120 Ex-Mitarbeiter der Plamag haben neuen Job

In den Räumen, die die Projekt- und Trainingsgesellschaft gemeinnützige GmbH (PTG) in der Klopstockstraße angemietet hat, ist es ruhig. Die Frauen und Männer, die in der Plamag ihre Kündigung erhielten und nun nach einer neuen beruflichen Chance Ausschau halten müssen, lassen sich in Kursen verschiedener Bildungsträger, wie Handwerkskammer, IHK oder BSW, umschulen oder weiterbilden. So hoffen sie, einen neuen Arbeitgeber zu finden.

289 Männer und 57 Frauen hatten nach ihrer Kündigung Anfang des Jahres einen Vertrag mit der PTG unterschrieben. Für ein halbes Jahr, so hieß es, reichen die finanziellen Mittel, die die Alteigner für die Beschäftigungsgesellschaft, die auch die betroffenen Manroland-Kollegen in Augsburg betreut, zur Verfügung stellte. Sie hilft, den Beginn der Arbeitslosigkeit um dieses Frist hinauszuschieben, bei 80 Prozent des letzten Nettoverdienstes, statt 60 Prozent bei Arbeitslosigkeit.

Für die ersten wäre der Vertrag zum 31. Juli ausgelaufen, für die letzten zum 1. Februar 2013. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Mitarbeiter, die Ende des Monats aus der Transfergesellschaft ausgeschieden wären und über diese derzeit noch aktiv betreut werden, bis zum 31. August bleiben dürfen. Ihr Vertrag wurde um einen Monat verlängert. Der Gesetzgeber ließe sogar zwölf Monate Bezug von Transferkurzarbeitergeld zu. Nur fehlen im Plamag- Fall die finanziellen Mittel.

"Wir sind dann erfolgreich, wenn Sie nicht mehr da sind", hatte PTG-Geschäftsführer Dr. Bernd Nickolay zur Betriebsversammlung den entlassenen Plamagianern gesagt und sie zugleich ermuntert, in die Transfergesellschaft einzutreten. "Inzwischen haben wir 115 Männer und fünf Frauen in eine neue Arbeit vermittelt. Und es werden weitere folgen, auch wenn die Einstellungsfreude der Unternehmen etwas nachgelassen hat", sagte Dr. Nickolay.

Zugleich zeigt er auf eine Tafel, an der ganz unterschiedliche Stellenangebote aus Firmen in unmittelbarer Nähe angeheftet sind. "Der Arbeitsmarkt sucht nach Fachkräften. Fast 1700 Stellen - die Hälfte davon im Umkreis von 50 Kilometern - konnten wir den einstigen Plamag-Mitarbeitern anbieten. Bei einigen der Frauen und Männer reicht es, an den vorhanden beruflichen Kernkompetenzen noch etwas zu schleifen, bei anderen brauchen wir eine komplette Umorientierung, weil es Arbeitsprofile der Plamag - wie Werkstattschreiber - auf dem freien Markt überhaupt nicht gibt.

Probleme gibt es bei der Vermittlung der über 50-Jährigen, auch wenn es eine leichte Besserung gibt. Bei den Plamag-Leuten haben wir einen Altersdurchschnitt von 47 Jahre, 160 sind über 50", erzählt PTG-Projektleiter Tacettin Kececi, der wie sein Geschäftsführer aus Augsburg stammt.

Ziel sei es, binnen der sechs Monate jeden Zweiten mit einer neuen Stelle zu versorgen. "Wir verstehen uns als Dienstleister und akquirieren ständig über unsere Coaches, die die Betroffenen individuell betreuen, offenen Arbeitsstellen. 35 Plamag-Leute kommen auf einen Coach, der auf Honorarbasis arbeitet. Wir wollen jedem einzelnen so viel Unterstützung zukommen lassen wie er braucht. Wir wollen und können sie aber nicht zwingen. Wir arbeiten nicht mit Sanktionen, sondern nur mit Motivation", erklärt Kececi.

Für die Projekt- und Trainingsgesellschaft GmbH ist Plauen nicht unbekannt. "Das erste Mal waren wir nach der Entlassung der Behrendsen-Mitarbeiter. Aber auch die Plamag kennen wir, nach den ersten beiden Kündigungswellen 2011 hatten wir 27 Mitarbeiter in unserer Transfergesellschaft betreut und zu 80 Prozent vermitteln können", erzählt Dr. Nickolay.

Und auch, dass die PTG 1996 selbst aus einer Betriebsänderung entstanden sei. Seit ihrer Gründung habe die Auffanggesellschaft bisher 200 Projekte bundesweit betreut, hauptsächlich in Sachsen und Bayern Mehr als 20 000 Menschen seien bislang zeitweise in der PTG beschäftigt gewesen. Kececi, der auch diesmal als Projektleiter für den Standort Plauen verantwortlich ist, habe bisher alle sächsischen Projekte geführt.