1955 bei Spitzenfest-Premiere dabei

60. Spitzenfest und 1955 Premiere - da passt doch etwas nicht zusammen. Doch. An den ersten Umzug erinnert sich noch eine damalige Dako-Mitarbeiterin.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Frauenbetrieb Plauener Damenkonfektion, da werden doch Mädchen zu finden sein, die in Spitzenkleidung im Festwagen zum ersten Spitzenfestumzug mitfahren können? - dachten sich die Organisatoren und starteten ihre Suche in dem über 1000 Mitarbeiter starken Konfektionsbetrieb. "Alle Lehrlinge wurden vermessen für die unterschiedlichen Konfektionsgrößen. Und da ich die entsprechende Figur hatte und ins Modellkleid passte, wurde ich ausgesucht, auf dem Festwagen mitzufahren", erzählt Marita Pestel. Die heute 77-jährige Plauenerin hatte neben ihrer Lehre als Zuschneiderin auch eine Mannequin-Ausbildung gemacht und war für ihren Betrieb bei Modenschauen auf dem Laufsteg. "Als ich dann mit 23 Jahren einen Musiker heiratete, der in einer Band mitspielte und die Frage stand, wer sein Hobby an den Nagel hängt, habe ich zugunsten meines Mannes verzichtet", sagt sie. 
 An den Festumzug damals erinnert sie sich noch gut. "Es war ein großer Umzug für diese Zeit. Und es standen viele Menschen am Straßenrand, die den Teilnehmern zujubelten. Getroffen hatten wir uns an der Herrenstraße, dann ging es die Bahnhofstraße hinauf bis hin zum Stadtpark. Wir waren sechs Mädchen auf dem Wagen. Ich hatte ein normales Kleid mit Plauener Spitze getragen, das in der Dako hergestellt wurde. Andere wurden vom Stadttheater in Rokoko und Biedermeier-Kostüme eingekleidet. Im Stadtpark haben wir dann noch eine Modenschau gezeigt, wie sie später zur Tradition wurde. Bei der Mode-Gala, die das Programm im Parktheater vor dem Feuerwerk beendete, habe ich oft mitgemacht."
Am 17. September 1955 beginnt mit der Eröffnung des 1. Spitzenfestes durch Oberbürgermeister Friedrich Sieber die Geschichte des größten Plauener Stadtfestes. Eine Woche wurde bei rund 40 Veranstaltungen im heutigen Parktheatergelände gefeiert. 
"Zwei Jahre nach dem Volksaufstand der DDR waren die Regierenden bestrebt, den Werktätigen eine Würdigung ihrer Arbeit zu zeigen und nicht nur auf die Übererfüllung der Arbeitsnormen zu setzen. Und beim Spitzenfest selbst halfen auch die vielen Kulturgruppen, die es in den Betrieben gab. Für die meisten war es eine Ehre, beim Fest vor vielen Leuten auf der Bühne stehen zu dürfen", schildert Jürgen Fritzlar, vom Spitzenfestverein. 
Nun zur Auflösung warum es dieses Jahr erst das 60. Spitzenfest gibt: 1960 und 1969 wurden die Arbeiterfestspiele in Plauen ausgetragen, deshalb fand kein Spitzenfest statt. Und von 1961 bis 1963 wurde das Parktheater mit Leistungen des Nationalen Aufbauwerkes als repräsentative Festspielstätte in Plauen errichtet. Aus diesem Grund wurde kein Spitzenfest ausgerichtet.
Und so feiern die Plauener in diesem Jahr das 60., wieder mit einer ganzen Woche wie zu DDR-Zeiten üblich. Damals wurden alle Kulturveranstaltungen der Stadt in die Festwoche gepackt.