1000 Plauener von Lärm geplagt

Der neue Lärmatlas für Plauen wurde am Montag vorgestellt. Grund zur Entwarnung gibt es kaum. Noch immer werden fast 1000 Plauener rund um die Uhr von übermäßigem Verkehrslärm geplagt.

Plauen - Die Lärm geplagtesten Bereiche Plauens wurden bereits vor sechs Jahren "ausfindig" gemacht. Vor sechs Jahren wurde eine so genannte Lärmkartierung für Hauptverkehrsstraßen erstellt, die von mehr als sechs Millionen Kfz pro Jahr frequentiert werden. Nun liegt eine Lärmkarte vor, die Straßen auflistet, die von mehr als drei Millionen Fahrzeugen befahren wird.

Über diese Analyse informierte am Montag Dirk Grundke vom Ingenieurbüro GAF Zwickau, das mit dieser Untersuchung beauftragt worden war, die Mitglieder des Stadtbauauschusses. Zunächst, so der Experte, wurden 3 D-Modelle der gesamten Stadt geschaffen und Mess-Zeiten festgelegt. So wurden die Werte tagsüber von 6 bis 18 Uhr, in den Abendstunden von 18 bis 22 Uhr und nachts zwischen 22 und sechs Uhr ermittelt.

Als besonders von Lärm belastete Straßen nannte Grundke unter anderen die Kaiserstraße, den Neustadtplatz, Hammerstraße, Reißiger Straße, Lutherstraße, Neundorfer Straße, Liebknechtstraße und Syrastraße.

Ab 65 Dezibel, so der Fachmann, sei Lärm der Gesundheit abträglich. Diesen Wert müssen tagsüber 900 Plauener ertragen, nachts, wenn eine Dezibelbelastung von 55 als gesundheisrelevant gilt, sind es 986 Bewohner - "verstreut" über das gesamte Stadtgebiet. Die Gesamtfläche, wo die Lärmwerte bis 75 Dezibel betragen, bezifferte Grundke auf einen Quadratkilometer. Werte unterhalb von 55 Dezibel bezeichnete Grundke als zwar unangenehm, aber nicht gesundheitsschädlich.

Für die Ermittlung der Lärmkennziffern dienten 20 Hotspots, also Standorte, an denen der Lärm gemessen wurde. Der höchste Wert wurde, fast erwartungsgemäß, an der Trockentalstraße/Böhlerstraße registriert. Nicht weniger laut geht es am Dittrichplatz/Siegener Straße zu.

Gewissermaßen Einfluss auf den Lärm könne die Stadt hinsichtlich der Lutherstraße, der Jößnitzer-, Schenkendorf-, Pestalozzi und Hammerstraße nehmen, da es sich hier um kommunale Straße handele. Wie nun weiter? In Auswertung der einzelnen Hotspot-Messungen werde ein Maßnahmepaket in Hinblick auf Machbarkeit, also Reduzierung des Lärms, diskutiert. Dies wiederum soll letztlich in einem Maßnahmeplan münden.

Über diesen Aktionsplan hat die Kommune im Juli dieses Jahres dem sächsischen Umweltministerium Bericht zu erstatten. Als mögliche Maßnahmen zur Lärmminderung nannte Grundke lärmmindernde Deckschichten, den Einbau von Lärmschutzfenstern, die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit sowie die Beruhigung des Verkehrsflusses. Allerdings sei bisher noch völlig offen, inwieweit dafür Fördermittel bereitgestellt würden.

Auf Nachfrage informierte Grundke, dass in die Messungen nicht der aus Schienenfahrzeugen resultierende Lärm eingeflossen sei. Inwieweit der 2007 vorgelegte Lärmaktionsplan als Vergleich herangezogen wurde und ob sich Verkehrsstärken für einzelne Straßen geändert hätten, wollte Stadtrat Klaus Jäger (Linke) wissen. Dies konnte Grundke bestätigen. Das damalige "Sorgenkind" Oelsnitzer Straße spiele mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle - wohl auch, weil viele Anwohner inzwischen das Weite gesucht hätten.