18. Autorengespräch in der Kapelle Neuensalz

Die Bühne der Kapelle Neuensalz war beim 18. Autorengespräch drei Lehrern vorbehalten: Regina Wagner (Plauen), Dr. Peter Haueis (Kottengrün), Volker Müller (Greiz), der allerdings gestand, dass er den Lehrerberuf nur wenige Jahre ausgeübt, ihn aber ein Lehrer bestärkt hatte, seinen Kinderwunsch nach einer schriftstellerischen Tätigkeit zu verwirklichen.

  Mosen von Kindheit an ein Begriff   Akribisch vorbereitet, unterhielten die drei Pädagogen ihr Publikum im gut gefüllten Saal anregend und kurzweilig. Mit Engagement und nuancierten Darstellungen widerlegten sie die einst von Julius Mosens Vater vertretene und bis heute nicht völlig ausgemerzte Meinung, dass das Schicksal eines (Land-)Lehrers darin bestünde, geistig unterfordert zu altern. Die Hoffnung des Dorfschullehrers in Marieney, dass wenigstens seinem Sohn ein Lehrerleben erspart bliebe, kleidete er in die Worte: "Mein Gott, lass es genug an mir sein und den da nicht auch verrosten."

Der kleine Julius aus dem Vogtlanddorf entzog sich dem Lehrerdasein, indem er sich zum Juristen büffelte und der Literatur verschrieb. Als Dichter beeindruckte er die Leser vor allem mit Gedichten und märchenhaften Geschichten - damals und auch 142 Jahre nach seinem Tode, wie Dr. Peter Haueis versicherte.

Der promovierte Lehrer im Ruhestand kannte schon als Kind den Namen Julius Mosen, vertiefte sich später in dessen Werke und wurde 1998 Gründungsmitglied der Mosengesellschaft, die das literarische Erbe des im 19. Jahrhundert bekannten deutschen Dichters pflegt und verbreitet. Dr. Haueis machte auf eine weniger bekannte Seite der Sprache und Gedankenwelt des Dichters der Tiroler Landeshymne aufmerksam, indem er Auszüge aus der phantasievollen Erzählung "Der Knabe mit den Glückshaaren" vortrug.

  Begeistert von Anton Tschechow   Ihre Begeisterung für Anton Tschechow versprühte die trotz ihrer Pensionsberechtigung auch an der Volkshochschule tätige Russischlehrerin Regina Wagner. Begegnet waren ihr der Name und das Werk des russischen Dichters während des Studiums. Noch als Studentin stand sie an seinem Grab in Moskau. Vor vier Jahren verharrte sie vor dem Gedenkstein in dem Kurort Badenweiler, wo Tschechow 1904 im Alter von 44 Jahren den Kampf gegen die Tuberkulose verloren hatte.

Im Mai 2009 suchte sie auf der Krim nach Spuren des bedeutenden russischen Schriftstellers. Er lehnte sich gegen Untertanengeist, Kriechertum und Bürokratie auf. Die Arbeit als Grundlage der Kultur, des Glückes und erfüllten Lebens hob er hervor. Um sprachliche Brillanz rang er und spürte, dass er diesbezüglich vieles bewältigt habe, dass es beispielsweise in seiner Erzählung "Die Steppe" solche "Stellen gibt, die nach Heu riechen."

Regina Wagner wählte als Leseprobe einen Dialog aus "Der Bär". Zur Überraschung der Stammgäste der literarischen Abende bezog sie einen der Gesprächspartner in den Vortrag ein. Volker Müller, der sich in seinem Buch "Tausend und eine Leidenschaft" als Tschechow-Kenner ausgewiesen hatte, übernahm die männliche Rolle im amüsanten Wortspiel des Geldeintreibers mit der verschuldeten Witwe. Volker Müllers Favorit des Abends war aber Robert Schumann. Mit seinem Buch "Die geschwinde Promotion. Robert Schumann und Thüringen - ein kleiner Streifzug" setzte er dem Zwickauer ein sprachliches Denkmal.

  Favorit Robert Schumann   Müller verwies darauf, dass sich im 19. Jahrhundert das heutige bürgerliche Musikleben herausgebildet hat. Robert und Clara Schumann zählten zur quirligen Musikszene. Indem Volker Müller das System des Kapitelaufbaus seines Buches entschlüsselte, verdeutlichte er den immensen Aufwand für das Vordringen in das "Unergründliche" des Komponisten und für die verständliche und verständnisvolle Wiedergabe des Künstlerlebens. Der von Dr. Frieder Spitzner (Vogtländische Literaturgesellschaft Julius Mosen) moderierte Abend stand im Zeichen von Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Maximilian Beutner (Falkenstein), der an der Orgel für Zwischentöne sorgte, passte sich bei der Musikauswahl dieser Periode an. Dr. Frieder Spitzner