10 000 Bücher für Gymnasium

Oelsnitz - Rappelvoll war der Deutsch-Hörsaal Mittwochnachmittag am Julius-Mosen-Gymnasium. Vor den zahlreichen Gästen verteidigten die Abiturientinnen Lydia Strobel und Pia Borsutzky im Kolloquium ihre Besondere Lernleistung mit dem Titel "Die Sammlung Peter-Emil Rupp".

10 000 Bücher des Oelsnitzer Ehrenbürgers hatte dessen Witwe, Christel Rupp, dem Gymnasium gespendet - als Vermächtnis ihres 2006 verstorbenen Mannes, der in Oelsnitz beigesetzt ist. Sie saß gestern in der ersten Reihe des Hörsaals.

Einen "Riesenberg Kartons" lud ein Transporter aus dem Rheinland vor drei Jahren an der Schule ab, deren Inhalt zunächst sortiert werden musste. Im Rahmen ihrer Arbeit haben die beiden Schülerinnen gegen Ende der 10. Klasse begonnen, die Masse von Bänden in zwei Räumen des Dachgeschosses als Schüler-Bibliothek einzurichten.

Lydia Strobel stellte zunächst den Menschen Peter-Emil Rupp vor, der in Oelsnitz als Arztsohn aufwuchs. Die Mutter war jüdischer Herkunft. Vor der Verfolgung im Nationalsozialismus bewahrte die Familie das humane Handeln von Bürgermeister Otto Risse. Rupp gehörte nach dem Krieg zu einer mutigen jungen Generation, die einen Neuanfang in der Gesellschaft wollte und sich nicht verbiegen ließ. Der drohenden Verhaftung entging der junge Liberale durch die Flucht in den Westen. In Australien fand die Familie eine neue Heimat.

Vom Gießereiarbeiter über die Arbeit am Fließband bei General Motors in den USA und folgendem Studium arbeitete sich Rupp zum Manager der Autoindustrie bei VW und Mercedes hoch. Er war in der Welt zu Hause und blieb im Herzen seiner Heimat verbunden, die er - seit 1990 im Ruhestand - immer wieder aufsuchte. Oelsnitz nannte er liebevoll sein "Klein-Paris". Hier trat er als großzügiger Förderer der Jakobikirche, der Schulen und insbesondere des Gymnasiums in Erscheinung, wo er 1948 das Abitur abgelegt hatte. Der 20. März 2003 wurde zu einem Höhepunkt für Rupp. Schon von schwerem Asthma gezeichnet, erhielt er in Schlangenbad am gleichen Tag das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Oelsnitzer Ehrenbürgerwürde.

Pia Borsutzky gab anschließend einen Einblick in den besonderen Charakter der teilweise englischsprachigen Büchersammlung, die unter dem Namen des Spenders geschlossen erhalten bleiben soll. In 14 Teilgebiete haben die beiden jungen Frauen den Bestand gegliedert. Rupp interessierte sich für Geschichte, Wirtschaft, Biografien, Witz und Satire, Sprache, Kunst und Musik. Das schnelle und einfache Auffinden der Titel wählten die Schülerinnen als Ordnungsprinzip.

Über ihre Arbeitsschritte - für die sie sich fachlichen Rat unter anderem bei Petra Enders, der Leiterin der städtischen Bibliothek holten, legten sie ein Tagebuch an. Ausgewählt als ihre "Lieblingsbücher" hatte Pia Borsutzki "The Whopper Scrap Book" (Das riesige Fetzenbuch), ein wertvolles Unikat, geklebt aus englischen Zeitungsartikeln über die Machtergreifung Hitlers, sowie - eigenem Interesse folgend - das "Homöopathische Arzneibuch". Die Abiturientin will Medizin studieren.

Kritisches Nachfragen unter anderem von Deutschlehrerin und Betreuerin Christine Dolz schloss sich an die Vorträge der beiden Schülerinnen an. Dann zog die Versammlung - zu der auch Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius stieß - ins oberste Stockwerk in die neue Schüler-Bücherei.

"Das hätte meinen Mann sehr gefreut", meinte Christel Rupp beim Anblick des gemütlichen Lesesaals mit seinem Balkenwerk, der als Präsenzbibliothek dienen soll. Erleichterung war ihr anzumerken, dass die große Büchersammlung, die zuletzt in einem Wiesbadener Magazin gelagert war, einen so guten Ort gefunden hat. Geplant ist die Benutzung zunächst durch Schüler in Begleitung eines Lehrers, zum Beispiel durch die Leistungskurse Geschichte und Englisch. Später könnte vielleicht eine Aufsichtskraft eingestellt werden, meinte Pia Borsutzky. Begonnen ist ein Computerprogramm für die spätere Ausleihe.

Nach kurzer Abwesenheit meldete sich die Prüfungskommission zurück. Lydia Strobel und Pia Borsutzky erhalten 15 Punkte - die Höchstzahl - für ihr Kolloqium. Beifall brandete auf. Die besondere Lernleistung wird auf dem Abi-Zeugnis vermerkt. In das endgültige Urteil fließt noch die Bewertung der schriftlichen Leistung ein.

Lehrerin Christine Dolz hob zwei Punkte hervor - die großzügige Spende - und die immens fleißige Arbeit der beiden Schülerinnen. Die bedankten sich aus vollem Herzen bei ihren Helfern, zu denen auch Alt-Schulleiter Helmut Schwab als externer Betreuer gehörte. Eckart Scharf, der Vorsitzende des Schulfördervereins hatte noch eine "kleine Anerkennungsprämie" parat.  R. Wöllner