20 Jahre grenzenloses Grenzland im Vogtland

Es ist ruhig auf der B 173 zwischen Pirk und Großzöbern. Vor 20 Jahren war das anders: Da stauten sich die Trabis kilometerlang und verströmten ihren Duft. Heute rauscht der Verkehr gleich nebenan über die Autobahn. Schaut man sich auf der Höhe kurz vor Großzöbern um, gibt es einen wunderschönen Blick auf die Autobahnbrücke, die als "Unvollendete" über 50 Jahre lang in der Landschaft stand. Seit 1993 rollt der Verkehr auf der A 72 ungehindert über das Elstertal.

Dies ist nur eine Sequenz von der Zeitzeugen-Ausstellung "20 Jahre grenzenloses Grenzland", die am Samstag in Großzöbern eine sehr große Resonanz fand. Aus Anlass des 20. Jahrestages der Grenzöffnung an der Ullitz waren vor allem die Bewohner links und rechts des damaligen Grenzstreifens auf das Gelände am Hofladen der Agrargenossenschaft zur gemeinsamen Feier eingeladen - ein Projekt der Sächsischen Staatsregierung, der Sportgemeinschaft Großzöbern, des Vereins "Burgstein erLeben" und der Gemeinde Burgstein. Viele von "hüben und von drüben" - wie es immer noch umgangssprachlich heißt - nahmen am Sperrgebietslauf von Ullitz nach Großzöbern teil.

 

Busse brachten sie aus Hof und Plauen zum Start. Für jeglichen anderen Autoverkehr war die Strecke gesperrt. Die meisten erwanderten die siebeneinhalb Kilometer lange Strecke. Die Naturfreunde Plauen starteten 14 Uhr mit ihren Fahrrädern. Und Rolf Wamser aus dem Burgsteingebiet, der mit 69 Jahren seine Nordic-Walking-Stöcke einsetzte, war gar einer der ersten Läufer, die am Festzelt eintrafen.

Bis zur Feierstunde war dann reichlich Zeit, die Zeitzeugen-Ausstellung anzusehen. Über ein Jahr lang hatten Mitglieder des Burgstein erLeben-Vereins Material gesammelt, gesichtet, bearbeitet und zu einer einzigartigen Schau zusammengestellt. Das Burgsteingebiet war vor 20 Jahren quasi über Nacht in den Focus der Öffentlichkeit gerückt. Vereinsmitglied Andreas Zetzsche gab den Besuchern Erklärungen. Die Ausstellung wird demnächst in der Vogtlandbibliothek und in der Mittelschule Weischlitz gezeigt und dann bis zum März des kommenden Jahres als Wanderschau in den Mitgliedsgemeinden des Burgsteingebietes zu sehen sein. Um weitere Ergänzungen und Hinweise wird gebeten, die in die Ausstellung integriert werden sollen.

Um 16 Uhr begrüßte Tobias Scherzer, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Burgstein, alle Gäste zur Feierstunde, die auch von den Schalmeien aus Gefell und den Burgsteiner Jagdhornbläsern ausgestaltet wurden. Scherzer erinnerte an die Tage vor 20 Jahren, an die Öffnung des ersten Grenzübergangs auf dem Gebiet des heutigen Vogtlandkreises. Zuvor hatte der Bäckermeister ein herzliches Wiedersehen mit seinen Freunden Helga und Gerald Zimmermann aus Berg. Im Sommer 1988 hatten sie sich in Geilsdorf kennen gelernt. Tobias Scherzer war 15, als die Zimmermanns die Gegend am Kemnitzbach erkundeten und mit ihm ins Gespräch kamen. Eine Freundschaft entstand. Allerdings waren zuletzt ein paar Jahre seit der letzten Zusammenkunft vergangen. Die Feier am Samstag war ein Anlass sich wiederzusehen.

Das Wort im Festzelt ergriff auch Helmut Meißner vom Landratsamt Plauen. Er wünschte den beiden Regionen, dass das Zusammenwachsen sich weiterentwickeln möge. Ein Zeitzeuge von damals ist Erhard Hick. Bis 2002 war er Bürgermeister in Feilitzsch. Er erinnerte an die Flüchtlingszüge, die auch in Feilitzsch hielten. Er sprach von den großen Anstrengungen, einen gemeinsamen Lebensrhythmus zu finden, von den Verwaltungshilfen, die die damaligen Bürgermeister der grenznahen Gemeinden den Kollegen im Osten gaben. Kommunale Partnerschaften seien entstanden, die auch heute noch zum Beispiel zwischen Feilitzsch und Burgstein gepflegt werden. Die Versorgung der Gäste hatte die Sportgemeinschaft Großzöbern übernommen. Man saß bei Bier und Rostbratwurst zusammen und erinnerte sich in vielen Gesprächen an eine Zeit, die Geschichte schrieb.