1000 Euro für Verurteilung dieser Täter

Über viele Jahre schien der Schlosshang im Dornröschenschlaf gefangen. Kein Grund, das Gelände, auf dem sich die JVA befand, zu besichtigen. Inzwischen empfiehlt sich das Terrain als Hingucker - wenn es in letzter Zeit nicht wiederholt zur Zielscheibe mutwilliger Zerstörungen geworden wäre. Bernd Stubenrauch reagiert darauf mit einer ungewöhnlichen Aktion.

PlauenBeim Spaziergang über das Gelände am Schlosshang und dem Campus der Berufsakademie lässt sich vortrefflich die Seele baumeln. Der Blick von der Stahlplattform auf die Altstadt erfüllt alle Kriterien für ein Ansichtskartenmotiv - natürlich auch für einen Schnappschuss mit dem Smartphone. Kurzum, für Touristen der Stadt lohnt es sich, ein weiteres Ziel anzusteuern, wer privat Gäste empfängt, ist um eine Ausflugsidee reicher. Wenn es da nicht Menschen gäbe, denen Sauberkeit und unbeschädigte Anlagen geradezu ein Dorn im Auge sein müssen. Wiederholt in den letzten Wochen wurden Schlosshang und Campus zum Ziel von Vandalen.
Das Plexiglas einiger der modernen Beleuchtungselemente ist beschädigt, die Klingelanlage der BA wurde beschmiert und verklebt, ein Hinweisschild abgerissen, auf Bänken mit markanten Farbstiften gekritzelt, die Begrenzungen der Plattform und auch Mauern im Gelände mit Spraysymbolen und Einkerbungen verunstaltet, im künftigen Bereich des Campus Beete beschädigt. Immer wieder liegen Scherben herum, leere Behältnisse von Fastfood-Speisen, Zigarettenkippen sowieso. Die Liste des Treibens der Randalierer ist lang, von Dummen-Jungen-Streichen vermag niemand mehr zu reden. Passanten machen ihrem Unmut Luft, doch bei nicht wenigen schwingt Resignation mit.
Und genau hier kommt Bernd Stubenrauch ins Spiel. Der Plauener Bürger Stubenrauch, nicht der langjährige Kommunalpolitiker, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung. Stubenrauch, den man guten Gewissens und positiven Sinnes das Enfant Terrible der Stadt nennen kann, ist zornig, wütend, betroffen. Emotionen, die sich in seiner Stimme widerspiegeln. Mutwillige Zerstörungen, sagt er, sind inzwischen fast an der Tagesordnung - in der Innenstadt, in den Stadtteilen. Die Spuren des Randalismus am Schlosshang haben für ihn aber noch eine größere, gewissermaßen symbolische, Bedeutung.
"Den Campus von einem verkommenen Areal zu einem Kleinod zu erwecken, das eine der Visitenkarten der Stadt ist, erforderte eine unheimliche Leistung. Dafür hat auch der Stadtrat jahrelang gekämpft. Und wenn nun Randalierer ihre Spuren hinterlassen, dann macht mich das persönlich betroffen. Ich bin einfach so erzogen, mutwillige Zerstörungen nicht zuzulassen und da im wörtlichen wie übertragenen Sinne dazwischenzugehen". 1000 Euro setzt Stubenrauch aus privater Tasche dafür aus, wenn die Täter vom Schlosshang gefasst und einer gerechten Strafe zugeführt werden. Mit Wildwest-Gehabe a la "Wanted" habe das rein gar nichts zu tun. "Ich möchte die Bürger sensibilisieren hinzuschauen und wenn sie etwas bemerken, die Polizei zu informieren." Dabei hat er gezielt auch Gruppen von Jugendlichen im Auge, innerhalb derer mit solchen Taten eventuell geprahlt wird. Zerstörung von mühsam auf dem Schlosshang Erschaffenem sei kein Kavaliersdelikt, fügt er an, sondern eine Straftat, die von Polizei und Gerichten geahndet wird. Wenn sein monetärer Anreiz dazu beiträgt, sei das Ziel erreicht. Vor allem aber gehe es auch darum die Bürgerschaft zu animieren, nicht wegzuschauen. Gleichzeitig müsse man auch darüber nachdenken, wie das Gelände besser gesichert werden kann.
Unterdessen hat der Hausmeister der BA, David Böhme, versucht, einige der Schäden zu beseitigen- auch er wolle künftig noch genauer hinschauen.
Auch der bekannte Plauener Lars Buchmann, der viel in seiner Stadt unterwegs ist, und mit seiner Fotosammlung, mit Rundgängen, Vorträgen und Aktionen wie "Mein schönstes Foto Plauens" für Aufmerksamkeit und Heimatliebe sorgt, hat die Situation auf dem Schlossberg im Wortsinne im Blick und fürchtet: "Das geht dann noch paar Mal so und dann wird das Gelände für die Öffentlichkeit gesperrt. Durch fehlenden Respekt nehmen sich die Menschen so viel selbst wieder weg. Ich werde diese Entwicklung nie verstehen."
Stubenrauchs Aktion ist sicher eine ungewöhnliche, aber nicht seine erste. Vielen wird er noch mit seiner "Tunnelaktion" in Erinnerung sein. Er setzte sich einfach dazu, wenn junge Leute, die der optischen Norm nicht entsprachen, sich hier trafen. Er hörte zu und gab nicht den Besserwisser. Am Ende fanden vier der Leute, mit denen er sich über Wochen hinweg unterhalten hatte, wieder einen Job. "Ja, ich habe ihnen auch finanziell geholfen, um ein anderes Leben zu beginnen, vor allem aber hab‘ ich mich auf sie und ihre Probleme eingelassen." Und dann war da noch seine spektakuläre Zivilcourage am Rande des Plauener Herbstes vor drei Jahren. Zwei Gruppen meist Jugendlicher gerieten sich in die Haare, Stubenrauch ging dazwischen, schlichtete. Klingt einfach, ungefährlich war es mitnichten. So ist er: einfach zugucken und die Dinge laufen lassen - schon gar nicht aus dem Ruder - ist nicht sein Ding. T.Piontkowski/F. Blenz