Neoplan Plauen: Riesenumbau zum Firmenjubiläum

Am 6. Dezember bringt zwar der Nikolaus Geschenke. Doch das, was vor 20 Jahren in den Kinderschuhen steckte, hat sich die Neoplan-Belegschaft in Plauen selbst beschert: Einen stetig wachsendes Betrieb, von dessen Leistungskraft Neoplan-Busse weltweit künden. Und es werden weitere Millionen investiert.

Plauen - Wenn heute Konrad Auwärter, Sohn des Neoplan-Firmengründers Gottlob Auwärter, bei der Festveranstaltung zum 20. Jubiläum von Neoplan Plauen spricht, dann wird er Erinnerungen an den Beginn der mehr als zwei Jahrzehnte währenden Zusammenarbeit wecken. Sein Bruder Albrecht, der 1994 starb, hatte im Mai 1990 die Plauener, die von 1953 an bis dahin alte und verschlissene Ikarus-Busse neu bepolsterten, lackierten und beplankten, bei einem Treffen in West-Berlin ermuntert, aus gelieferten Rohkarossen zwei Original Transliner zu fertigen. Zeit blieb nur wenige Wochen bis 17. August. Eine riesige Herausforderung, die die damals 147 Mitarbeiter mit viel Enthusiasmus meisterten. Der erste Neoplan-Bus made in Plauen wurde pünktlich an die Verkehrsbetriebe Annaberg ausgeliefert. Damit begann vor zwei Jahrzehnten an historischer Stelle eine neue Ära der Busfertigung, die 1919 mit Vomag-Bussen ihren Anfang nahm.

Zum Nikolaustag am 6. Dezember 1991 - zu einer Zeit als schon Neoplan Linien- und Reisebusse die Endmontage des Plauener Werkes am Leuchtsmühlenweg verlassen hatten - wurde die Neoplan Omnibus GmbH gegründet. Der Übergang von der Ikarus-Instandsetzung zur neuen Produktion lief nahtlos und ohne Kündigung, wie die Geschäftsleitung betonte. Rohkarossen wurden zunächst aus Westberlin geliefert. 1993 begann bei Neoplan Plauen die komplette Busfertigung, inklusive Rohbau. Bereits ein Jahr zuvor entstand das Verwaltungsgebäude.

Von damals fünf Neoplan-Werken in Deutschland ist der Standort Plauen noch der einzig verbliebene. Seit 2001 gehört Neoplan zum MAN-Konzern. Ein Blick in die Statistik beweist die kontinuierliche Entwicklung: Zählte Neoplan Plauen im Jahre seiner Gründung noch 147 Mitarbeiter, so sind es heute 450. Hinzu kommen noch 30 Auszubildende. In den zwei Jahrzehnten wurden mehr als 7200 Busse in Plauen gefertigt und weltweit - von Amerika bis Ghana - ausgeliefert. In diesem Jahr, das nach Aussage von Geschäftsführer Achim Knabe sehr gut lief, kamen bislang rund 470 weitere Busse hinzu. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Belegschaft um ihre Arbeitsplätze zitterte. Anfang 2010 hatte MAN bekannt gegeben, die Fertigung von Bus-Rohkarossen aus Plauen ins polnische MAN-Werk Starachowice zu verlagern.

Doch mit der vom Land Sachsen geförderten rund 20-Millionen-Investition der MAN-Nutzfahrzeuge AG in den Umbau des Betriebes, mit einer Arbeitspaltzgarantie bis mindestens 2016 und einem MAN-Kompetenzzentrum blickt Plauen in eine sichere Zukunft.

Dabei wird bei laufender Produktion derzeit das komplette Firmengelände umgestaltet. Bis Jahresende wird das neue drei Millionen Euro teure Logistikzentrum, für das Ende September der Grundstein gelegt wurde, fertig. Die Ausschreibungen für den zweiten Bau - ein Lackier- und Klebezentrum, das bis 2012 stehen soll - beginnen. Außerdem soll im kommenden Jahr auf der Internationalen Automobilausstellung ein neuer Neoplan Jetliner - Innenausbau und Endmontage made in Plauen - vorgestellt werden. Darüber hinaus solle ein Kundencenter errichtet werden, in dem künftig bestellte Busse am Ort seiner Entstehung abgeholt werden können.

Bis 2013 entsteht eine neue Hauptmontagehalle. Ein Teil der Produktion wird während des Umbaus in das Gebäude der ehemaligen Plauener Gardine, das Neoplan 2008 angemietet und ausgebaut hatte, verlagert. Anfang 2014 soll die Fertigung aus der "Gardine" an den umgebauten Standort zurückkehren. Bereits in den vergangenen Jahren wurden Grundstücke gekauft, um Platz für die topmoderne Busproduktion zu schaffen. Aus den 20 000 Quadratmetern im Jahre 1991 sind rund 70 000 Quadratmeter Grundfläche geworden.