20 Jahre Theaterförderverein Plauen

Komischerweise können sich viele, die an länger zurückliegenden Ereignissen teilnahmen, noch heute an das damals herrschende Wetter erinnern. Anders im Falle der Protagonisten und Gründungsmitglieder des Plauener Theaterfördervereins, der gestern vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben wurde.

Plauen - Um die Jubiläumsveranstaltung nicht zu versäumen, hätten einige Plauener noch im letzten Moment den Antrag zur Aufnahme in den Theaterförderverein gestellt, schmunzelt dessen Vorsitzender, Dr. Lutz Behrens. Denn dass diese gestern Abend auf der Kleinen Bühne zum Event geraten würde, stand von vornherein fest. Der Idee des Alt-Intendanten des Vogtlandtheaters Dieter Roth folgend, hatten für die nur Mitgliedern des Fördervereins vorbehaltene Veranstaltung zahlreiche ehemalige Künstler des Theaters ihr Kommen avisiert - über Jahrzehnte hinweg beliebte und umjubelte Schauspieler, Sänger, Tänzer, Dramaturgen.

Einmalig in Deutschland

Doch zunächst nutzte das Leitungsgremium am gestrigen Vormittag die Gelegenheit, in einem Pressegespräch an die Anfänge, aber auch das künftige Wirken des Fördervereins zu erinnern. Dabei schmorten sie keineswegs im eigenen Saft oder angesichts der Temperaturen im eigenen Schweiß, sondern hatten auch Persönlichkeiten eingeladen, die eng mit der Entstehung und den ersten Jahren des Fördervereins verbunden waren und bis heute sind.

Aus krummen Daten könne durchaus eine runde Sache werden, nahm Behrens eingangs launig Bezug auf die Gründung des Vereins am 23. August 1991. Zwei Jahrzehnte sind seither vergangen, in denen sich das Gremium zu einer Institution entwickelte, von der der gegenwärtige Generalintendant des Theaters Plauen-Zwickau, der gestern durch Proben verhinderte Roland May, sagte, dieser Förderverein sei einmalig in Deutschland.

Eine Möglichkeit, den Jahrestag Revue passieren zu lassen, wäre die Auflistung von Erfolgen und Problemen, Zahlen und Fakten gewesen. Das Vereins-Gremium wählte die interessantere, im Wortsinne menschlichere. Eingeladen, in ihren Erinnerungen zu "kramen", waren Akteure der ersten Stunde, die sich für die Bildung und das Fortbestehen des Fördervereins engagiert hatten, wenngleich aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus.

Er habe in Kisten und Kästen nach erhalten gebliebenen Gründungsprotokollen oder auf der "Mechanischen" getippten Einladungen gesucht, sei aber nicht fündig geworden, begann der Herausgeber des Vogtland-Anzeigers, Wilfried Hub, seine Reminiszenz an jene Zeit, in der er als Verantwortlicher Lokalredakteur der Freien Presse in Plauen arbeitete. Aus der Pfalz kommend, habe er Plauen schon Anfang Januar 1991 kennen- und schnell auch lieben gelernt.

Theater braucht Partner

Was aber tut man, wenn man in einer Stadt erst mal fremd ist und ein Faible für Kultur hat? Man setzt sich ins Theater, drei- vier Mal wöchentlich. Und manchmal sind die da oben denen da unten eindeutig in der Überzahl. Hub erkennt schnell - das Theater muss gepusht werden, wie man heute sagen würde. Mittels Marketingaktivitäten und eines Bündnisses im Geiste zwischen Akteuren und deren wichtigstem Gut, den Besuchern. Der "Trick": Besucher bringen wieder andere Besucher mit. Und Hub weiß auch: Das Theater muss von außen unterstützt werden, je größer der Wirbel desto schlechter die Chancen für die, die es kaputt machen wollen. Dazu braucht es prominente Befürworter - in Person des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Rolf Magerkord, selbst Kulturenthusiast, ist der schnell gefunden. Vereinfacht gesagt, der Gründung eines Theaterfördervereins stand nichts mehr im Wege. Der habe den Grundstein gelegt für die gute Zukunft des Theaters, ist Hub, damals Geschäftsührer des Vereins, überzeugt.

