20. Internationale Sommerakademie Plauen-Vogtland

Zum 20. Male findet die Internationale Sommerakademie Plauen-Vogtland im Weisbachschen Haus statt. Seit 1994 treffen sich in jedem Jahr junge Künstler, um mit einem renommierten Meister zu arbeiten. Im Jubiläumsjahr steht Klaus Helbig als Künstlerischer Leiter der Sommerakademie vor; er hatte sie vor 20 Jahren ins Leben gerufen und seitdem mit seiner Frau Karin zum Erfolg geführt.

Plauen - Der Erfolg der Plauener Internationalen Sommerakademie im Weisbachschen Haus besteht auch in einer bemerkenswerten Kontinuität; zumal es in den zwanzig Jahren gelang, stets hochkarätige Künstler und Meister ihres Fachs als Ideengeber und Künstlerische Leiter zu verpflichten. Hinzu kommt der Wille, jedwede provinzielle Enge zu vermeiden und mit dem Anspruch auf Internationalität höchsten Ansprüchen zu genügen. Immer war es auch erklärte Absicht, die Kunst nicht im Elfenbeinturm zu zelebrieren, sondern hinauszugehen "ins Leben", um so die Anforderungen urbaner Erfordernisse Plauens aufnehmend, um im besten Sinne einzugreifen, zu gestalten.

Nehmen wir Themen vergangener Jahre und Künstler, die beispielhaft diesem Anspruch genügten: Clauss Dietel, der einlud in "Landschaften, Zeiten, Räume" auf Spurensuche zu gehen; erinnern wir an Günter Behnisch, der Anstöße gab, um "Neues aus Altem" entstehen zu lassen oder denken wir an Marcello Morandini, der die "Metamorphose vom Gottesacker zur Kunstlandschaft" anregte. Christine Kanstinger befasste sich im vergangenen Jahr mit den "Wechselwirkungen zwischen Architektur und Textil". Die XX. Sommerakademie stellt der Plauener Formgestalter Klaus Helbig unter das Motto: "Strukturen in Fläche und Raum".

Er strebe eine enge Verbindung mit der Textilindustrie der Region an, die sich "an möglichen Realisierungsvorhaben aus den Ergebnissen dieses Kreativworkshops beteiligen" werde. Dies zeige sich auch darin, dass einige der 15 Akademieteilnehmer direkt aus der regionalen Textilindustrie kommen, dort zum Beispiel als Entwerfer arbeiten. Auch Klaus Helbig hat seine beruflichen Wurzeln in der Plauener Textilindustrie, er begann in der Plauener Spitze, studierte später auch mit Hilfe seines Betriebes. 1968 erwarb er an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle als Erster und einer der wenigen ein Diplom als Formgestalter für Textil.

In der die Sommerakademie krönenden Ausstellung, die traditionell vom Künstlerischen Leiter gestaltet wird, finden sich unter anderen frühe (und immer noch sehr sehenswerte) Arbeiten des Textilgestalters Helbig. Daneben zeigt er, was aus den Überbleibseln der Textilindustrie, deren Niedergang in Plauen ja augenfällig zu beobachten war, alles noch zu machen ist: aus mit Farbe und Schnitttechniken verfremdeten Lochkarten entstehen eigenwillige Strukturen; zu filigranen Kunstwerken werden Sticknadeln, die, ihrer puren Funktionalität enthoben, als serielle Elemente und Beispiel konkreter Kunst wieder auferstehen.

Und selbst profane Schachteln, die einst dazu bestimmt waren, als schlichte Aufbewahrung für Sticknadeln am Ende nur weggeworfen zu werden, feiern fröhliche Urständ im Kunstwerk. Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Samstag (27. Juli), 11 Uhr, im Weisbachschen Haus. Zu einem öffentlichen Vortrag wird während der Sommerakademie eingeladen. So spricht Clauss Dietel, Chemnitz, bereits am 26. Juli, 18 Uhr, im Weisbachschen Haus zum Thema "Avantgarde! Neue Materialien und Gestaltung in Ostdeutschland". Und am Samstag, 3. August, kann ab 14 Uhr die Öffentlichkeit die Arbeitsergebnisse der Sommerakademieteilnehmer in Augenschein nehmen; ab 19 Uhr feiern diese dann mit musikalischer Unterstützung der "Landluper" ihr Abschlussfest.