Preis für Explosions-Forscher

Der Sächsische Jugenddenkmalpreis geht an junge Historiker vom Diesterweg-Gymnasium Plauen. Sie holten die Arbeiterinnen, die 1918 bei einer Explosion ums Leben kamen, aus dem Vergessen.

Von Cornelia Henze

Plauen - Der Tod der 322 Frauen der damaligen Kartuschieranstalt schreibt genauso ein Stück Plauener Industriegeschichte, wie der Industriepavillon in der Dürerstraße, der 2020 zum Ort erhoben wurde, an dem Sachsen seinen Denkmaltag feierlich eröffnet. Während im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges diese Frauen für "ihre" Männer Munition herstellten - und am 19. Juli selbigen Jahres durch die Explosion selbst Opfer wurden - erzeugte etwa zur gleichen Zeit im Industriepavillon eine Dampfmaschine Energie für die Hempelsche Fabrik. "Unsere Vergangenheit in Sachsen sind nicht nur Burgen, Schlösser und Kirchen, sondern auch Eisen, Schmierfett und Rauchfang", so Thomas Schmidt, sächsischer Staatsminister für Regionalentwicklung.

Mit der Industrialisierung begann auch Plauen explosionsartig zu wachsen: Innerhalb von 40 Jahren sei die Bevölkerungszahl imJahr 1910 um 100.000 auf 125.000 gestiegen, unternimmt Plauens OB in seiner Festrede einen Exkurs in die Historie. In das Jahr der Industriekultur, das Sachsen 2020 vor allem in Zwickau groß begeht, fügt sich auch der Ort der Eröffnungsveranstaltung ein: Zwei Unternehmer haben den Pavillon gekauft, sanieren ihn und führen ihn einer neuen Nutzung für Kultur, Sport und Vereine zu. Hier haben Unternehmer gezeigt, dass sie mehr tun, als sie müssten. Dass sie betrieblichen Erfolg an die Gesellschaft zurückgeben, lobt der Minister das Engagement.

"Wir haben die Geschichte angefasst, gespürt", so Jonas Uhlig, einer der früheren Diesterweg-Gymnasiasten, der ihr Projekt innerhalb des Landesprogramms "Pegasus - Schüler adoptieren Denkmale" vorstellte. Der zweite Preis ging an die Malerazubis Richard Jakob und Laura Zeiske vom Beruflichen Schulzentrum für Bau- und Oberflächentechnik Zwickau für die Restauration zweier Räume der Plauener Handwerkerhäuser. Platz 3 bekam die Lernförderschule Makarenko Dresden. Die Schüler pflegen ein Denkmal eines französischen Soldaten und forschten zur Geschichte rund um den Deutsch-Französischen Krieg.