Fusion war wichtiger Schritt

Erinnerungen an die ersten Gespräche mit Hub verbindet Alt-Oberbürgermeister Dr. Rolf Magerkord mit zwei Gedichtbändchen die der "Zeitungsmacher" ihm damals geschenkt habe. Und fügt Erstaunliches an: "Das Theater war für mich das Schwierigste, was ich je zu bewältigen hatte." Die Fusion mit dem Theater in Zwickau sei sehr wichtig gewesen, ist er noch heute überzeugt, wohingegen ein gemeinsamer Weg mit dem Hofer Theater schon deshalb der schlechtere schien, weil damit das Plauener Orchester gefährdet gewesen wäre. Und als bekennender und bekannter kritischer Geist fügt er an, die Theaterzeitung veröffentliche mittlerweile mehr Bilder von ihm als die Tagespresse während seiner Zeit als OB. Gekonnter Seitenhieb des aktuellen Fördervereinsvorsitzenden: "Wir wären froh, der heutige OB wäre Mitglied des Theaterfördervereins." Schon als Kind habe er lieber im Theater gehockt als auf dem Bolzplatz gekickt, gibt der Ehrenvorsitzende Eberhard Eisel unumwunden zu.

Sein oder Nichtsein

Und vor allem macht er auf eine fast schon Binsenweisheit aufmerksam: Das Theater war in seiner 110-jährigen Geschichte oft bedroht, wurde geplagt von Existenz- und Geldsorgen. Doch nur ständig darüber reden ohne selbst etwas für den Erhalt zu tun, das wollte Eisel nun auch nicht. "Es war eine große Ehre und ich habe keinen Moment gezögert, als ich gefragt wurde, den Vorsitz zu übernehmen - das war Ende April 1994.

Auch Eisel kann sich bestens schwieriger Jahre erinnern, die immer auch etwas mit der Fusion mit anderen Häusern zu tun hatten. "Kurz vor dessen 100. Geburtstag ging es um Sein oder Nichtsein des Theaters", erinnert er sich, und leitet daraus ein allgemein gültiges Credo ab: "Der Dialog zwischen Theater, Kommunen und Förderverein war und wird immer wichtig sein."

"Außer dem, was mir der Wilfried erzählte, hatte ich eigentlich gar keine richtige Vorstellung von der Arbeit eines Fördervereins", bekennt Ex-Intendant Klausdieter Roth, an Wilfried Hub gewandt.

Doch schnell sei aus dem vermeintlichen Stiefmütterchen ein wichtiger Partner geworden, sagt der Theatermann und verweist auf den Förderverein auch als Geldgeber, dessen Spenden aufwändige Aufführungen wie "Titanic" erst möglich machten. Denn: "Es gab immer Geldsorgen, ich kenne das nicht anders. Und immer ging es auch um die Existenz des Vierspartentheaters", fügt Roth an.

Verein ist Multiplikator

Nachdem der Schatzmeister des Fördervereins, Klaus Hlawatsch, die "finanztechnische" Situation geschildert und vor allem auf die beträchtlichen Möglichkeiten verwiesen hatte, die aus der Hans-Loewel-Stiftung erwachsen, setzte der Kaufmännische Geschäftsführer des Theaters Plauen-Zwickau, Volker Arnold, den Schlussakzent.

Auch er habe zunächst aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen, wenig Erwartungen an den in Plauen agierenden Theaterförderverein gehabt. Was er vorfand, sei nicht nur ein willkommener finanzieller Unterstützer gewesen, sondern vor allem ein Multiplikator in Sachen Publikumsgunst. Mund-zu-Mund-Propaganda sei noch immer die beste Werbung gewesen, fügt er an, um mit der vielleicht wichtigsten Aussage für alle Theaterfreunde zu schließen: Es wurde eine Lösung gefunden, das Theater in der jetzigen Struktur fortführen zu können und den Beschäftigten bis mindestens 2015 eine Perspektive zu bieten.