2000-jährige Geschichte aufgepeppt

Krippenspiele gehören zu den am besten besuchten Veranstaltungen in den Kirchen. Jedes Jahr strömen die Gläubigen in die Gotteshäuser, um sich auf das Weihnachtsfest einzustimmen.

Von Gabi Kertscher

Plauen Am diesjährigen Heiligabend war die Versöhnungskirche in Plauen Ziel von rund eintausend Christen. "Entschuldigen Sie, dass unsere Kirche so klein ist", bat Pfarrer Hartmut Stief die Christen bereits bei der Uraufführung am Nachmittag um "Vergebung".
In zwei Aufführungen wurde das Musical "Willkommen - Marias Weg zur Krippe" gezeigt. Bereits vor einem Jahr sei die Idee entstanden, ließ der musikalische Leiter Jakob Kreisig wissen. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Geschichte aus der Sicht von Maria erzählt wird.
"Für mich war es eine schöne Herausforderung", so der angehende Lehrer für Musik und Religion. Er habe zwar schon komponiert, aber niemals in dieser Größenordnung. Die Texte zu dem 50-Minuten Stück schrieb Simon Joneit. Er hielt auch die Fäden während den Proben in den Händen und übernahm das Design des Bühnenbildes.
"Ohne die vielen Helfer hinter der Bühne an der Technik und der Ausstattung wäre die Aufführung nicht möglich", lobte Simon Joneit die zahlreichen Akteure.
Die Geschichte um die Geburt von Jesus kennt wahrscheinlich fast jeder. Sie wird in den Kindergärten und Schulen besprochen und diskutiert. Aber wie erging es Maria, als sie feststellte, dass sie schwanger war? "Man, ich bin doch noch Jungfrau!", rief die Darstellerin Marie-Louis Georgi. Die junge Frau überzeugte die Zuschauer mit Gesang und Textsicherheit.
Die Autoren haben das romantische Bild von der jungen Jüdin etwas aufgebrochen. Wie muss es wirklich gewesen sein? Maria - verlobt, mit gutem Stand in der Gesellschaft, ist plötzlich schwanger. Nicht einmal Josef (Marco Mädler) glaubte noch an ihre Jungfräulichkeit, er verstößt sie. Erst auf dem Weg nach Bethlehem kommen sich die beiden wieder näher.
Drei Hirten werden in der Nacht durch ein grelles Licht geweckt und machen sich ebenfalls auf den Weg. Maxim Keller, Louis Greiner und Florian Bauer spielen überzeugend ihre Angst und dank flotter Sprüche sorgen sie für einige Lacher unter den Zuschauern. Kurze Zwischenspiele der Kinder und kleine Rollen, wie die eines Trinkers an einer Hauswand, machen das Stück abwechslungsreich und sorgen für menschliche und fast zeitnahe Szenen.
Kurz vor der Geburt, die Wehen haben bereits eingesetzt, findet das Paar eine Unterkunft im Stall. Laute Schmerzensschreie verkünden die Ankunft des Messias und das Tor des Stalls geht auf. Die hell angeleuchtete Marie sitzt mit dem kleinen Jesus im Arm und präsentiert ihn Josef, den Hirten und allen Christen.
Das Stück war ein großer Erfolg. Mit flotten Sprüchen und modernen Rhythmen haben Simon Joneit und Jakob Kreisig die über 2000 Jahre alte Geschichte aufgegriffen und einmal aus einem ganz anderen Sichtwinkel betrachtet. Sie wäre es wert, öfter aufgeführt zu werden. Aber es ist eben nur einmal im Jahr Heiligabend und Krippenspielzeit.