120 Jahre gerahmte Kunst

Die kleine Firma "Kunsthandlung und Einrahmungsgeschäft Bilder Geyer" besteht 120 Jahre. Das Jubiläum des Familienunternehmens in der Forststraße begehen Peter und Robby Geyer ohne Tamtam.

Von Frank Blenz

Plauen Der Plauener, scheint es, handelt nach folgendem Motto: "Ob Müller, Schulze oder Meyer, in Sachen Rahmen und Kunst geht's zum Bilder Geyer." Wenn Bürger Bilder rahmen lassen wollen, ein Gemälde oder eine Zeichnung kaufen, führt sie der Weg zum kleinen Handwerksunternehmen in die Forststraße gleich hinter dem Landratsamt. Fast so wie einst und das mitten in modernen Zeiten, trotz Internet und Versandhandel. Das einzeln stehende Geschäftshaus bietet eine attraktive Straßenseite mit Doppelschaufenster, durch die ein Blick stets lohnt, sieht man doch zahlreiche Bilder, Aquarelle und Zeichnungen ausgestellt. So ist der Laden auch eine Galerie, die im hinteren Bereich die Werkstatt der Familie Geyer beherbergt. Das Verweilen vor dem Laden löst Freude aus und tritt man erst ein, wird das Gefühl noch stärker, begrüßen einen zwei besondere Menschen in einer ruhigen, beinah der Zeit losgelassenen Umgebung. Sogar die Ladenkasse von 1901 steht noch da. Der Bilder-Geyer besteht dank eines wunderbaren Duos: Vater und Sohn arbeiten zusammen, Peter Geyer, 77 Jahre, und Robby Geyer, 52 Jahre. Vater ist Vergoldermeister, er ist Restaurator und Kunstkenner, Robby Geyer ist Vergolderfacharbeiter und ebenso der Kunst und den schönen Dingen verbunden. Ihr Metier sind die Bilder, die Gemälde, das Rahmen, das Einfassen mittels Passepartouts, welch schönes französisches Wort, die Reparatur wie die Restaurierung und ebenso das Vergolden von Bildern und Rahmen.

 


Gerade ist ziemlich viel zu tun, verrät Robby Geyer. "Ich vermute, dass die Leute mehr Zeit zu Hause haben, sich ihre Kunst anzuschauen und sich erinnern, dass vielleicht auf dem Boden Familienschätze schlummern. Auch diverse Fernsehsendungen über den Wert von Kunst und Antiquitäten lassen Menschen neugierig werden." So kommt es nicht selten vor, dass Kunden zu den Geyers mit alten Bildern kommen, um sie wieder aufzuarbeiten. Geyers bieten auch Bilder zum Verkauf, bekannte lokale und regionale Künstlerwerke können erworben werden.
Dass der Laden 120 Jahre besteht, das hätten die zwei Geyers beinah verpasst, gestehen sie. "Der Hinweis kam von einem Kunden, der die alte Goldschrift 115 Jahre auf dem Schaufenster las. Das Jubiläum war 2016. Der Kunde rechnete nach, 2021, macht fünf Jahre mehr, gleich 120", sagt Robby Geyer mit einem Lachen. Vater und Sohn staunen, wie die Zeit vergeht.
Zeitreise. 1901. Am Unteren Steinweg eröffnet der Laden "Bildereinrahmung, Kunsthandlung und Vergolderei", gegründet von Karl Geyer. Die Unternehmung zog 1925 in die Forstraße 36, wo sie bis 1995 geöffnet war. "Mein Vater Hermann Geyer übernahm 1944 das Geschäft von seinem Vater Karl und ich übernahm Anfang der 1980er Jahre nach und nach die Geschicke", erzählt der jetzige Seniorchef Peter Geyer, der schon in den 1960er Jahren beim Vater einsteigen wollte, allein, die damaligen Verhältnisse es vorerst verhinderten. "Damals wollte man mir keine Gewerbeerlaubnis geben. Es war die Phase, wo man meinte, dass es keine privaten Handwerker mehr brauchte. So lernte ich Fernmeldemechaniker, arbeitete in der WEMA." Nach 1980 waren die ersten Jahre nicht einfach, denn Peter Geyer musste nebenher eine weitere Berufsausbildung absolvieren und den Meisterbrief Vergolder machen als Voraussetzung für den Gewerbeschein. 1984 kam Sohn Robby ins Geschäft, er erlernte den Beruf des Vergolders. 1990 starb Hermann Geyer. Sohn Peter übernahm, die Wendezeit stellte sich als schwierig heraus. "Unser Laden befand sich in der Forststraße 36, das Haus ging an die alten Eigentümer aus dem Westen. Die erhöhten die Miete, taten aber sonst nichts, das Haus verfiel", schildert Robby Geyer. Es musste ein neuer Standort für das Geschäft her, gefunden wurde er in derselben Straße. Drei Jahre dauerten die Umbauarbeiten, 1998 startete Bilder Geyer in der jetzigen Adresse Forststraße 22.
Die Geyers sind sich sicher, dass weitere Jubiläen folgen werden. "Ich bin ja noch 52 Jahre, also jung, ich setze die Familientradition fort und mein Vater mit seinen 77 Jahren tritt zwar kürzer, aber aufhören will er nicht, was sehr schön ist", sagt Robby Geyer, der optimistisch in die Zukunft blickt, denn Kunst ist und bleibt wichtig, egal welche Zeiten herrschen. Sie zu bewahren, zu reparieren, zu restaurieren, mit ihr zu handeln, ist Geyers Auftrag.