100 Jahre Plauener Kaufhaus

Vor 100 Jahren öffneten sich zum ersten mal die Türen eines Warenhauses. Das damalige "Tietz" wurde Konsument und später Horten. In dem geschichtsträchtigen Gebäude sind derzeit wieder Bauarbeiten im Gange. Es wird zum Landratsamt umgebaut.

Plauen - Wenn man liest, wie vor knapp 100 Jahren das Plauener Warenhaus Tietz gebaut wurde und wie es eingerichtet war, bekommt man den Eindruck, dass die Handels-Magnaten in Frack und Stehkragen etwas mehr Stil und Nachhaltigkeit walten ließen. Handgefertigte Treppen aus massivem Eichenholz, mit Intarsien verkleidete Wände - wo findet man solch edles Interieur heute noch? Schade, dass in Plauen davon nichts geblieben ist. Oder schön, dass wenigstens die Kaufhaus-Fassade noch steht? Reine Ansichtssache.

Am 1. März 1914, es war ein Sonntag, wurde das Plauener Kaufhaus "Julius Tietz" vollständig eröffnet. Die Idee, am Postplatz in einen Neubau zu investieren, muss dem Senior-Chef noch selbst gekommen sein. 1910, ein Jahr vor dem Tod Julius Tietz, hatte die Firma von Berlin aus einen Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem der Plauener Architekt Emil Rösler als Gewinner hervorging. Rösler erhielt den Auftrag, die Einzelpläne auszuarbeiten und den Bau auszuschreiben.

Nachdem die alten Häuser an der Forststraße 7 bis 11 abgerissen und die Gruben ausgehoben waren, begann um Ostern 1912 der Hochbau. Dieser erste Bauabschnitt war bis zum Spätherbst 1912 so weit fertig gestellt, dass in einem Teil der Räume mit dem Verkauf begonnen werden konnte. Was die Bauzeit betraf, so legten die Arbeiter und Ingenieure ein flottes Tempo hin. Ende November 1913 standen einige Bereiche des Vorderhauses bereits für den Weihnachtseinkauf zur Verfügung.

Das gesamte Warenhaus-Grundstück hatte eine bebaute Fläche von 3.450 Quadratmetern. Im Vergleich mit dem eingängigen Beispiel Fußballplatz entspricht dies ungefähr der Hälfte eines Feldes. Die über mehrere Etagen verteilten Flächen für Verkauf, Lager, Büros und Pausenräume umfassten alles in allem 17.500 Quadratmeter. Auf seine größte Höhe kam der Tietz-Neubau an der Postplatz-Seite, mit 36,6 Metern vom Kellerfußboden bis zum Dachfirst.

Die Kaufhausseite an der Forststraße, 80 Meter lang, war aus rotem und weißem Mainsandstein gemauert, die 60 Meter lange Schaufenster- und Haupteingangsfront am Postplatz aus gelblichem Pfälzer Sandstein. Zur Bahnhofstraße hin setzten die Betreiber den Mehretagen-Laden von außen in imposantes Licht: 20 Lampen aus Kupferbronze verbreiteten, so hatten es die Planer berechnet, eine Beleuchtung, die der Strahlkraft von 52.000 Kerzen entsprach.

Vom Parterre führte eine drei Meter breite "Prunktreppe" aus massivem Eichenholz in die oberen Verkaufsetagen. Im ersten Stock gab es Bekleidung mit "Anprobierzellen", einer Änderungsschneiderei und einer Putzabteilung (Hüte).

Das nächste Stockwerk nannte sich Teppichsaal, wie im Geschoss darunter beeindruckten auch hier Wandverkleidungen, Galerie und Deckenbalken aus Eichenholz mit Intarsien-Einlagen das Auge des Besuchers. Von dieser Etage konnte man den 18 Meter hohen Raum über dem Lichthof gut einsehen. Im dritten Obergeschoss waren die Lebensmittel-Abteilung und eine Gaststätte mit Terrasse zum Postplatz hin eingerichtet.

Am Bau des Plauener Kaufhauses beteiligten sich etwa 200 Unternehmen. Dabei, beendete der Redakteur des Plauener Sonntags-Anzeigers seinen Bericht wohlwollend, war der Auftraggeber "bestrebt (...), die Arbeiten an hiesige Firmen zu vergeben, und nur für Spezialarbeiten fremde Firmen (heranzuziehen)".

Horten-Rundgang

Das Landratsamt lädt am 1. März zu einem Rundgang auf der Horten-Baustelle ein. Der Vogtland-Anzeiger verlost dabei 20 Plätze. Treffen ist am 1. März, 10.50 Uhr, vorm Spitzenladen Ecke Bahnhof-/Rädelstraße. Wer dabei sein möchte, schickt eine Mail unter marktplatz@ vogtland-anzeiger.de. Einsendeschluss ist 26. Februar. Die Gewinner werden benachrichtigt.