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Vogtländische Rentiere aus Markneukirchen
Nur den Schlitten will „Vogtland-Rudolph“ nicht ziehen
Markneukirchen – Märchen sind besonders zur Weihnachtszeit bei Groß und Klein sehr beliebt. Auch die Geschichte vom Rentier Rudolph mit der roten Nase. Aber hautnah gesehen hat den kleinen Tausendsassa wohl noch niemand, zumindest in unserer vogtländischen Hügellandschaft nicht.
Das kann sich aber bald ändern, denn obwohl Rentiere zumeist in Tundren von Ländern rund um den Nordpol leben, gibt es eine kleine Rudi-Familie in den obervogtländischen Bergen um den Markneukirchner Ortsteil Wohlhausen.
Bei Hartmut Jacob sind vier Rentiere zu Hause und fühlen sich sichtlich wohl. Ein Mutter- und Vatertier, die zurzeit zwei Nachkommen großziehen, darunter einen lustigen, quietsch vergnügten Rudolph. Nur eine rote Nase hat der freche Kleine noch nicht, das kann aber noch werden.
Denn „Vogti-Rudi“ soll eines Tages mal einen Schlitten durch die weiten Weihnachtsbaumplantagen der „Jacobs Weihnachtsbaum Erlebniswelt“ ziehen. Dann mit an Bord Mädchen, Jungen und Erwachsene, die auf der Suche nach ihrem Weihnachtsbaum sind. Aber wie kam die Rentierfamilie vom europäischen Norden in das südlich gelegener Vogtland? „Es war vor fünf Jahren“, erinnert sich „Familienoberhaupt“ Hartmut Jacob. Damals sah er auf einem finnischen Flughafen ein Rentier – ausgestopft als Werbegag. „Da kam mir die Idee, dass es auch bei uns möglich sein müsste, Rentiere zu züchten“, erklärt der Wohlhausener. Und da er kein Mann von großen Sprüchen ist, ließ er sogleich Taten folgen.
Im Internet ging der Tierliebhaber sofort auf die Suche und traf auf einen Mecklenburger, der Rentiere aus Schweden nach Deutschland bringen kann. Schon im Februar 2004 trabten dann ein Hirsch und eine Hirschkuh in Wohlhausen an. Von Anfang an muss sich das Paar in der Obhut der Jacobs sehr wohl gefühlt haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass bereits ein Jahr später im Sommer das erste Neugeborene die Tannen der Markneukirchener Wälder erblickte. Schließlich liebt es sich bekanntlich nur dort am besten, wo es am schönsten ist. Und da Hirsch und Kuh auch nicht gleich wieder von einander lassen konnten, kam ein Jahr danach noch ein zweiter Zögling auf die Welt.
„Einen Rudolph hatte ich schon einmal soweit, das er unseren großen Weihnachtsschlitten zog“, freut sich Hartmut Jacob. Aber der Jüngling wollte nur ihm allein gehorchen, jeden Fremden knuffte und packte er mit seinem stolzen Geweih. So wurde erstmal nichts aus dem schönen Wintertraum, den Weihnachtsmann mit einem Rentierschlitten bimmelnd zum Fest ins Vogtland kommen zu lassen.
Aber der Waldwirtschafter gibt so schnell die Hoffnung nicht auf. Verspricht neuerlicher Nachwuchs doch schon wieder, handzahm zu werden und sich vor einen Schlitten einspannen zu lassen. „Die Zucht und Dressur ist wie bei einem Pferd“, weiß Jacob, nur schwieriger sei die ganze Sache. Ist ein Rentier doch ein wildes Tier, das mit sehr viel Liebe und Geduld zahm und am Halfter führig gemacht werden müsse. „Auch in Lappland ist es nicht der Fall, das man einfach ein Rentier einfangen und abrichten kann“, erklärt Jacob. Dort werden Schlittentiere im Wald genau dafür ausgesucht. Im Alter von fünf Jahren kann ein Jungtier dann von der Mutter weggenommen und ausgebildet werden.
Als einzige Hirschart tragen beide Geschlechter ein Geweih, das sie jährlich abwerfen. Die Geweihe der Männchen werden bis zu 130 Zentimeter groß und 15 Kilogramm schwer. In der freien Natur können Rentiere bis zu 15 Jahre alt werden, im Gehege bei guter Pflege sogar bis 20 Jahre. „Aber nur die Hirsche lassen sich abrichten, die Hirschkühe nicht“, sagt der Züchter lächelnd. „Man hat sie eben nie im Griff – diese Frauen“, fügt er schmunzelnd hinzu. Wie recht er doch hat.... kiwi
2009-12-18




