108 Minuten ändern Welt

108 Minuten stellten am 12. April 1961 die Welt auf den Kopf. In dieser Zeit umkreiste Juri Alexejewitsch Gagarin einmal die Erde. Der erste Mensch eroberte das All - die Geschichte der bemannten Raumfahrt begann.

 

"Als ich mit dem Sputnik-Schiff um die Erde flog, sah ich, wie herrlich unser Planet ist. Lasst uns dieses Schöne bewahren, mehren und nicht vernichten", appelliert der 26-jährige Gagarin kurz nach seinem Ausflug ins All an die Menschheit. Und er prägt den Begriff vom "blauen Planeten".

Die erste bemannte Weltraum-Expedition, von den Russen vorher streng geheim gehalten, machte mit der Meldung der Nachrichtenagentur TASS um 10.55 Uhr Moskauer Zeit ihre Kunde um die Welt. Gagarin wurde zum Held der Sowjetunion, bekam den Leninorden, wurde von der sowjetischen Führungsclique herumgereicht, musste repräsentieren und wurde umjubelt. "Doch er wollte nicht ewig gefeiert werden. Er wollte in seinem neuen Beruf als Kosmonaut und gleichzeitig als Flieger tätig sein", schreibt Sigmund Jähn, der erste deutsche Raumfahrer, über den Konflikt, in dem sich Gagarin befand.

Gagarin habe kein Vorgesetzter im Kosmonautenausbildungszentrum sein wollen, er habe immer einen zweiten Raumflug angestrebt, so Jähn. So wurde er Mitte der 60-er Jahre für das sowjetische Mondprogramm ausgewählt - und als Ersatzmann für Wladimir Komarow mit dem Raumschiff "Sojus" ausgewählt. Der jähe Tod Komarow während des Raumfluges machten jegliche Raumfahrt-Pläne Gagarins zunichte.

Keine sieben Jahre lagen lagen zwischen Gagarins Heldentat und seinem mysteriösen Tod am 27. März 1968. "Das Strahlflugzeug MiG-15 UTI mit der Besatzung stürzte im Verlauf des Fluges mit steilem Winkel und arbeitendem Triebwerk in ein Waldstück. Beide Flugzeugführer fanden den Tod. An diesem Tatbestand ist nichts zu deuteln. Alle Mutmaßungen, dass Juri Gagarin auf eine andere Weise ums Leben kam, sind frei erfundene Gerüchte", schreibt Sigmund Jähn. Jähn, der selbst diesen Flugzeugtyp als Fluglehrer geflogen ist, hat aus Berichten anderer Flieger erfahren, dass an jenem Tag für den Flug ungünstige Wolkenschichten und Wetterbedingungen herrschten. "Der Tod Juri Gagarins und Serjogins ging mir sehr nahe. Am Tag der Verabschiedung von den beiden Fliegern im Haus der Sowjetarmee in Moskau wurden in der Militärakademie einige Fahrzeuge bereitgestellt. die Teilnahme unseres Ausbildungskurses war nicht vorgesehen. Ich sprang vor der Abfahrt kurz entschlossen über die Bordwand eines der Lks?s und fuhr mit. Die Trauer der Menschen in Moskau wird mir immer im Gedächtnis bleiben." Cornelia Henze