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Reichenbach bleibt Polizeistandort
Reichenbach – Reichenbach bleibt als Polizeistandort auf alle Fälle erhalten. Und auch die Autobahnpolizei behält ihr Domizil im Reichenbacher Revier in der Heinrich-Heine-Straße. Somit entfernt sich die Polizei trotz Personaleinsparungen und Zuständigkeitsveränderungen nicht vom Bürger.
Das ist die Kernaussage von Polizeipräsident Dieter Kroll. Der Leiter der Polizeidirektion Südwestsachsen war einer Einladung zur Stadtratssitzung ins Reichenbacher Rathaus gefolgt und versuchte, die Umstrukturierungen, die in der sächsischen Polizei derzeit laufen, zu erklären.
Gründe, warum die Polizeistruktur seit 2005 großen Veränderungen unterliegt, gibt es laut Kroll viele. Er nennt es „Anpassungsmaßnahmen“ und führt diese auf knapper werdende Ressourcen, die demografische Entwicklung und die seit zehn Jahren sinkende Zahl an Straftaten zurück. „Uns sind die Täter ausgegangen“, sagt er sogar und meint den steigenden Anteil älterer Menschen an der Einwohnerstruktur. „Täter sind halt meist jüngere Menschen.“
Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Waren beispielsweise im Jahr 2005 im Vogtlandkreis insgesamt 15 843 Straftaten zu verzeichnen, so zählte die Polizei im vergangenen Jahr nur noch 12 776. Und die Unfallzahlen im Verkehrsbereich sind trotz steigender Zulassungen sogar rückläufig. Laut Kroll alles Gründe für einen Stellenabbau bei der Polizei. Und so muss er in seinem Bereich im Jahr 2010 38 Stellen abbauen. „Für 42 Altersabgänge bekomme ich also nur vier neue Kollegen“, rechnete er den Stadträten vor.
Trotzdem, so Dieter Krolls eindeutige Aussage, sei die Sicherheit in Sachsen zu jeder Zeit gewährleistet. Dazu tragen nach seiner Ansicht auch die Bürgerpolizisten bei. „Bitte haben Sie Vertrauen in die sächsische Polizei!“, forderte er am Ende die Reichenbacher auf. Stadtrat Stefan Hösl fragte nach der Rolle von Rechts- und Linksextremismus im Vogtland. Extremismuserscheinungen gebe es zwar, bestätigte der Polizist. Das Vogtland zähle in dieser Hinsicht aber nicht zu den Schwerpunktgebieten im Freistaat. Wolfgang Richter brachte die Sächsische Sicherheitswacht ins Gespräch. Sie kann nach Krolls Ansicht etwaige Defizite bei der Polizei zwar nicht kompensieren, sei aber für die öffentliche Ordnung und Sicherheit beispielsweise in Parkanlagen sehr hilfreich.
Birgit Schaller, Besitzerin des Zweiradgeschäftes in der Reichenbacher Altstadt, zweifelte die Sicherheitszusage des Polizeipräsidenten an und erinnerte an ihren beherzten Einsatz, als ein Dieb in ihrem Laden ein hochwertiges Fahrrad entwenden wollte. Sie handelte damals schnell und auf eigene Faust, weil sie schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht hatte. „Ladendiebstähle zur Anzeige zu bringen, hat wenig Zweck. Nach einiger Zeit erhält man meist nur ein Schreiben mit der Aussage, dass die Ermittlungen erfolglos eingestellt wurden“, erzählte Frau Schaller. Sie dürfe die Einsatzgebiete von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht verwechseln, entgegnete ihr der Polizeipräsident und erklärte, nicht mal zehn Prozent der Anzeigen komme tatsächlich zur Anklage. ina
2010-03-03




