17. Theaterball im Zeichen des "Kaiserwalzers"

Damen in langen Festkleidern und Herren meist im schwarzen Anzug mit Fliege, die über den roten Teppich in das Vogtlandtheater schritten - so märchenhaft präsentierte sich am Samstagabend das ehrwürdige Haus in der Plauener Innenstadt zum Auftakt des 17. Theaterballs.

Von Gabi Kertscher

Plauen - Mit Sektempfang und gediegener musikalischer Untermalung wurden die rund 400 Gäste des 17. Theaterballs begrüßt, zu dem der Theaterförderverein und das Theater Plauen-Zwickau eingeladen hatten. Anstelle der Zuschauerreihen waren an diesem Abend festlich gedeckte Tische mit Stühlen platziert, die mit weißen Hussen überzogen waren. Der Zugang in den so entstandenen Ballsaal führte über den Bühneneingang, was dem beeindruckenden Ambiente eine zusätzliche reizvolle Note verlieh.
Musiktheaterdirektor Jürgen Pöckel moderierte mit Witz und unglaublichem Fachwissen das Galaprogramm, das im Zeichen des Theaterball-Mottos "Kaiserwalzer"stand. Zu Beginn spielte das Philharmonische Orchester - nomen est omen - Johann Strauss Sohns "Kaiserwalzer", gefolgt von zauberhaften Melodien aus der "Fledermaus". Pöckel bezeichnete Sebastian Seitz, der mehrfach brillierte, als "sich zum großen Opernbariton entwickelnden Sänger". Sein Solo "Mein Sehnen, mein Wähnen" aus Erich Wolfgang Korngolds "Die tote Stadt" sorgte für viel Beifall. 
Der zum Schauspiel-Ensemble gehörende Marcel Kaiser überzeugte mit seiner Geschichte "Das Triangel" von Georg Kreisler. Er stand später nochmals gemeinsam mit Nadine Aßmann auf der Ballnachtbühne und sang Ausschnitte aus dem Erfolgsmusical "Elisabeth" von Sylvester Levay. Die Gäste hörten "Ich gehör nur mir" und "Boote in der Nacht". Das große Finale gestalteten alle Solisten des Abends gemeinsam mit dem Opernchor und dem Ballett. Sie zeigten aus der "Fledermaus von Johann Strass Sohn "Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein" sowie "Im Feuersturm". 
Ein wahrer Beifallssturm folgte den Darbietungen, für deren wunderbare Kulisse Andrea Hölzl verantwortlich zeichnete. Die Choreografie stammte von Annett Göhre und Ekatarina Tumanova. Während das Orchester mit "An der schönen blauen Donau" den Ballabend eröffnete und die ersten Paare die Tanzflächen betraten, wurde im Wandelgang des Parketts das kalte Buffett eröffnet. 
Unter den rund 400 Gästen des Abends befanden sich wie stets zahlreiche prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Vereinen. So baten auch der Landtagsabgeordnete Frank Heidan und Bürgermeister Steffen Zenner ihre Frauen unzählige Male zum Tanz.
Einige der Gäste hatten eine weite Anreise hinter sich. Katja und André Schuster versuchen seit drei Jahren, den Theaterball in ihrem Kalender unterzubringen. "Leider kam immer etwas dazwischen", erzählte der gebürtige Plauener. Er ist im Theaterförderverein aktiv und zudem Vorsitzender des Vogtländischen Vereins in Berlin. Es sei großartig und habe sich unbedingt gelohnt, das Wochenende hier zu verbringen, zeigte sich schuster begeistert. Während das Paar im Großen Saal die Musik genoss und das Tanzbein schwang, erklangen auf der Kleinen Bühne andere Töne. Hier spielte "Quinteto Derecho Viejo & Frederico Pierro" Tangomelodien. Die sechs jungen Leute waren direkt aus Buenos Aires nach Plauen gekommen. Sie beginnen mit diesem Konzert ihre erste Europatournee. "Der Tango ist nicht nur ein Tanz. Tango ist ein Lebensgefühl", erklärte Maria Schmidt, während die Zwickauerin mit ihrem Tanzpartner eine Pause einlegte. Vanessa Müller ist gerade 21 Jahre alt und begeisterte Tangotänzerin. Sie begleitete ihre Großeltern zum Ball. Von ihnen habe sich die Liebe zu dem argentinischen Tanz auf sie übertragen. Elke und Udo Flügel hatten sie vor einigen Jahren mit zum Tango Argentino in Plauen genommen und so bei ihr das Interesse geweckt. Im Löwel-Foyer trafen sich die Fans der heißen Rhythmen. Die "Alpha-Disko 72" spielte alles, was gefällt. Die DJs Andreas Reuter und Gerd Schremmer sind seit drei Jahren beim Theaterball dabei und legen seit 46 Jahren "Musik für junge Leute jeden Alters" auf den Plattenteller.
Pünktlich zu Mitternacht rief traditionsgemäß Maître de Plaisir Helko Grimm vom Theaterförderverein die Paare zur Quadrille auf die Bühne. Unter ihnen Maria Metzner und Uschi Höfer. Die beiden Plauenerinnen sind seit einigen Jahren dabei. Sie wurden durch die heute 92-jährige Inge Eichhorn und Charlotte Busch auf die Mitternachtsquadrille aufmerksam. Frau Busch ist mit 95 Jahren die Älteste des Quartetts. "Getanzt wird heute nicht mehr", erzählten die Ü 90-Jährigen. Aber der Theaterball, an dem sie von Anbeginn teilnehmen, sei Pflicht und es sei das Letzte, was sie aufgeben würden. Während sich die Paare zur Mitternachtsquadrille in Position stellten, gab Helko Grimm letzte "Hilfestellungen": "Der Herr voran, die Dame hinterdrein - so muss es immer sein", unterstrich er seine Anweisungen mit kleinen "Eselsbrücken". Er forderte die Tänzer auf, zur Mitte zu gehen, sich zu drehen oder die Partner zu wechseln. Gestalteten sich auch die ersten Schritte noch recht stolprig, wurde es von einem Durchgang zum nächsten besser. Als es alle 20 Paare geschafft hatten, den Anweisungen des Maître zu folgen, wurden weitere Tänzer aus den Zuschauerreihen zum Mitmachen gebeten. Am Ende standen rund einhundert Quadrille-Tänzer auf der Bühne und folgten dem Maître de Plaisir. Jede Runde wurde schneller und besser, selbst als die "Neuen" sich bemühten und die Mitternachtsquadrille recht flott endete. Längst hatte der neue Tag begonnen, als sich die letzten Ball-Teilnehmer nach einem unvergesslichen Abend auf den Heimweg begaben.