18. Politischer Aschermittwoch in Plauen

 

Plauen - Währenddessen beim Bundeschef der FDP und Vizekanzler Guido Westerwelle ständig Aschermittwoch ob seiner markigen Sprüche, lautstarken Ansagen und bissigen Rhetorik zu sein scheint, halten es die Parteikollegen im Vogtland eher leiser und verhaltener.

 

Die FDP des Vogtlandes traf sich am Mittwoch im kleinen Saal der Plauener Festhalle zu ihrem 18. Politischen Aschermittwoch entspannt und in gesetzter Atmosphäre bei Bier und Häppchen, um den Reden zuzuhören und im Foyer Smalltalk zu pflegen.

Den Haudrauf zu geben ist Martin Treecks Sache nicht. Der Vogtland-Vizechef der Liberalen wagte sich auf das Podium zu seiner ersten Ansprache vor größerem Publikum. Das erledigte er sachlich, bemüht, ruhig und eloquent, schick im dunklen Anzug gekleidet. Klug hatte er seine Rede in Stichworten notiert und verbreitete seine Argumente, Zitate und Einwürfe fast schon zu leise. "Wenn die Leute, ich meine die SPD und die Grünen - jene, die Hartz IV einführten, nun schimpfen, wenn Guido Westerwelle zur Diskussion aufruft, dann nenne ich das Heuchelei."

Der Vogtland-Vize griff des Öfteren frühere Regierungen an und beschrieb zudem auch die aktuelle Lage im Land. Verbrauchssteuern, Abgabenlast, Bürokratie, Schulden - alles sei zu hoch. Der beruflich als Anwalt tätige Politiker nannte Beispiele aus dem realen Leben, wie das eines Mannes: Verheiratet, zwei Kinder, Alleinverdiener, Möbelpacker, Brutto 1800 Euro, netto 1100 Euro. "Der muss zur Arge, 700 Euro holen als Aufstocker. Wird der kleine Mann von der SPD und den Grünen ausreichend versorgt?", fragte er in die nun etwas lautstärker Beifall zollende Runde. Bei aller Angriffsfreude schien es, als spräche ein Oppositionspolitiker zu seinen Kollegen, obwohl die FDP in der Regierung steht - in Sachsen und in der Bundesrepublik.

Weil Treeck vor allem die regionalen Belange im Blick hatte, benannte er weitere Baustellen der aktuellen Politik. "Die 350 Arbeitsplätze von Neoplan müssen erhalten, die Firmen in der Region bleiben", zeigte sich Treeck kämpferisch. Einen verdienten Lacher der Zuhörer erarbeitete sich der FDP-Vize des Vogtlands, als er über das Dilemma des Straßenbaus sprach. Die A 72 sollte schon 2006 zur Fußball-WM nach Leipzig führen. Sie ist noch nicht fertig, dafür klemme es nun dank der Vorgängerverantwortlichen Tiefensee und Jurk (SPD), die fehlende Beschlüsse an der Umgehung des Göltzschtales zurückließen. Der Schmunzler folgte: "Da ist es fast einfacher, eine Straße direkt bis nach Johannesburg zur WM 2010 zu bauen."

Dem Juristen Treeck folgten weitere Wortbeiträge zwischen kulturellen Einlagen des Plauener Karnevalvereins HCC. So lobte der Gast aus Berlin, Bundestagsabgeordneter Jan Mücke, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, die eigene Arbeit. 100 Tage der Regierung bedeutete, dass Wort gehalten wurde. Unter Rot-Schwarz habe es nach der gleichen Zeit die Mehrwertsteuererhöhung gegeben.

Unter Schwarz-Gelb gab es das Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit Steuersenkungen, führte der Berliner Politiker aus. Sven Morlok, Staatsminister für Wirtschaft Arbeit und Verkehr Sachsen und Vizeministerpräsident des Freistaates, lobte die Region an einem Beispiel besonderer Art: In der Solarindustrie sei Sachsen in Deutschland führend. Und die FDP werde um diesen Standort auch künftig kämpfen. va