101 Stufen bis zum Uhrwerk

Mylau - 101 Stufen muss Marcel Schöne erklimmen, ehe er das tickende Werk der Mylauer Kirchenuhr erreicht. Sonntagnacht wird die Zeit um eine Stunde vorgestellt - es ist Sommerzeit, und der Kirchner darf Hand anlegen am Uhrwerk.  Kirche als auch Glocken und Uhr stammen aus dem Jahr 1890. Am 13. Oktober ertönten erstmals die Glocken der im neogotischen Stile erbauten Kirche - und so lange tickt das Uhrwerk. Marcel Schöne sorgt seit neun Jahren für die 119-Jährige.

 Unkompliziert sei das Umstellen auf Sommerzeit - das Pendant im Herbst hingegen sei schwieriger, so Schöne. Denn zur Winterzeitumstellung muss das Uhrwerk angehalten und nach einer Stunde wieder angeschoben werden. Der Grund ist, dass die Zeit bei einem mechanischen Werk nicht zurückgedreht werden kann.

 

Das Schlagwerk wird anschließend nachgeregelt. Der Glockenaufzug wurde vor längerem auf elektrisch umgerüstet. Davor wurde die Uhr mit einer Kurbel einmal täglich aufgezogen. Der elektrische Aufzug tritt zwei Mal am Tag in Bewegung. Die Mylauer Kirchturmuhr gehe ziemlich genau, nur bei großen Temperaturschwankungen könne sie um ein bis zwei Minuten variieren, weiß der Kirchner. Zur Pflege gehört das regelmäßige Ölen und das Nachziehen der Gewichte.

Erbauer der Uhr war Bernhard Zachariä aus Leipzig. Und auch heute noch gibt es die GmbH, welche als älteste noch bestehende Turmuhrenfabrik in Deutschland gilt. Bis 1887 stand übrigens in Mylau an gleicher Stelle eine kleinere Kirche, welche abgebrochen wurde. Als weitere Attraktion im Kircheninneren gilt die 1731 erbaute Silbermann-Orgel. P. B.