenball", gesungen in italienischer Originalsprache. In diesen "Politthriller", wie Bausch formulierte, sei das ganze neunköpfige Opernensemble eingebunden.

 

Ebenso auf dem Spielplan zu finden ist der lange nicht gespielte "Don Giovanni" aus Mozarts Feder, das weltweit seit 40 Jahren erfolgreich gespielte Musical "Sweet Charity", die von Ralph Benatzky 1929 noch vor dem legendären "Weißen Rössl" komponierten "Drei Musketiere" in der Kulisse des Parktheaters sowie drei Kurzopern unter dem Titel "Drei Wasserspiele". Ausdrücklich aufmerksam machte Bausch auf die auch an Kinder- und Jugendeinrichtungen gespielte Oper "Der singende Koffer" und die eigens für Kinder komponierte Oper "Die versunkene Stadt". Und auch dies darf als Novum formuliert werden: Das noch engere Zusammenwirken von Musik- und Tanztheater, auf dessen Neuinszenierungen Torsten Händler aufmerksam machte. Tanztheater "Bernarda Albas Haus", eines seiner ersten Handlungsballette, sei nun auch im hiesigen Theater zu sehen, avisierte Händler. Um Musikcollagen verschiedener Komponisten, in deren Mittelpunkt spanische Gitarrenmusik steht, geht es, machte der Ballettdirektor schon mal neugierig. Zusammen mit dem Philharmonischen Orchester werde man "Drei Welten" realisieren - dies noch der Arbeitstitel für Musik von Ravel, Debussy, Adams und Strawinsky. Richtung Unterhaltung gehe das Tanzstück "Ein bisschen tot - Ein James Bond Spektakel", in dem ein Instrument namens Tenorion eine wichtige Rolle spiele. Ebenfalls in die neue Saison mitgenommen werde "Love Song Letters" und "Cinderella". Für die 14 Tänzer ein umfangreiches Programm, resümierte Händler. Schauspiel Mit kurzen Inhaltsangaben der in ihrer Verantwortung liegenden Inszenierungen machte Schauspiel-Chefin Brigitte Ostermann Appetit auf die kommende Saison. Bereits für den September dieses Jahres avisierte sie "Schneemond", die erste Regiearbeit Roland Mays an neuer Wirkujngsstätte. Noch im gleichen Monat "Clavigo", das Goethesche Trauerspiel. Den Arbeitstitel "Kleine Komödie" trägt das Stück von Ex-Intendant Dieter Roth, der im folgenden Jahr seinen 70. Geburtstag feiert. Ebenfalls noch in diesem Jahr - im November - Premiere haben wird das Schauspiel "Lolita" und die Komödie "Harry und Sally". 2011 darf sich das Publikum auf das Jugendstück "Die fetten Jahre sind vorbei", auf von Horvaths "Glaube, Liebe, Hoffnung, das Experimentalstück "Trailer für die nahe Zukunft", auf Brechts "Dreigroschenoper" und Kästners "Emil und die Detektive" im Parktheater freuen. Sinfoniekonzerte Eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne zu schaffen und das Publikum dabei nicht zu "überrennen", versprach der vor wenigen Tagen verpflichtete neue Generalmusikdirektor Lutz de Veer, der vor seiner künftigen Plauener Zeit neun Jahre in Hannover wirkte. Er selbst verstehe sich als "Dirigent zum Anfassen" und avisierte, diesbezüglich auch viel für das jugendliche Publikum zu tun. De Veer, der sich scherzhaft als mit "allen Wassern geschaffen" bezeichnete, stellte acht Konzerte für die neue Saison vor. Fünf davon wird er selbst dirigieren, für drei weitere gelang es ihm, hochkarätige Kollegen zu verpflichten. Puppentheater Auf die Inszenierungen des Puppentheaters machte ein ebenfalls "neues Gesicht" aufmerksam: Matthias Thieme, 1976 in Erfurt geboren, und von "Haus aus" Regisseur. Das kleinste Ensemble des Hauses lässt sechs Mal die Puppen tanzen, unter solch geheimnisvollen Titeln wie "Mona und der ?Monsteraffe", "Jeda, der Schneemann" oder "Sultan und Kotzbrocken". Das diesjährige Weihnachtsmärchen kommt übrigens gestiefelt daher: Der Grimmsche "Gestiefelte Kater" wird die jüngsten Zuschauer in der Vorweihnachtszeit begeistern. "Egoland?" bestimmt inhaltlich die neue Spielzeit. Hinter dem Fragezeichen wird es sicher noch zahlreiche künstlerische Ausrufezeichen zu setzen geben. Das Publikum darf gespannt sein.

 

Von Torsten Piontkowski